11
Feb
2017

Klima-Aussichten


Der Bundesrat winkt am 10.02. 2017 das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin durch.
Patienten winken diesem Ereignis inzwischen hoffnungsfreudig zu.
Winken Ärzte hierzulande nun diese in nahezu 20 Jahren erkämpfte gesetzliche Neuerung einer Cannabis-Verschreibungsmöglichkeit womöglich mehrheitlich ab?

Im sozialen Netzewerk Facebook nimmt die Zahl der von Patienten lancierten Medizin-Cannabis-Informations- und Aufklärungsseiten zu, aber allenthalben sind dort verdrossene Kommentare zu lesen wie etwa „Mein Arzt stellt mich in die Junkie-Ecke“ oder „Mein Doc meint, er darf keine Betäubungsmittel verschreiben“, bis hin zu ärztlichen Bemerkungen wie „Dafür gibt es andere Mittel; Drogenkonsum ist keine Lösung bei gesundheitlichen Problemen“ oder auch „Ich habe als Arzt schlicht nicht die Zeit mich um aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen zu kümmern, mich auf dem Laufenden zu halten, weil Dokumentation, Abrechnung und sonstige Praxis-Bürokratie mich zeitlich total auffressen.“
Einer schrieb sinngemäß – bezogen auf das Ärzte-Wissen zu Cannabis und die mögliche Verschreibung –  „es dürfe von einem Opel-Mechaniker nicht erwartet werden, dass er sich in der Reparatur von VW- oder BMW-Modellen auskenne…“

Es wäre daher blauäugig zu glauben, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes im März 2017 würde sich von einem auf den anderen Tag alles zum Guten wenden.

Vereinzelt dürfte das Arzt-Patienten-Klima sogar deutlich schlechter werden, wenn die Suche nach aufgeschlossenen Ärzten künftig immer dringlicher wird und verzweifelte Patienten in Ballungsräumen telefonisch selbst erstellte Listen abarbeiten, um auf diese Weise  herauszufinden, ob angerufene Mediziner zu den „Cannabis-Verschreibungswilligen“ gehören oder nicht.

Absehbar scheint daher, dass man ab März 2017 trotz neuem Gesetz als nicht mit Cannabis oder Cannabisprodukten versorgter Patient noch ein paar weitere Jahre an Geduld aufbringen muss, bis die genannten Mittel so häufig verschrieben werden wie es medizinisch tatsächlich notwendig und sinnvoll wäre.
Ebenso wie der in Gründung befindlichen Cannabisagentur noch ein paar Jahre zugestanden werden müssen, bis sie mit kompetenten Mitarbeitern bestückt ist, Lizenzen vergibt, Ernten aufkauft, in Zusammenarbeit mit Produzenten und „apothekischem Dealwesen“ Versorgungslücken-frei funktioniert und endlich behauptet werden kann: „Läuft!“

Diese (wenigen?) Jahre bis „Läuft!“ gilt es für viele Kranke irgendwie zu überbrücken.
Eigenanbau und einhergehender Antrag auf Erlaubnis zum Eigenanbau von Cannabis wäre für gärtnerisch talentierte Patienten zumindest eine Brücken-Option. Alle Übrigen sind dazu verdammt Klinken zu putzen, zu erklären, zu bitten, zu bittstellen, zu versuchen zu überzeugen und ein entspanntes Klima zu schaffen, in einer im Grunde menschlich hochdramatischen Situation, nämlich der eigenen Krankheit…

– Axel Junker –

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10
Jan
2017

UMGANG MIT CANNABIS


Es gibt zum Bedauern einer Vielzahl von Patienten und Ärzten keine genauen Dosierungsvorgaben oder etablierte einheitliche Dosierungs-Schemata für medizinisch wirksame Produkte wie z.B. frisches Marihuana („raw marihuana“), per Verbrennung inhaliertes, ggf. vaporisiertes Marihuana, Haschisch oder Cannabisöl.

Die Dosierung ist stark individualisiert und beruht in hohem Maße auf der Titration (d. H. der Suche nach der richtigen Dosis, bei der potenzielle therapeutische Effekte maximiert – während negative oder schädliche Effekte minimiert werden). Der umsichtigste Ansatz für die Dosierung bei Fehlen evidenzbasierten Leitlinien ist, „start low and go slow“, sinngemäß „beginne mit wenig und mach langsam.“

Anders als bei Produkten, die eine Anerkennung von „Health Canada“ erhalten haben oder den Prüfungserfordernissen des niederländischen Bureau voor Medicinale Cannabis unterliegen, ist die Cannabisdosis aus unbekannten Fremdquellen, die zur Erzielung therapeutischer Effekte und zur Vermeidung von Nebenwirkungen erforderlich ist, schwer abschätzbar und wird von vielen Variablen beeinflusst.
Höhere Dosen von THC (und CBD) können bei gänzlich fehlender Erfahrung im Umgang mit Cannabis mit einem erhöhten Risiko von unerwünschten oder schädlichen Auswirkungen einhergehen.

