23
Feb
2010

Tellerrand-News

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Appell an die Bundesregierung: Drogenpolitik weiterdenken – Entkriminalisierung ausgestalten 

 

Pressemitteilung vom 24.11.2009

Anlässlich der Ernennung der Drogenbeauftragten Dyckmans erklärt Prof. Dr. jur., Dipl.-Psych. Lorenz Böllinger, Sprecher des Schildower Kreises:

„Wir begrüßen die neue Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans in ihrem Amt. Damit verbinden wir die Hoffnung auf ein Ende des Stillstandes in der Drogenpolitik. Nach der Legalisierung von Diamorphin zu medizinischen Zwecken sind nun weitere mutige Schritte nötig. Gerade als Juristin sollte Frau Dyckmans um gesetzgeberische Initiativen bemüht sein, die ansatzweise praktizierte Entkriminalisierung des Drogengebrauchs in Deutschland endlich in eine rechtlich einwandfreie Form zu bringen. Dazu kann inzwischen auf umfangreiche Erfahrungen in anderen Ländern zurückgegriffen werden. Entscheidend ist der Vorrang der Sozial- und Gesundheitspolitik vor der Strafverfolgung sowie die Berücksichtigung der Eigenverantwortung des Einzelnen.

Der Staat darf die Bürger durch die Drogenpolitik nicht schädigen. Es ist deshalb notwendig, Schaden und Nutzen der Drogenpolitik ideologiefrei wissenschaftlich zu überprüfen. Der Bundestag sollte hierzu eine Enquête-Kommission einrichten, die sich grundsätzliche Gedanken macht. Auch die Abschaffung der Drogenprohibition und die Möglichkeit legaler Bezugswege müssen hierbei in Erwägung gezogen werden.“

 

 

 

Reputation der Pharmaindustrie sinkt auf Rekord-Tief

 

http://www.pkv-private-krankenversicherung.net/ansehen-der-pharmaindustrie-in-der-bevoelkerung-direkt-hinter-drogen-dealer-922

 

PKV, 09.02.2010 – Schwere Vorwürfe muss sich die Pharmaindustrie von Ex-Arzneimittelprüfer Peter Sawicki gefallen lassen. Mangelhafte Produktpipelines und fehlende ethische Verantwortung deutscher Pharmakonzerne sollen bei einem Großteil der Bevölkerung inzwischen Verstimmung ausgelöst haben. Sogar Manager von Großkonzernen bestätigen den inzwischen schlechten Ruf bei den Bürgern, der so weit gehe, dass die Pharmabranche im Ansehen "direkt nach den Drogen-Dealern komme".

 

 

 

 

Unterfranken: Drei Schmerzpatienten berichten über Linderungen und Nöte mit Cannabis aus der Apotheke.

 

 

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4
Nov
2008

Deutschland im September

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EINIG IGNORANZ UNRECHT UNFREIHEIT

Im September 2006 erstattet der heute 55jährige Axel Junker aus Westerland bei der Polizei eine Selbstanzeige wegen des Anbaus von Cannabis aus medizinischen Gründen. Junker leidet seit 28 Jahren u. a. an einer Hepatitis C-Virusinfektion und Schmerzzuständen nach einer Bandscheiben – OP. Er kuriert sich seit 10 Jahren unter ärztlicher Aufsicht erfolgreich mit Cannabis, konnte seinen sonstigen Medikamentengebrauch seither drastisch senken und ist noch immer berufstätig. Erfolg seiner Selbstanzeige: Hausdurchsuchung, Beschlagnahme von 8 Cannabispflanzen, erstinstanzliche Verurteilung zu einem Jahr Haft ohne Bewährung. Für juristische und verwaltungsrechtliche Auseinadersetzungen hat er bisher allein 8000 € an Kosten für Rechtsanwälte aufwenden müssen. Das Urteil in der Sache ist noch immer nicht rechtskräftig. Es steht zu befürchten, dass Junker wegen seiner tiefen Überzeugung und Erfahrung, dass Cannabis medizinisch in der Tat überaus hilfreich wirkt, nicht nur in Haft genommen wird, sondern nach verbüßter Strafe weiterhin um die lebensqualitätsnotwendige Anerkennung seiner medizinischen Indikation wird kämpfen und zahlen müssen.

