2
Okt
2016

In Deutschland darf erstmals ein Patient Cannabis selbst anbauen


Weiterer Fortschritt bei der medizinischen Versorgung mit Cannabisprodukten in Deutschland
Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 28. September dem ersten Patienten die Erlaubnis zum Anbau von Cannabis für den eigenen medizinischen Bedarf erteilt. Die Erlaubnis nach § 3 Abs 2 BtmG durch das Institut, das der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums untersteht, ist bis zum 30. Juni 2017 befristet. Sie muss verlängert werden, wenn die Krankenkasse bis dahin nicht die Kosten für Cannabisblüten aus der Apotheke übernimmt.

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat am 28. September dem ersten Patienten die Erlaubnis zum Anbau von Cannabis für den eigenen medizinischen Bedarf erteilt. Die Erlaubnis nach § 3 Abs 2 BtmG durch das Institut, das der Aufsicht des Bundesgesundheitsministeriums untersteht, ist bis zum 30. Juni 2017 befristet. Sie muss verlängert werden, wenn die Krankenkasse bis dahin nicht die Kosten für Cannabisblüten aus der Apotheke übernimmt.

Mit dieser ersten Eigenanbauerlaubnis für einen Patienten, der Cannabis als Medizin benötigt, sie aber aus Kostengründen nicht über die Apotheke beziehen kann, haben gesundheitspolitische Erwägungen Vorrang vor der drogenpolitisch motivierten, grundsätzlichen Ablehnung der Selbstversorgung bekommen. Die durch einen jahrelangen Prozess gerichtlich erzwungene Genehmigung hat auch Auswirkungen auf das aktuelle, sehr begrüßenswerte Vorhaben der Bundesregierung und des Bundestages, Arzneimittel auf Cannabis-Basis verschreibungsfähig und unter bestimmten Voraussetzungen für die Krankenkassen erstattungspflichtig zu machen. Sollten die Krankenkassen und der Gemeinsame Bundesausschuss ihre kritische Haltung gegenüber dem Sachleistungsanspruch auf Cannabis-basierte Medikamente beibehalten und in eine Blockadepolitik umsetzen, die das Anliegen des Gesetzgebers ins Leere laufen ließe, bleibt Patientinnen und Patienten nun zur Not die Möglichkeit, sich mit den für sie medizinisch notwendigen Cannabisblüten legal selbst zu versorgen.

Die jetzt erteilte Eigenanbaugenehmigung ist aus Sicht der Patienten überwiegend zweckmäßig ausgestaltet. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte hat die Möglichkeit, die vom Bundesverwaltungsgericht verlangte Genehmigung mit Auflagen und Bedingungen zu versehen, damit die angebauten Pflanzen nicht mißbräuchlich verwendet werden. Beispielsweise erlischt die Erlaubnis, wenn der Patient erstmalig Cannabis aus der Apotheke zu Lasten der gesetzlichen Krankenversicherung erhält. Als Auflage wird eine Höchstzahl von Pflanzen vorgeschrieben, die gleichzeitig angebaut werden darf. Es wird zudem verlangt, dass Cannabis, das nicht vom Erlaubnisinhaber verwendet wird, vernichtet werden muss. Diebstähle sind unverzüglich nicht nur der Polizei, sondern auch dem BfArM anzuzeigen. Der Erlaubnisinhaber wird auch verpflichtet, sich, sobald die entsprechenden gesetzlichen Möglichkeiten bestehen, Cannabis durch einen Arzt verschreiben zu lassen und weitere Mitwirkungshandlungen vorzunehmen, die für den Bezug des Medizinal-Cannabis aus einer Apotheke und die Übernahme der Kosten durch die Krankenversicherung erforderlich sind.