Patienten ohne vorherige Erfahrung mit Cannabis und erstmaliger Einleitung einer Therapie wird eine sehr niedrige Dosis (z. B. 1 mg THC) angeraten. Sie sollten die Therapie sofort abbrechen, wenn unannehmbare oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten (z. B. Desorientierung, Schwindelgefühl und Verlust von Koordination,) Erregung, Angst, schneller Herzschlag, Schmerzen in der Brust, niedriger Blutdruck, Gefühl von Ohnmacht, Depressionen, Halluzinationen oder psychose-ähnliche Symptome)

Zu Beginn der Therapie mit Cannabis ist es am besten zu versuchen jemanden begleitend bei sich zu haben, dem man vertraut, sofern man vom Cannabis eine nachteilige Wirkung verspürt und möglicherweise medizinische Hilfe benötigt.

Während es einige klinische Studien von inhaliertem und vaporisiertem getrocknetem Cannabis für therapeutische Zwecke gab, gibt es keine klinischen Studien über den Gebrauch von frischem Marihuana oder Cannabisöl für therapeutische Zwecke. Daher ist die Bereitstellung genauer Dosierungsrichtlinien für solche Produkte nicht möglich, obwohl vorhandene Informationsquellen als Referenz verwendet werden können (s.u.)

Beginn, Höhepunkt und Dauer spürbarer Effekte
Bei Inhalation (Rauchen, Verdampfen) können die Effekte innerhalb weniger Minuten, in der Regel aber innerhalb von 30 Minuten spürbar sein. 1*
Akute Effekte dauern in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden, können aber auch durchaus länger anhalten (z. B. 24 Stunden) 2*

Bei oraler Einnahme (z.B. Öle, Nahrungsmittel, Kapseln) können akute Effekte frühestens 30 Minuten und spätestens nach 3 oder 4 Stunden nach Verabreichung spürbar sein. 3* Diese Variabilität hängt von einer Reihe von Faktoren ab (z.B. der Nahrung im Magen). Es ist ratsam ein Minimum von 2 Stunden zwischen der Verabreichung von Einzeldosen oraler Produkte abzuwarten, um eine mögliche Überdosierung zu vermeiden. 4*
Akute Effekte liegen im Allgemeinen zwischen 3 und 4 Stunden nach der Dosierung und können bis zu 8 Stunden oder länger dauern. 5*

Bei topischer Anwendung (z.B. selbst angefertigte Pflastern oder Wickeln mit „raw cannabis“) ist nicht bekannt, wie lange es dauert, bis potenzielle therapeutische Effekte auftreten, noch wie lange sie dauern.
Es gibt Berichte über Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Hautausschlag, Juckreiz), wenn die Haut mit Cannabis in Berührung gekommen ist. Andere Berichte belegen die Wirksamkeit von warmen Bädern in Cannabis-Blattmerial. 6*

Dosierungsmengen
Informationen, die aus einer begrenzten Anzahl von kleinen und kurzzeitigen klinischen Studien von Cannabis für medizinische Zwecke stammen, zeigen, dass tägliche Dosen von gerauchtem oder verdampftem getrocknetem Cannabis ab 75 mg getrockneter Cannabis (9,4% THC , nach Gewicht ca. 7 mg THC) bis zu einem Maximum von 3,2 g getrockneter Cannabis pro Tag ausreichend sind.

Niedrige 2,5-3 mg THC Dosen sind mit einem therapeutischen Nutzen und minimaler Psychoaktivität verbunden. 9*, 10*, 11*

Verschiedene Untersuchungen, die in der wissenschaftlichen und medizinischen Literatur veröffentlicht wurden, haben ergeben, dass die Mehrheit der Personen, die Cannabis geraucht oder oral eingenommen für medizinische Zwecke verwendet, als Bedarf von 10 bis 20 Gramm Cannabis pro Woche oder etwa 1-3 Gramm getrockneten Cannabis pro Tag berichtet. 12*

Eine Studie ergab, dass die durchschnittliche tägliche Dosis von getrocknetem Cannabis (verschiedener Potenzen), die von Patienten im niederländischen Medical Cannabis-Programm verwendet wurde, 0,68 Gramm pro Tag betrug (Bereich: 0,65-0,82 Gramm pro Tag.) 13*

Eine andere Studie legt nahe, dass unabhängig von der Art der Verabreichung (Inhalation oder oral) Personen, die Cannabis für medizinische Zwecke gebrauchen, äquivalente Mengen an Cannabis pro Tag mit durchschnittlichen Menge von etwa 3 Gramm pro Tag bedürfen. 14*

Beim Rauchen und Vaporisieren beträgt die durchschnittlich berichtete Dosis 1,5 – 2,0 Gramm pro Tag.
Bei Back- oder Esswaren liegt die durchschnittliche Dosierung 1,5 Gramm pro Tag.
Für Tee-Zubereitungen wird eine mittlere Dosis von 1,5 Gramm pro Tag berichtet.