Im September 2007 sitzt der schwer an Morbus Crohn und Morbus Bechterew erkrankte Volker Krug aus Würzburg noch immer in bayrischer Untersuchungshaft, nachdem er zuvor beim Import von Cannabis zu medizinischen Zwecken erwischt worden war. In Haft wird Krug nicht nur depressiv, sondern verliert auch rapide an Gewicht und erleidet durch falsche ärztliche Betreuung ein kaum vorstellbares Martyrium. Nach schriftlicher Intervention einiger Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft – (ACM)  so wie des Selbsthilfenetzwerkes Cannabis als Medizin (SCM) bei Gericht und Staatsanwaltschaft wird er entlassen, kurze Zeit später jedoch zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Gerichtlich ergeht an ihn die quasi unerfüllbare Auflage, Dronabinol® – statt Cannabis einzunehmen. Obgleich er finanziell dazu nicht in der Lage ist, das Medikament dauerhaft zu bezahlen, muss er in sog. „Screenings“ gegenüber dem Gericht seine Naturcannabis-Abstinenz nachweisen, um nicht für Jahre in Haft genommen zu werden. Erfolg der Kriminalisierung: Der Kontakt zwischen Mitpatienten und Krug reißt kurz nach Veröffentlichung hilfesuchender Spendenaufrufe ab. Sein Antrag auf eine nach § 3 BtmG mögliche Ausnahmegenehmigung wird bereits lange vor Inhaftnahme u. a. deshalb abgelehnt, weil er zuvor laut ärztlicher Stellungnahme Cannabis „missbräuchlich“ verwendet habe. Krug äußert daraufhin die Befürchtung, ins gesundheitliche Exil im Ausland gehen zu müssen, um überleben zu können. 

Im September 2008 richtet die 70jährige Ingrid Sander aus Erfurt einen sog. Offenen Brief an die gesundheitspolitischen Sprecher aller im Bundestag vertretenen Parteien. Sie beklagt die noch stets anhaltende Situation, wie zynisch und menschenverachtend die deutsche Politik mit cannabisbedürftigen Schmerzpatienten umgeht. Frau Sander leidet infolge einer lange schon bestehenden Kinderlähmung unter schweren Polyneuropathien und Gehbehinderungen. Von ihrer geringen Rente schafft sie es notdürftig ein wenig Geld für Cannabis abzuzweigen, um einige wenige Tage im Monat annähernd schmerzfrei – und dadurch leidlich mobil zu leben. Das für sie so kostbare Mittel verbackt sie in Kekse und setzt diese ihrer schweren Krankheit entsprechend verantwortungsvoll, sparsam und im streng medizinischen Sinne – ohne jegliche Absicht einer möglichen Erzeugung psychoaktiver Nebenwirkungen –  ein. Ohne ärztliches Rezept, ohne vorliegende Arzneimittel-Gebrauchsanweisung und ohne Rücksicht auf die von CDU/CSU und SPD geäußerten Bedenken, “eine Liberalisierung von Cannabisprodukten zu medizinischen Zwecken könne einen signifikanten Anstieg von Cannabis-Missbrauch unter Jugendlichen nach sich ziehen.“ Erfolg des Sander-Schreibens: Bis dato nicht eine einzige Antwort von sämtlichen angeschriebenen Volksvertretern.

Im November 08 – drei Wochen nach der Anhörung des Gesundheitsausschusses beim Bundestag zur Cannabis als Medizin-Debatte, in dessen Verlauf sich 15 Experten und Interessenverbände für – und lediglich die Gesetzlichen Krankenversicherer gegen die Forderungen nach erleichterten Möglichkeiten zur medizinischen Cannabis/Dronabinol-Vergabe ausgesprochen haben – stehen Sander, Junker, eventuell Krug und Hunderttausende anderer ungenannter, chronisch Kranker noch immer machtlos, rechtlos, hilflos da:

Abhängig von aufgezwungen illegalem Verhalten zu Schmerzfreiheits-/Überlebenszwecken.