Das ist eine gemeinsame Pressemitteilung von

Gabi Gebhardt, SCM (Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin), c/o ACM
Dr. Franjo Grotenhermen, ACM (Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V.), Am Mildenweg 6,59602 Rüthen, E-Mail: info@cannabis-med.org, Telefon: 02952-9708572
Rechtsanwalt Dr. Oliver Tolmein, Kanzlei Menschen und Rechte, Borselstraße 26, 22765 Hamburg, tolmein@menschenundrechte.de, 040.600094700

erlaubnis

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14
Feb
2015

Cannabis-Neuregelungen? Aber bitte auf Patientenbedürfnisse ausgerichtet


Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin hat auf seiner Facebook-Seite einen Aufruf gestartet mit der Bitte, Patienten-Bedürfnisse und Erwartungen an und für die zum Jahr 2016 avisierten Änderungen in der bisherigen Cannabis als Medizin-Politik zu formulieren.

Einige der nachfolgend aufgeführten Kommentare wurden z.T. leicht gekürzt und sind in Original-Länge auf der SCM-FB-Seite nachlesbar.

Die dort abgegebenen Statements werden in schriftlicher Form dem Bundesgesundheitsministerium zugeleitet.
Das SCM und seine Mitglieder erwarten seitens des Bundesministeriums nicht allein Kenntnisnahme der Forderungsinhalte – sondern auch zeitnahe Umsetzung derselben.
Wir sprechen uns gegen Neu-Regelungen aus, die den aufgelisteten Patienten-Interessen zuwider laufen.

Gesundheitspolitik und involvierte Politiker werden an ihren konkreten, nutzbringenden Taten für Bürger – auch für kranke Bürger – und ebenso von kranken Bürgern – gemessen.

CANNABIS als Medizin REGELUNGS-FORDERUNGEN
(Patienten informieren Politiker)

Maximilian Plenert:
Normalität: normale Kostenerstattung, normale Versorgungssicherheit und normaler Zugang = Therapiefreiheit!

Josef Liebhart
Eigene Anbauflächen innerhalb Deutschland, gesicherte Versorgung, größere Sortenauswahl, Kostenübernahme.

Ann Lee
Eine gesicherte lückenlose versorgung, qualitativ hochwertiges material, auswahl an mehr als einer sorte (auch ein cbd lastiger strain sollte dabei sein) , kostenübernahme durch kk. cannabishaltige produkte wie dronabinol und co sind KEINE echte alternative, da viele patienten berichten es helfe ihnen nicht annährend so gut.

Ja Aber
..Bereitstellung eines regelmäßigen Etats in vernünftiger Höhe zur weiteren Erforschung von Cannabinoiden in der Medizin. Sofortige Einstellung von Strafverfahren gegen Leute, die aus eindeutig med. Gründen mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Klare Regeln bezüglich Führerscheinen…

Marco Perschbacher
Kostenerstattung durch die Krankenkasse, lückenlose Versorgung, Sortenvielfalt sollte erweitert werden.

Gabriele Gebhardt
Entscheidung über den Einsatz von Cannabis soll bei Arzt und Patient liegen, nicht bei einer Behörde

Gabriele Gebhardt
(Anmerkungen eines weiteren Patienten):
Versorgungssicherheit durch weitere Importe z.B. aus Israel bzw. Gründung einer dt. Cannabisagentur.
Reise- und Verkehrsfähigkeit von Cannabis Flos idealerweise im Schengenraum und USA bzw. alle Länder, die med. Cannabisprogramme haben.
Führerscheinthematik: es muss eine Lösung für Patienten gefunden werden, damit sie nicht von den Strassenverkehrsbehörden verfolgt werden.
Einführung eines „rechtssicheren“ Ausweises für Patienten und Schulung von Beamten, Ausweitung der Sortenvielfalt mit weiteren Varietäten und mind. einer starken Indica Sorte

Kurt Andreas Jakobs
Die Zugangsvoraussetzungen müssen stark gelockert werden. Es ist ein schlechter Witz, dass von einem Patienten verlangt wird, dass er sich durch die gesamte Palette an Chemikalien futtern soll um ein Naturprodukt zu erhalten, das ähnlich „schwierig“ zu kultivieren ist wie die Brennnessel.

Katrin Schäfer
vielleicht sollte man zusätzlich auch auf den Punkt „Eignung zum Führen von Maschinen“ mit aufgreifen… es wäre schön, wenn man nicht immer um seinen Führerschein bangen muß.