Es gibt keine allgemeingültigen Informationen über Dosierungsmengen für topisch angewandte Cannabisprodukte (z. B. Salben, Cremes, Lotionen, Öle, Balsame, Salben), jedoch legt eine Studie nahe, dass ungefähr 5% der Personen, die Marihuana für medizinische Zwecke gebrauchen, solche Produkte verwenden.

Es liegen keine Informationen über Dosierungsmengen für frisches Marihuana vor.

In Ermangelung klinischer Studien über Cannabisprodukte – wie zum Beispiel oral applizierte Öle – wurden die folgenden Informationen als Hinweise gegeben, um eine gewisse potenzielle Anleitung zur Dosierung zu geben.

Produkte („Edibles“) oder Öle, die oral eingenommen werden
Die verfügbaren klinischen Daten für Marinol®, eine oral verabreichte Kapsel, die eine Marktzulassung erhalten hat und die synthetisches THC enthält, das in Sesamöl gelöst ist, weist auf einen Dosierungsbereich von nur 2,5 mg THC pro Tag bis zu einer maximalen Dosis von 210 mg THC pro Tag hin . 16*, 17*, 18*
Dosen unter 2,5 mg (zB 1 mg) THC können die Häufigkeit und das Risiko von Nebenwirkungen weiter vermeiden.
Die durchschnittliche Dosis von Marinol® beträgt 20 mg THC pro Tag
Die maximale empfohlene tägliche orale Dosis von Marinol® beträgt 40 mg pro Tag. 20*, 21*

Vorläufige Informationen aus einer offenen klinischen Studie mit Epidiolex® (ein oral verabreichter Ölextrakt, der hauptsächlich Cannabidiol (CBD) zur Behandlung von bestimmten Arten von Kindheitsepilepsie enthält, die nicht auf eine konventionelle Behandlung ansprechen) schlägt einen täglichen Dosierungsbereich zwischen 5 und 20 mg / Kg CBD. 22*
Es sind jedoch weitere klinische Studien erforderlich, um diese Informationen zu untermauern.

Gleichwertigkeits-Faktor
Die Menge an anderem als getrocknetem Marihuana (z. B. frischem Marihuana oder Cannabisöl), die einem Gramm getrockneten Marihuana entspricht („Äquivalenzfaktor“), ist nach Möglichkeit zu bestimmen. Der Äquivalenzfaktor ist jedoch abhängig von der Herstellungsmethode, der Lieferform und der THC / CBD-Ausbeute. Die lizenzierten Hersteller in USA, Kanada und in den Niederlanden stellen diese Informationen auf dem Etikett zur Verfügung. Informationen über den Äquivalenzfaktor stehen ggf. auch auf der Website des lizenzierten Herstellers.

Übersetzung aus „Health Canada“, www.hc-sc.gc.ca unter Verwendung von Google

Axel Junker

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2
Okt
2016

In Deutschland darf erstmals ein Patient Cannabis selbst anbauen


Weiterer Fortschritt bei der medizinischen Versorgung mit Cannabisprodukten in Deutschland
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 28. September dem ersten Patienten die Erlaubnis zum Anbau von Cannabis für den eigenen medizinischen Bedarf erteilt. Die Erlaubnis nach § 3 Abs 2 BtmG durch das Institut, das der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums untersteht, ist bis zum 30. Juni 2017 befristet. Sie muss verlängert werden, wenn die Krankenkasse bis dahin nicht die Kosten für Cannabisblüten aus der Apotheke übernimmt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 28. September dem ersten Patienten die Erlaubnis zum Anbau von Cannabis für den eigenen medizinischen Bedarf erteilt. Die Erlaubnis nach § 3 Abs 2 BtmG durch das Institut, das der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums untersteht, ist bis zum 30. Juni 2017 befristet. Sie muss verlängert werden, wenn die Krankenkasse bis dahin nicht die Kosten für Cannabisblüten aus der Apotheke übernimmt.

Mit dieser ersten Eigenanbauerlaubnis für einen Patienten, der Cannabis als Medizin benötigt, sie aber aus Kostengründen nicht über die Apotheke beziehen kann, haben gesundheitspolitische Erwägungen Vorrang vor der drogenpolitisch motivierten, grundsätzlichen Ablehnung der Selbstversorgung bekommen. Die durch einen jahrelangen Prozess gerichtlich erzwungene Genehmigung hat auch Auswirkungen auf das aktuelle, sehr begrüßenswerte Vorhaben der Bundesregierung und des Bundestages, Arzneimittel auf Cannabis-Basis verschreibungsfähig und unter bestimmten Voraussetzungen für die Krankenkassen erstattungspflichtig zu machen. Sollten die Krankenkassen und der Gemeinsame Bundesausschuss ihre kritische Haltung gegenüber dem Sachleistungsanspruch auf Cannabis-basierte Medikamente beibehalten und in eine Blockadepolitik umsetzen, die das Anliegen des Gesetzgebers ins Leere laufen ließe, bleibt Patientinnen und Patienten nun zur Not die Möglichkeit, sich mit den für sie medizinisch notwendigen Cannabisblüten legal selbst zu versorgen.