Willkürlich gegängelt vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches  nach Belieben und freiem Ermessen Fristen in der Antragsbearbeitung überschreitet und wissentlich mit nahezu jeder Antragsablehnung auf Cannabisversorgung Grundrechte bricht.

Bedroht von sozialschädlichen Verfolgungen und Inhaftierungen.

Schmählich im Stich gelassen von äußerst träge reagierender Justiz und Politik, die seit zehn Jahren bestehende Gesetze von Verfassungsrang offensichtlich nicht auf cannabisbedürftige Patientengruppierungen angewendet wissen wollen.

Einigkeit von Ignoranz in punkto Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Therapiewahl, aber für die Betroffenen noch immer nicht Einigkeit und Recht und Freiheit.

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29
Mrz
2008

Volker

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Mein Name ist Volker Krug, ich bin am 10.07.1967 geboren und erkrankte 1984 (im Alter von 17 Jahren) an Morbus Crohn (chronische Darmentzündung). Bis 1990 hatte ich einen sehr schweren Krankheitsverlauf, gekennzeichnet von unzähligen Schüben und dadurch auch unzählige Krankenhausaufenthalte mit Bauchoperationen. Im Januar 1990 musste mir bei einer Darmoperation der gesamte Dickdarm und 30 cm Dünndarm entfernt werden und ich bekam einen künstlichen Darmausgang.Schon zu diesem Zeitpunkt wurde mir von den Ärzten gesagt, dass ich mein Leben lang Medikamente einnehmen müsse. Zwei Jahre später,1992 musste der Darmausgang aufgrund einer Fistelbildung von der  rechten auf die linke Seite durch eine erneute OP verlegt werden. Jede dieser Operationen sind mit neuen Schmerzen verbunden, jede Narbe mit Bewegungseinschränkung und hypersensiblem Gefühl. Von meinem damalig psychischem Zustandsbild ( depressiver Stimmung) mal ganz abgesehen.
1994 wurde mir eine erneute chronische Erkrankung diagnostiziert, einen Morbus Bechterew (Rheumatische Gelenkerkrankung). Im August 2000 zog ich mir durch einen Unfall einen Schienbeinkopftrümmerbruch zu, was zur Folge hat, dass ich in einigen Jahren, laut behandelndem Arzt, vermutlich ein künstliches Kniegelenk benötigen werde.Dass mein Leben mit all den Erkrankungen oftmals von starken Schmerzen gekennzeichnet ist, muss ich glaube ich nicht weiter erläutern.
Von 1984 bis 1999 nahm ich regelmäßig konventionelle Medikamente wie Cortison, Imoreck, Clont, Pantozol sowie Schmerzmittel wie bspw. Tramal long 200, Valoron und Mst ein. Meine Leberwerte wurden von Jahr zu Jahr problematischer. Dazu kam 1999 eine Medikamentenabhängigkeit, die sich durch physische, wie auch psychische Symptome äußerte. Inzwischen wurde bei mir auch eine vergrößerte und verfettete Leber festgestellt.
Vor ca. 12 Jahren kam ich das erste Mal mit Cannabis in Kontakt. Anfangs noch sehr unregelmäßig. Seit Ende 1999 rauchte ich regelmäßiger und bemerkte bald die positive Auswirkung zu meinen Erkrankungen. Seit 2000 nehme ich bewusst Hanf als Medikament zu mir. Ich konnte meine konventionellen Medikamente immer weiter reduzieren. Seit zwei Jahren bin ich nun trotz anderer Prognose der Ärzte in der Lage auf alle konventionellen Medikamente zu verzichten. Das einzige Medikament dass ich zu mir nehme ist Cannabis.
Ich hatte seitdem keine großen  Morbus Crohn Schübe mehr, die mit einer OP hätten behandelt werden müssen. Auch mit meinen chronischen Schmerzen, verursacht durch das Rheuma, wie auch durch den M. Crohn kann ich im täglichen Leben viel besser umgehen. Selbst meine verfettete und vergrößerte Leber hat sich in den letzten Jahren schon wieder gut regeneriert und meine Leberwerte sind mittlerweile auch wieder im Normbereich.