Karsten Pankonin
Vereinfachte Verschreibungsmöglichkeiten duch JEDEN Arzt ohne irgendwelche Auflagen duch das BfArM.
JEDER bedürftige Patient MUSS Cannabis nutzen können, wenn es ihm hilft.

Tatjana Ohler
Dronabinol hilft zwar etwas (meine Erfahrung), aber bei weitem nicht vergleichbar mit Blüten… Ansonsten sollte es eine einfache Möglichkeit des Bezuges geben, oder die, ähnlich wie bei Socialclubs selbst anzubauen…

Juergen Meixner
Eigenanbau von bis zu 6 Pflanzen pro Person (je nach Sorte und Ertrag), falls das nicht möglich ist, kann dieses Recht auf einen Anbauverein übertragen werden, dieser Verein kann gerne auch mit dem behandelnden Arzt und der Apotheke zusammen arbeiten.

Hägar Hover
Einrichtung einer „Cannabis Agentur“, um eine gesicherte Verfügbarkeit für medizinische Belange zu gewährleisten. Dies als Ergänzung für die Leute, die auch bei einer Freigabe nicht selber anbauen wollen.

Snippi de Kesse
Und ich fordere bei Razzien beschlagnahmte Cannabisblueten nicht wie üblich zu verbrennen, sondern den Patienten über z.B. die Apotheken oder besser noch direkt beim Zoll unter Vorlage der ganzen Zettelwirtschaft der Bfarm, direkt abzugeben… Ich fordere Cannabis Clubs wie z.B. auf Teneriffa.Die Sorten werden für Patienten und Mitglieder zum Selbstkostenpreis und auf Sortenwunsch angebaut. Jeder bekommt seine verordnete Menge gestellt.

Sin Semilla
Kostenübernahme durch die Krankenkasse für Cannabis Blüten ganz einfach,nicht mehr und nicht weniger. Einfach nur die vollständige Kostenübernahme für uns Blüten Patienten und dafür Sorge zu tragen, dass wir auch regelmäßig mit Cannabis Blüten versorgt werden .

Rasta Fari
ich fordere einen leichteren zugang zu cannabisblüten, -extrakte, usw. jedes andere medikament kann ein arzt auf rezept ausstellen. ich fordere außerdem einen, meinetwegen genehmigungspflichtigen, anbau von cannabis in selbsthilfegruppen bzw cannabis social clubs!

Fisch Fisch
Das vor allem bei cannabis produkten auch cannabis blüten mit einbezogen werden und nicht nur präparate wie sativex oder ähnliches.

Sabrina Pihale
Definitiv die Kostenübernahme durch die krankenkasse und wesentlich kleinere hürden wenn es einem hilft. Zudem keine Strafverfolgung. Andere importquellen oder eigener staatlicher anbau damit es keine Ausfälle mehr gibt..

Stefan Ruecker
Neuregelung der Führerscheinthematik durch z.B. Erhöhung der Nanogrammgrenze auf 5 ng für jegliche Konsumenten. Ausnahmegenehmigung für Cannabis-Patienten zum Führen eines Kraftfahrzeugs bis zu einer Nanogramgrenze von 10 oder mehr Nanogramm.

Steffen Geyer
– Über die Aufnahme von Cannabisblüten in den Leistungskatalog der GKV entscheidet der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, nicht der Gesetzgeber.
– Die Genehmigungsvergabe nach §3 ist gesetzlich bereits möglich und scheitert an der Auslegung der Vorschriften durch das BfArM.
– Versorgungssicherheit ist ohne kommerzielle deutsche Anbieter und deren kalkulierte Überproduktion (wohin mit dem unverkauften Resten?) nur durch Eigenanbau der PatientInnen realistisch.

Bliebe… als gesetzliche Maßnahme lediglich die Verschiebung von Cannabis aus Anlage I (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel) in Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel)….