Die jetzt erteilte Eigenanbaugenehmigung ist aus Sicht der Patienten überwiegend zweckmäßig ausgestaltet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Möglichkeit, die vom Bundesverwaltungsgericht verlangte Genehmigung mit Auflagen und Bedingungen zu versehen, damit die angebauten Pflanzen nicht mißbräuchlich verwendet werden. Beispielsweise erlischt die Erlaubnis, wenn der Patient erstmalig Cannabis aus der Apotheke zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erhält. Als Auflage wird eine Höchstzahl von Pflanzen vorgeschrieben, die gleichzeitig angebaut werden darf. Es wird zudem verlangt, dass Cannabis, das nicht vom Erlaubnisinhaber verwendet wird, vernichtet werden muss. Diebstähle sind unverzüglich nicht nur der Polizei, sondern auch dem BfArM anzuzeigen. Der Erlaubnisinhaber wird auch verpflichtet, sich, sobald die entsprechenden gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, Cannabis durch einen Arzt verschreiben zu lassen und weitere Mitwirkungshandlungen vorzunehmen, die für den Bezug des Medizinal-Cannabis aus einer Apotheke und die Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung erforderlich sind.

Das ist eine gemeinsame Pressemitteilung von

Gabi Gebhardt, SCM (Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin), c/o ACM
Dr. Franjo Grotenhermen, ACM (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V.), Am Mildenweg 6,59602 Rüthen, E-Mail: info@cannabis-med.org, Telefon: 02952-9708572
Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein, Kanzlei Menschen und Rechte, Borselstraße 26, 22765 Hamburg, tolmein@menschenundrechte.de, 040.600094700

erlaubnis

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10
Apr
2016

Erste Cannabis-Anbaugenehmigung fällig…


ws

Am 06. April 2016 war es endlich soweit: Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig erteilte der Bundesrepublik Deutschland eine Abfuhr in deren panikartigem Bemühen, Eigenanbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken noch rechtzeitig durch einen eher schlecht als recht zusammengeschusterten Referentenentwurf zur künftigen Kosten-Erstattungsfähigkeit von Cannabis und Cannabisprodukten zu verbieten.

Michael Fischer, Multiple Sklerose-Patient aus Mannheim, hatte sich mit Hilfe der Unterstützung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin, ACM, in einer 10jährigen Odyssee durch sämtliche Instanzen der Verwaltungsgerichtsbarkeit geklagt und letztendlich unter Beistand seines vorbildlich agierenden Anwalts, Oliver Tolmein aus Hamburg, dieses seit etlichen Jahren überfällige Urteil erwirkt: Cannabisanbau ist für (vorerst diesen einen) Patienten in seiner ansonsten ausweglosen Situationen erlaubt.

Knackpunkt des öffentlichen Teils des Verfahrens war offenbar, dass die Beklagte – die Bundesrepublik Deutschland, vertreten durch Mitarbeiter des BfArM und ihres Anwalts – dem Patienten Michael Fischer keine Alternative zu seiner (gesundheitlich unzuträglichen) Cannabis-Mangelversorgung, die aus Kostengründen und Lieferengpässen resultiert, benennen konnte. Und das obwohl das BfArM seinen Anbau-Antrag ursprünglich durchaus hatte genehmigen wollen, bevor schließlich aus dem Bundesministerium für Gesundheit die eiserne Weisung erteilt wurde, keinen Cannabis-Eigenanbau für Fischer zuzulassen.

Nun wird ihm die urkundliche Erlaubnis doch zuteil werden.
Wir Patienten, die dieses Monsterverfahren von Anfang an mitverfolgt haben, aber auch „Verfahrens-Quereinsteiger“ ziehen den Hut vor Michaels und Gabis – seiner Lebensgefährtin – großem Mut. Wir gratulieren zu ihrem bärenstarken Durchhaltevermögen und zu ihrem gesunden Rechtsempfinden trotz Krankheit und zusätzlich erduldeten juristischen Rückschlägen. Wir danken Dr. Franjo Grotenhermen und der ACM für den Support. RA Tolmein beglückwünschen wir zu seiner inzwischen herausragenden Fachkompetenz in Sachen „Cannabis im Geflecht von Straf-, Verwaltungs-, Medizin- und Sozialrecht.“

Eins noch..:
Diesen für die Anbauverweigerungs-Weisung verantwortlichen Ministerialdirektor*, der seine fragwürdige, gegen die Patienten-Gesundheit gerichtete Entscheidung von oben herab getroffen hat, ohne die daraus folgenden Konsequenzen zu bedenken, sollte man bei zuständiger Stelle erwägen aus den Diensten des Bundesgesundheitsministeriums zu entlassen.
Er hat nicht nur ohne Not immense Verfahrenskosten mitverursacht, sondern auch vorsätzlich eine dringend erforderliche Gesundheits-Entwicklung verzögert, die anderenorts seit vielen Jahren schon tagtäglich Leben rettet und schweres Leid lindert.
Letztendlich hat er aber auch das (in Drogenfragen oft zitierte) „Ansehen der Bundesrepublik“ durch seine Haltung geschädigt, denn de facto hat er Untergebenen (beim BfArM) Weisung erteilt, einen Menschen im Stich zu lassen bzw alternativlos seiner fortschreitenden Krankheit auszusetzen, ohne ihm die zustehende, (weil rechtlich mögliche) Linderung zu gewähren.