Nachdem mir bewusst wurde, welche positive Auswirkung Cannabis bei mir hat, holte ich mir Rat bei einem meiner behandelten Professoren. Dieser sagte, dass ich Cannabis als Medikament nur durch einen richterlichen Beschluss genehmigt bekommen könne, er dies aber eher aussichtslos sehen würde.
Im Sommer 2003 ging ich zur Polizei und zeigte mich selbst an. Mir war klar, dass ich mit meinen Erkrankungen leben muss und ich hatte es satt, mein Medikament Hanf welches bei mir solche positiven Auswirkungen hat, heimlich zu besorgen und auch zu nehmen.
Schon der Richter, der meine Erwerbsunfähigkeitsrente 1999 bewilligte sagte beim Urteil "žHerr Krug, schauen sie zu, dass sie sich trotz ihrer Erkrankungen noch ein paar schöne Jahre machen".
Nun habe ich ein Medikament für mich gefunden, was mir dies ohne schwerwiegende Nebenwirkungen ermöglichen würde, doch durch unsere Politik und unsere Gesetzgebung wird es mir widerum fast unmöglich gemacht.
Von 2003 bis heute bin ich schon vier mal mit der Polizei und dem Gericht in Konflikt geraten. Mein Führerschein wurde mir als erstes entzogen. Es folgten Hausdurchsuchungen und Personenkontrollen. Es lag nie Handeltreiben oder sonstige Involvierung dritter Personen vor. Durch viel zu hohe Strafen die mir durch meine Medikamenteneinnahme verpasst wurden, bin ich inzwischen verschuldet.
Im Sommer 2005 musste ich für sieben Wochen in der JVA Würzburg einsitzen, da ich meine Geldstrafe nicht zahlen konnte und diese meiner Meinung nach sowieso nicht gerechtfertigt war.
Schon in den ersten zwei Wochen in der JVA nahm ich ca. 6 Kilogramm ab, da ich das Essen, welches ich bekam nicht vertragen habe. Ich beantragte Schonkost, leider ohne Erfolg!!!
In der dritten Woche befand ich mich auf der Krankenstation und erzählte dem Arzt, dass ich schon seit kurz nach Haftantritt unter Erbrechen, Durchfall und krampfartigen Bauchschmerzen leiden würde und ich das mir vorgesetzte Essen aufgrund meines Morbus Crohn nicht vertragen würde. Ich beantragte eine Magenspiegelung, die auch bis zum Ende der sieben Wochen nicht genehmigt worden war. Es wurde nichts untersucht, nicht einmal Blut abgenommen um eine Magen- oder Darmentzündung ausschließen zu können.
Bis zu meiner Entlassung nach sieben Wochen hatte ich zehn Kilogramm abgenommen. Zu meinem gesundheitlichen Desaster musste ich die sieben Wochen auf einer mit Sperma, Urin und Kot verschmierten Matratze liegen, die aussah, als wäre sie mit einer Milliarden Keimen verseucht.
Als ich letztes Jahr im Gefängnis saß, hatte ich einen Bericht über die Hanfapotheke in der SZ gelesen. Als ich Entlassen wurde, nahm ich gleich Kontakt zur Hanfapotheke auf. Dort bekam ich dann die Adresse der ACM. Seitdem läuft auch der Antrag bei der BfArM.
Seit Monaten versuche ich auch mit Politikern, Funk und Fernsehen in Kontakt zu treten. Bisher aber leider noch ohne nennenswerten Erfolg.
Viele Grüsse
Volker Krug

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17
Mrz
2008

Artikel aus der Mainpost zu Volkers Verurteilung

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WÜRZBURG März 2008

Joint gegen die Dauerschmerzen: Strafe

Ein Würzburger Patient kämpft dafür, Cannabis als Arznei nehmen zu dürfen
Zwei Jahre auf Bewährung hat der Würzburger Volker Krug vor Gericht bekommen. Weil er mit seinem Medikament erwischt wurde: Cannabis.