… Dienstherr Gröhe könnte das BfArM anweisen, Anträge (insb. auf Eigenanbau) zügig positiv zu bescheiden, wenn vergleichsweise niedrigschwellige Voraussetzungen vorliegen (analog zur Aufbewahrung anderer BtM-Medikamente).
Dazu bedarf es im Zweifel einer Art „Positivliste genehmigungsfähiger Diagnosen“ …
Vielleicht könnte man nebenbei auf die Gründung einer „Deutschen Cannabisbehörde“ hinwirken, um in Zukunft bei Liberalisierungsbemühungen auf bestehende Bürokratie/Verwaltung verweisen zu können.
(Gekürzt)

Mari Jo
1. Anerkennung von Cannabis-Patienten als „Patienten“ – für jeden regelmäßig/täglich konsumierenden Mitbürger. (Weil imho bei den täglich/häufig gebrauchenden Nutzern eine Unregelmäßigkeit im Endocannabinoidsystem vorauszusetzen wäre)

2. Hürden in der Antragstellung abbauen! Keine Nachweise mehr für „austherapiert“, „Versuchskarnickel-Marathon“ oder stationäre Maßnahmen … keine Beschränkung von Indikationen – der Patientenwunsch ist zu respektieren!

3. Sofortige Einstellung von Straf- und Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-„Patienten“ im o.a. Sinn, hingegen sei eine ordentliche medizinische Begutachtung bzgl. Indikation zu stellen und eine verschreibungsfähige Dosierung zu ermitteln.

4. Sofortige Veranlassung der Rückgabe von einbehaltenen Führerscheinen an Cannabis-Patienten.

5. Flächendeckende Nachschulungsangebote für Ärzte sowie Einführung der Lehre zu Cannabistherapeutika in sämtliche entsprechende Ausbildungs-Fakultäten (Mediziner…!)

6. Erstattung aller verfügbaren Cannabispräparate durch Krankenkassen und Gründung einer Cannabis-Agentur.

7. Kartellbildung aufheben, mehrere Lieferanten zulassen sowie weit größere Variantenvielfalt der Blütensorten als bisher ermöglichen

8. Reisefreiheit für Patienten einführen, Exporterlaubnis erarbeiten
(gekürzt)

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11
Feb
2015

Das „Eigenanbauverhinderungsgesetz“


hier eine Einschätzung von Dr. Franjo Grotenhermen zum „Vorstoß“ Marlene Mortlers, Kranken den Zugang zu Cannabis zu erleichtern. Ich hoffe, die Huffingtonpost verzeiht uns, diesen Beitrag auch hier zu verewigen.

In den letzten 15 Jahren gab es bei den Verbesserungen beim Zugang zu Cannabis für medizinische Zwecke eine Konstante. Alle Bundesregierungen haben nur das umgesetzt, was unvermeidbar war.

2007 erhielt erstmals eine Patientin eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabis, weil die Bundesregierung durch ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts dazu gezwungen worden war. 2011 wurde Sativex für die Behandlung der mittelschweren bis schweren Spastik bei Erwachsenen mit multipler Sklerose, die auf andere Medikamente nicht ausreichend ansprechen, zugelassen, weil es schwer vermittelbar gewesen wäre, den Zulassungsantrag abzulehnen.

Auch diesmal plant die Bundesregierung, nur das umzusetzen, was aus ihrer Sicht unvermeidbar ist – und versucht erneut, einen weiteren, von den Patienten hart erkämpften Schritt in die richtige Richtung als einen großen Wurf der Politik zu verkaufen.

Die Angst vor dem Eigenanbau bringt die Bundesregierung in Zugzwang

Die Bundesregierung möchte den Zugang zu Cannabis als Medizin erleichtern, sagt die Bundesregierung. Die genauen Pläne sind bisher nicht bekannt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) stellte bereits in seinem Interview mit Der Welt klar, dass die Regelung nur für „schwerkranke Menschen, denen nur durch Medizinhanf geholfen werden kann“ gilt.