Auszugsweise aus der taz
* Dr. Erhard Schmidt, Ministerialdirektor und Leiter der Abteilung 1 Arzneimittel, Medizinprodukte, Biotechnologie im Bundesministerium für Gesundheit.
Sein damaliges Fax an das BfArM, Betreff „Ihr Bericht vom 29. 06. 2010“, ist zwei Seiten kurz und vernichtend: „Es wird gebeten, im vorliegenden Verfahren nunmehr unverzüglich einen Widerspruchsbescheid zu erlassen.
Das Wort „unverzüglich“ ist handschriftlich unterstrichen. Sodann wird das BfArM gemaßregelt: „Gründe für eine Ermessensreduzierung auf Null sind nicht ersichtlich. Die Zwecke des BtMG (notwendige medizinische Versorgung der Bevölkerung bzw. im vorliegenden Fall des Klägers) gebieten hier nicht die Erlaubniserteilung.“ Das Schreiben endet harsch: „Um rechtzeitige Vorlage des Entwurfs des Widerspruchsbescheids vor Abgang wird gebeten.“

-Axel Junker-

automotivator(2)

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12
Feb
2016

Spiel auf Zeit. Spiel mit Leid.


002

Ähnlich abgezockten Versicherungskonzernen, in denen oft mit unmenschlichen Hinhalte-Taktiken gegenüber der Versicherten-Klientel gearbeitet wird, um hohe Geldauszahlungs-Beträge zu umgehen bzw. deutlich zu reduzieren, scheint auch im Bundesministerium für Gesundheit ein relativ starkes Interesse daran zu bestehen, direkt von Patienten eingebrachte Wünsche und Vorschläge zur Verbesserung der Cannabis-Medizin-Regulierung und Kostenerstattung schlicht zu missachten oder auf die lange Bank z schieben, um schließlich eigene – absehbar jedoch viel zu kleine – Cannabis-Versorgungs-Brötchen zu backen.

Innerhalb des SCM wird es als Unding empfunden, dass wiederholte Anschreiben des SCM an das BMG mit konkreten Bitten und Ideen zur Ausgestaltung des Gesetzes nicht beantwortet wurden.
Gesetzesentwürfe zur Verbesserung der Situation bisher menschenunwürdiger Umstände bei Kranken, die gesundheitlich von Cannabis profitieren (könnten), sollten nach SCM – Auffassung die vitalen Interessen der Patientenschaft selbst berücksichtigen und sie nicht einfach wie vom Hohen Ross herunter ignorieren.

Dieses arrogante Verhalten auf BMG-Seite gegenüber eingebrachten Patientenwünschen hat dazu geführt, dass der vorliegende Referenten-Entwurf nunmehr eine Kosten-Erstattung für Cannabis lediglich für einen eng begrenzten Kreis chronisch Kranker vorsieht.
Dieser Personenkreis muss sich überdies verpflichten an einer Begleit-Studie teilzunehmen. Wer nicht chronisch krank ist oder andere vorgegebene Kriterien nicht erfüllt, der muss medizinischen Cannabis weiterhin aus eigener Tasche zahlen. Wenn er ihn überhaupt bekommt. Denn…

Die Bundesärztekammmer stellt sich gegen den Entwurf. Auch der GKV-Spitzenverband befürchtet, die Pläne von Bundesgesundheitsminister Gröhe, Patienten den Zugang zu Cannabis zu erleichtern, könne die Kassen teuer zu stehen kommen, der Patientenkreis solle deshalb stark eingeschränkt werden. Der BKK-Dachverband kommt mit Argumenten von „THC-Wirkstoffsteigerungen in den vergangenen 30 Jahren von 3 auf 12 %“ um die Ecke und mit unsachlichen Referentenentwurf-Gegengründen, die „steigendes Risiko, geringe Evidenz und unerwünschte Ereignisse“ zum Inhalt haben.

Allenthalben Ablehnung. Überall nur Eigeninteresse. Keinerlei Verständnis für das Leid von Patienten und die Möglichkeit, kranke Menschen mittels Cannabis-Therapie gesunden zu lassen oder ihnen einen Zugewinn an Lebensqualität zu verschaffen.

Zwar wird Cannabis künftig aus der Betäubungsmittel-Anlage I in die Anlage III übernommen, was ihn ärztlich verschreibungsfähig macht.
Allein die Anzahl derjenigen Ärzte aber, die sich ganze 8 Jahre nach erstmaliger Schaffung der § 3 BtMG – Antragsmöglichkeit hierzulande tatsächlich traut, darbenden Patienten Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten zu verschreiben, ist kläglich. Sie wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Der Wissensstand zu Cannabis ist verheerend.