Seine Wohnung hatte er schon gekündigt. Er hatte auswandern wollen, nach Holland. Oder besser noch: nach Spanien. Da ist es warm, da gibt es Cannabis-Clubs. Da gerät man nicht in Gefahr, wenn man mit zwei, drei Gramm herumläuft. Da bekommt man Tagesrationen, sauber angebaut zum humanen Preis. "Mir war klar, ich hau hier ab", sagt Volker Krug. Einen Infostand in Würzburg wollte er vorher noch machen. Am 10. Juli, seinem 40. Geburtstag. Es wurde nichts aus Spanien. Es wurde auch nichts aus dem Infostand. Zwei Tage vorher wurde Krug am Würzburger Busbahnhof verhaftet. Mit 225 Gramm Marihuana aus Amsterdam.

Für die Justiz ist Cannabis eine Droge. Für Volker Krug ist es ein Mittel zum (Über-)Leben. Mit einem Analabszess war es losgegangen, 1984. 16 Jahre war Volker Krug damals alt, lernte Metzger und fraß die Schikanen des Lehrherrn in sich hinein. Doch statt Würste zu brühen und Schweine auszunehmen, machte Krug "Karriere" als Patient. Seine Diagnose: Morbus Crohn. Jahrelang litt Krug unter heftigsten Schüben der chronisch entzündlichen Darmerkrankung, lag wochen- und monatelang im Krankenhaus, schluckte Unmengen Cortison. Wenn er aus der Klinik entlassen wurde, verkroch er sich daheim. Was bleibt einem übrig, bei 30 Stuhlgängen am Tag. Die Ärzte verschrieben Traumal, "das macht stumpf im Kopf". Irgendwann war der Darm kaputt und Krug auf 41 Kilo abgemagert, da legten die Ärzte einen künstlichen Darmausgang. 22 Jahre war er alt und bereits berufsunfähig geschrieben. Frührentner also, mit künstlichem Darmausgang. Der wurde zwei Jahre später von rechts nach links verlegt, weil sich eine Fistel gebildet hatte. "Körperlich ging’s dann besser, psychisch gar nicht", sagt Krug.

1994 kamen zu den Dauerschmerzen im Bauch Schmerzen im Kreuz. Die Diagnose: Morbus Bechterew. Ein entzündliches Rheuma, das die Gelenke versteift. Ebenfalls nicht heilbar. Volker Krug schluckte 20 bis 30 Tabletten täglich. Cortison, Morphin, Immunsupressiva, Antidepressiva. "Hammermedikamente", sagt der 40-Jährige. Die Nebenwirkungen waren heftigst. "Ich bin chronisch verseucht", sagt Krug. "Das Cortison von damals baue ich wahrscheinlich heute noch ab." Zwei Mal versuchte er, sich das Leben zu nehmen.

Und dann kam der Tag, an dem Volker Krug das Lachen wiederfand. Er rauchte den ersten Joint seines Lebens. Eine Entdeckung! "Eine Pflanze tut mir besser als die ganze Chemie." Hanf nahm ihm die Schmerzen. Machte ihm endlich wieder Appetit. Volker Krug rauchte. Konnte wieder lachen. Braute sich aus Marihuana Tee. Konnte wieder schlafen. Hatte weniger Schübe. "Wenn die Psyche besser ist, ist auch der Crohn besser." Volker Krug suchte sich einen Job als Aushilfe an der Tankstelle, weil er wieder was machen konnte, weil die Tage wieder Sinn bekamen.

"Die Pflanze ist besser als die ganze Chemie"

Volker Krug

Nur eines passte nicht: die Heimlichkeit. Krug hatte es satt, die Leute, die eigene Familie anzulügen. "Die Eltern haben immer gedacht, ich trinke." Wenn er schon offen zu seinem künstlichen Darmausgang, zu seiner Krankheit stehen sollte, dann auch zu seinem Medikament: "Es gehört dazu." Vor fünf Jahren ging Volker Krug zur Polizei und zeigte sich an. Er fand, er habe ein Recht auf die Topfpflanzen auf dem Balkon. Man müsse nur seine Krankenakten durchgehen und schauen, wie schlecht vor zehn, 15 Jahren die Leberwerte waren, kurz vor der Zirrhose. Jetzt sind die Werte wieder im Normbereich, das vergrößerte Organ hat sich erholt.