Ärzte sind nach vielen Jahren der „Cannabis ist Rauschgift“- Indoktrination nur ganz vereinzelt bereit „Neuland“ zu betreten. Nicht wenigen „Göttern in Weiß“ fällt es schwer sich einzugestehen, dass mancher einfache Patient mehr über die medizinische Wirkung von Cannabinoiden weiß als mancher Akademiker, dessen Reaktion sich nicht selten auf reflexhafte Abwehrhaltungen wie „Psychose-Risiko“ und „Abusus-Gefahr“ (Missbrauch) im Zusammenhang mit Cannabis erstreckt.

Die Themen „Flüchtlings-Krise“ und „Cannabis-Regulierung“ sollten in Statements wie diesem eigentlich nicht miteinander vermengt werden, aber es mutet schon äußerst befremdlich an, wenn schwer kranke Menschen schon länger als quälende fünfzehn Jahre um ihr Menschenrecht auf Cannabis als Medizin prozessieren müssen, während quasi im fixen Handumdrehen gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die bedeuten, dass Abschiebungen anderer Menschen – die gelegentlich in Haft, Folter und Tod im Herkunftsland enden können – nunmehr künftig innerhalb dreier Monate bewerkstelligt werden sollen.
Verkehrte Welt – verrückte Zeiten.

Politik – so scheint es – ist mitunter ein schmutziges Geschäft.
Gesundheitspolitik ist an einigen ausgewählten Stellen ebenso dreckig.

Axel Junker

002

Referentenentwurf des Bundesministeriums für
Gesundheit

Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und
anderer Vorschriften

Stellungnahme der Patienten

Thema: Cannabisagentur
Die Schaffung einer unabhängig vom BfArM agierenden Cannabis-Agentur mit sachkundigen Mitarbeitern ist wünschenswert, nachdem kaum zu erwarten ist, dass die bisher beim BfArM betriebene Personalpolitik (mit sich daraus ergebenden wochenlangen Antrags-Bearbeitungsfristen und z.T. verloren gegangenen, bzw. nicht
wieder auffindbaren Anträgen) durch Gründung einer neuen BfArM-Abteilung eine signifikante Verbesserung der Situation verspricht.
Es wird angeregt, diese Agentur unabhängig und separat von den behördlichen Einrichtungen des BfArM zu errichten.
Die Souveränität bzw. Kenntnisstand der dort einzubringenden Sachbearbeiter wäre zu überprüfen.

Gründe:
– BfArM Kompetenzen bis dato mehr als fragwürdig,
– BfArM durch Interessengruppen gehandicapt (Pharmaindustrie – Anti-Cannabis-Kurs)
– Willkürliche, patientenferne Vorgehensweisen haben Vertrauen untergraben.

Thema: (Kostenerstattung durch GKV Zweiklassenmedizin, Willkür-Definitionen):
– Kostenerstattung für Blüten für chronisch Kranke nur „in eng begrenzten Ausnahmefällen“
– „Das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Erstattungsfähigkeit hat die Krankenkasse in jedem Einzelfall unter Einbeziehung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung zu prüfen.“
– Definition „Schwerwiegend chronisch krank“…(!?) – „Der Anspruch setzt des weiteren voraus, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht.“
Auch den Patienten steht ein Mitspracherecht auf ihre Therapie zu!
Wenn ein „nur“ chronisch kranker Patient von Cannabis profitiert, darf ihm die Erstattung nicht versagt werden, weil seine Erkrankung nach diesen Kriterien möglicherweise „nicht schwer genug“ ist…! Dies verstößt gegen den allgemeinen Gleichheitssatz. Jeder Patient hat das Recht, sowohl die „Schwere“ seiner Erkrankung mit zu beurteilen als auch ggf. Cannabis als Medizin präventiv einzunehmen, wenn sein Arzt dies für angezeigt erachtet!
Die Definition von „Schwerwiegend chronisch krank“ als Grundbedingung zur Therapie mit Cannabisprodukten festzulegen, erscheint willkürlich und repressiv.
Sollen so z.B. Präventivmaßnahmen vereitelt werden, die einer späteren Chronifizierung vorbeugen könnten? (Cannabis verhindert nachweislich z.B. präventiv Alzheimer, Brustkrebs und Diabetes Typ II, erhöht Mobilität bei leichteren Schmerzerkrankungen, beugt Depressionen vor.)

Es wird daher angeregt, die Vorgabe der Prüfung einer Kostenerstattung durch den MDK entfallen zu lassen, wenn die Therapie bereits vom Arzt für notwendig erachtet und Cannabis verschrieben wurde.

Vorschlag einer Änderung von ursprünglich
„Die Neuregelung im SGB V schafft parallel für Versicherte in eng begrenzten Ausnahmefällen einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten“.
in
„Die Neuregelung im SGB V schafft parallel für Versicherte in einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten“.
Verschreibende Ärzte dürfen nicht in die Rechtfertigung gezogen werden nachzuweisen, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht, bzw. eine Therapie mit sämtlichen für die Behandlung der vorliegenden Erkrankung oder Symptomatik zugelassenen bzw. verfügbaren und verkehrsfähigen anderen Arzneimitteln keine weiteren Erfolge gezeigt hat. Es ist für die Patienten ohnehin schwer genug, aufgeklärte Mediziner anzutreffen. Werden die Hürden gleich zu Beginn derart hoch gesteckt, kann von einem „erleichterten Zugang“ kaum die Rede sein. Auch die
MDK sind anzuweisen, derartige Argumentationen zu Ungunsten der Ärzte-/Patienten-Compliance zu unterlassen.

Begründung:
– MDK sind ausbildungstechnisch nicht auf wissenschaftlichem Sachstand und ebenso von bestimmten Interessengruppen unterlaufen wie das BfArM.
Cannabis als Medizin wird von MDK-Seite fälschlicherweise als „hoch-risikoreich“ oder als „neue Behandlungsmethode mit ungewissem Erfolg“ angesehen und der Patient kann kaum mit einer Erstattung rechnen, wenn er sich nicht zuvor wenigstens einer so genannten „multimodalen Therapie“ unterzogen hat. Es besteht hier die realistische Befürchtung wie schon zuvor, dass (Kassen-)Patienten vor einer Cannabis-Erstattung erneut nachzuweisen haben, dass „andere Medikamente“ nicht helfen, bzw. zu hohe Nebenwirkungen generieren.

Thema: Teilnahme an Studie

„Der Erstattungsanspruch ist mit der Teilnahme an einer Begleitforschung, die bis Ende Dezember 2018 vorgesehen ist, verknüpft.“
Die vorgesehene Teilnahme an einer Begleitforschung sieht i.d.R. zumindest eine Übermittlung persönlicher Patientendaten an eine unklare Zielgruppe vor, welche hier ohne Einwilligung der Patienten und ihrer behandelnden Ärzte vorgenommen werden soll, bzw. eine Erstattung der Cannabis-Medizin strikt an diese Einwilligung geknüpft wird.
Diese unzumutbare Gängelei betrifft ganz offensichtlich nur gesetzlich Versicherte, wohingegen sich die privat Versicherten ganz frei und ihrer sensiblen Daten sicher fühlen dürfen. Damit verstößt diese Auflage zumindest gegen den allgemeinen Gleichheitssatz und ist in dieser Form abzulehnen.

Es wird daher angeregt, diesen Punkt komplett entfallen zu lassen, bzw. in eine allenfalls freiwillige Teilnahme (auch privat versicherter Patienten) umzugestalten.
Das Wohl schwer kranker Patienten darf nicht an Bedingungen geknüpft sein, welche ungleiche Bezugsvoraussetzungen schaffen und lediglich dem Aufholen bisher versäumter Studien- und Forschungsarbeiten zu dienen haben.

Thema: Alternativen

„Ein Eigenanbau von Cannabis durch Patientinnen und Patienten zur Selbsttherapie birgt die Gefahr von mangelnden Qualitäts- und Sicherheitskontrollmöglichkeiten und ist aus gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht nicht zielführend.“
Die Option, straffrei Cannabis zu eigentherapeutischen Zwecken anzubauen, muss für schwer Kranke zumindest so lange gegeben sein, (und zwar nicht allein unter dem Gesichtspunkt des medizinisch gerechtfertigten Notstands nach § 34 StGB), bis eine zufriedenstellende Lösung zur kostenfreien, ununterbrochenen Versorgung mit für Patienten wirksamen Cannabissorten gewährleistet werden kann.
Chronisch schwer Kranken ist nicht zuzumuten, weiterhin über ungewisse Zeiträume bis zur Umsetzung des Gesetzentwurfs vertröstet zu werden und dadurch gesundheitliche Schädigungen bis hin zum Tod in Kauf zu nehmen.
Es wird angeregt, diesbzgl. zeitnah eine strafrechtlich vertretbare Übergangslösung zu schaffen, um schwer Betroffenen den weiteren (gesundheitlich schädlichen) Stress durch Strafverfolgung, Führerscheinverlust und/oder Ermittlungsverfahren zu ersparen.
Darüber hinaus wird daran anlehnend die strafrechtliche Überarbeitung des Cannabisbesitzes für die Patienten zwingend beantragt, will man diese Kranken nicht weiterhin willkürlichen Ermittlungsverfahren, Führerscheinentzügen oder Wohnungsdurchsuchungen aussetzen. Immerhin ist davon auszugehen, dass ein Patient mit einem Monatsbedarf in der Tasche oder in seinen Privaträumen sich strafrechtlich permanent „mit einem Bein im Knast“ befindet.

Es fällt schwer, an ein „Entgegenkommen“ der Regierung zu glauben, wenn man als Patient zwar sein Medikament „irgendwann“ bezahlt bekommen soll, aber weiterhin strafrechtlich als Schwer-Krimineller eingestuft bleibt.