Seit zwei Jahren kommt Krug ohne Chemie aus. "Ich mach da keinen Blödsinn damit", sagt Krug über das Kraut. "Ich mach das, damit ich durch den Tag komme und wenigstens etwas Spß am Leben habe." Doch Cannabis ist eine Droge. Wer das Fläschchen mit dem Extrakt aus der Apotheke will "72,6 Prozent, aufgelöst in Sesamöl", muss höhere Auflagen erfüllen als ein Patient, dem der Arzt ein Betäubungsmittel auf Rezept verschreibt. Vor eineinhalb Jahren stellte der Frührentner beim Bundesamt für Arzneimittel den Antrag, sein Medikament in der Apotheke holen zu dürfen. Cannabis-Extrakt aus dem Fläschchen, legal verschrieben, das wär’s. Erst zwei Patienten haben von der Bundesopiumstelle die Ausnahmegenehmigung bekommen. Die Bewilligungsprozedur ist aufwändig, Volker Krug hatte kein Glück. Statt in die Apotheke, ging er im Sommer 2007 in den Knast.

Vom Anstaltsessen wurde ihm schlecht. Durchfälle und Bauchkrämpfe plagen. Zwei Jahre zuvor war er schon einmal in der JVA eingesessen, wegen einer Geldstrafe, die er nicht bezahlen konnte und wollte. Damals hatte er nach 14 Tagen hinter Gittern rund zehn Kilo weniger gewogen. Auch jetzt wieder geht es ihm hinter Gittern immer schlechter. Der Haftrichter hat ein Einsehen. Volker Krug kommt gegen Auflagen frei.

Das Urteil: zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. Volker Krug nimmt jetzt "Dronabinol", in dem nicht alle Inhaltsstoffe der Pflanze enthalten sind, sondern nur der Hauptwirkstoff THC. Dronabinol ist teuer, eine Zweimonatsration kostet 420 Euro. Die Kasse bezahlt es nicht. Krug sagt: "Es macht ein wenig Hunger. Aber es nimmt nicht die Schmerzen." Es unterdrückt nicht die Rheuma-Schübe.

Volker Krug darf sich nicht mehr erwischen lassen. "Am liebsten wäre es mir, wenn man sagt: Du darfst das Cannabis auf Deinem Balkon anbauen." Er will einen neuen Antrag stellen bei der Bundesopiumstelle. Oder: Spanien. Spanien ist immer noch ein Traum. "Da würde ich als Kranker nicht diskriminiert."

QUELLE: mainpost.de

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15
Feb
2008

II. Spendenaufruf: Dronabinol für Volker Krug

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Volker Krug, ein Morbus-Crohn-Patient, der seit vielen Jahren Cannabis erfolgreich medizinisch einsetzt und am 9. Juli 2007 wegen des Imports von Cannabis aus den Niederlanden in Würzburg in Untersuchungshaft genommen worden war, wurde am am 13. Februar zu 2 Jahre Gefängnis auf 3 Jahre Bewährung verurteilt.

Eine der Bewährungsauflagen ist, sich einem Drogenscreening zu unterziehen, sobald er kein Dronabinol mehr einnimmt.

Da Volkers Krankenkasse nicht bereit ist, eine schriftliche Kostenzu- oder absage zu geben, verschreibt ihm sein Arzt Dronabinol nur auf Privatrezept. Volker kann das aber nicht bezahlen.

Die Zusage der Kostenübernahme ist Voraussetzung, damit Volker seine Bewährungsauflage erfüllen kann. Die Absage ist Voraussetzung, damit er seinen BfArM-Antrag wieder aufnehmen kann.

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hat jetzt einen Rechtsanwalt eingeschaltet, um Volkers Kasse zu einer schriftlichen Aussage zu zwingen.
Bis zu einer Klärung rufen wir deshalb erneut zu einer Spende für Dronabinol für Volker auf.

Spenden Sie bitte auf das Konto seines Rechtsanwaltes.

Kontoinhaber: RA Scheckenbach
Konto: 101380621
BLZ: 79090000 (VR-Bank Würzburg)
Verwendungszweck: Dronabinol für Volker Krug

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