Thema: Indikationsstellung

Obwohl um die verschiedenen Indikationsstellungen noch große Geheimnisse gemacht werden und sich die Schulmedizin ganz offensichtlich schwer tut, ihre profitablen Pharma-Pfründe aufzugeben, ist eine erhebliche Indikation leider noch mit Tabu behaftet, obwohl sich hier schon anekdotisch eine ganz neue Bandbreite auftut.
So wird angeregt, Cannabis offiziell als „Ausstiegs-Therapeutikum“ (Substitutions-Therapeutikum) aus Alkohol- und/oder Opiat-Abhängigkeit in die (ohnehin zu strikt gehandhabten) Indikationsstellungen mit aufzunehmen. Auch der Methadon-Entzug lässt sich mit Cannabis unproblematischer bewältigen als mit klassischen schulmedizinischen Methoden. (Anekdotische Erhebungen)
Die bisher vergebenen Indikationen über erteilte Ausnahme-Erlaubnisse sind beizubehalten und offiziell zu listen.

Thema: Wissenschaftlicher Sachstand und Ärzte-Weiterbildung

Es wird allgemein vermisst, wie die Einführung der neuen Betäubungsmittelverordnung bzw. der Indikationsstellungen und sonstigen Bedingungen zur Verschreibung von medizinischem Cannabis an Patienten in die bestehende Infrastruktur der durch Pharmakonzerne beherrschten Arzneimittel-Landschaft vorgesehen ist. Bis heute ist ein auffälliges Defizit an diesbzgl. Informationen bei sämtlichen Ärzten (aller Fachgebiete) zu beklagen und daher zu befürchten, dass eine Umstufung und ein Gesetzeserlass allein für viele Betroffene dennoch zum Debakel ausläuft, weil sie schlicht keinen begleitenden/verschreibenden Arzt finden, der sich auf diesem Gebiet sicher genug, bzw. den restriktiven Auflagen hinsichtlich der MDK gewachsen fühlt.

Es nun lediglich bei einer Umstufung in andere Betäubungsmittelklassen und Erleichterung im Verschreibungs- und Beschaffungswesen zu belassen, ohne eine flächendeckende, informative Markteinführung zu berücksichtigen, konterkariert ein ernsthaftes Interesse der Bundesregierung an einer realisierbaren Versorgung der Cannabispatienten.

Es wird darum angeregt, großflächig angelegte Schulungsprogramme für Ärzte -auch und besonders an die MDK – auszuschreiben sowie die Kenntnisse zu Cannabis als Medizin offiziell in den fakultativen Lernstoff eines jeglichen Medizinstudiums mit einzubinden.
Weiterhin sollten Schmerzschulungen der GKV für entsprechende Patienten erfolgen, in welchen sie über Cannabis als Medizin aufgeklärt und im sicheren Umgang mit der Arznei unterrichtet werden können. Hier sollte eine kompetente Sortenkunde mit chemischen Spezifitäten (Wechsel-/Nebenwirkungen) und diversen
Applikationsvarianten zu einer effektiven Therapie führen können.

Thema: Wirkstoff-Komponenten

In keiner Hinsicht wird im Referentenentwurf die Problematik der Patientenbedürfnisse angesprochen. Viele Patienten profitieren derzeit von CBD und wünschen sich auch für CBD oder CBD-haltige Präparate eine Kassenerstattung.
Es wird moniert, dass „Bediol“ zu schwankende Werte habe und für manche Patienen auch noch zuviel THC enthält. Es wird darum angeregt, neben der Verfügbarkeit und Erstattungsfähigkeit von
Cannabis(-Präparaten) auch CBD-haltige Blüten und Pflanzenteile ausdrücklich mit in den Gesetzestext aufzunehmen.
Analog dazu wäre es denkbar, das in den USA bereits zugelassene Medikament „Epidiolex“ (reines CBD) hier zu übernehmen und dessen Zulassung um entsprechende Off-Label-Use Indikationen zu erweitern.
Verschiedene Patienten sind bei bestimmten Erkrankungen / Therapien auf einzelne Wirkstoffe der Cannabinoidgruppe (CBN – CBG – CBC ) angewiesen. Sie brauchen dann nicht die Blüten mit allen Wirkstoffen, sondern ihnen würden unter Umständen einzelne Substanzen, auch in Kombination, besser helfen.
Hier wäre ein Anschub in die Forschung hilfreich, indem die Politik Ausschreibungen vergibt. Allgemein wäre es sicherlich auch für die Forschung hilfreich, das Wirkstoffspektrum der künftig angewendeten Präparate auszuweisen, soweit dieses nach wissenschaftlichem Stand entschlüsselt werden kann.

(SCM – Extrakt aus Patienten-Meinungen)
Mari Jo

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016_17

ws

Die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin zum Referentenentwurf kann hier nachgelesen werden http://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/stellungnahme-acm.pdf

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