Eine solche Regelung gibt es allerdings bereits. Patienten, denen nur mit Cannabisprodukten geholfen werden kann, haben bereits heute die Möglichkeit, eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke zu bekommen. Es ist nicht schwer, aus den bisherigen Informationen die zentralen Eckpunkte des noch für dieses Jahr geplanten Gesetzes herauszulesen.

Danach sind Zweifel angebracht, ob es der Drogenbeauftragten Marlene Mortler (CSU) tatsächlich darum geht, „dass in Zukunft mehr Menschen als bisher Cannabis als Medizin bekommen können“, auch wenn es so kommen wird, aber auch wenn die Bundesregierung nichts tun würde.

Es ist offensichtlich, dass die aktuelle Charme-Offensive auf der nun sehr akut gewordenen Angst beruht, das Bundesverwaltungsgericht könne der Auffassung des Verwaltungsgerichts Köln vom 22. Juli 2014 (Az: 7 K 4447/11) folgen, nach der Patienten der Eigenanbau von Cannabis nicht generell verwehrt werden kann, wenn sie aus finanziellen Gründen keine andere Alternative zu einer ausreichenden und notwendigen Behandlung mit Cannabis haben. Der Eigenanbau wäre eine sehr preisgünstige Alternative, den sich die meisten Patienten leisten können.

Warum es nun ganz schnell gehen muss

Dieses Urteil muss für die Bundesregierung ein Schock gewesen sein. Eine der ersten Maßnahmen war die Einschaltung eines bekannten Fachanwalts für Verwaltungsrecht, (Prof. Dr. Peter Kothe aus Stuttgart), der nunmehr im Auftrag der Bundesregierung aus Steuermitteln für die Verhinderung der Eigenanbau-Bedrohung zuständig ist. Zuvor waren die hauseigenen Juristen des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte für das Thema zuständig, denen man offenbar keine optimale Arbeit zutraut.

Die Bundesregierung möchte auch juristisch auf Nummer sicher gehen. Parallel dazu gab es hektische Überlegungen im Bundesgesundheitsministerium, wie man mit dieser unliebsamen Situation umgehen könne. Aus internen Kreisen war zu hören, dass die Berufung gegen das Urteil des Verwaltungsrechts Köln durch die Bundesregierung das Ziel hatte, Zeit für geeignete Gegenmaßnahmen zu gewinnen.

Bereits im Jahr 2016 könnte das Bundesverwaltungsgericht einigen Patienten das Recht zusprechen, Cannabis für den eigenen Bedarf selbst anzubauen – mit weitreichenden Folgen für die gesamte Dynamik der Antragstellungen an die Bundesopiumstelle. Die Zahl der Anträge würde massiv ansteigen, und vielen müsste der Antrag auf Eigenanbau genehmigt werden.

Das muss aus Sicht der Bundesregierung unbedingt verhindert werden. So treibt Herrn Gröhe nach Presseberichten angesichts des erheblichen juristischen Drucks die Frage um, „wie Missbrauch wirksam verhindert werden kann“. Eile ist geboten. Ein Gesetz, das den Anspruch auf einen Eigenanbau durch Patienten abwenden kann, muss daher noch 2015 durch den Bundestag gebracht werden.

Zehn Jahre Untätigkeit bei der Umsetzung eines Richterspruchs

Ein der Bundesregierung missliebiger Richterspruch durch das höchste Verwaltungsgericht der Bundesrepublik würde zudem deutlich machen, dass die Bundesregierung sich seit zehn Jahren weigert, ein Urteil des gleichen Gerichts vom 19. Mai 2005 (BVerwG 3 C 17.0) korrekt umzusetzen.

Danach könne das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) Anträge auf die medizinische Verwendung von Cannabis nicht pauschal ablehnen, wie das in den Jahren davor geschehen war. Dieses Urteil ist die Grundlage für die gegenwärtige Möglichkeit der Beantragung von Ausnahmeerlaubnissen, von denen es nach der jüngsten Auskunft der Bundesopiumstelle 358 gibt.

Das Bundesverwaltungsgericht betonte damals den hohen Wert des im Grundgesetz verankerten Rechts auf Leben und körperliche Unversehrtheit. „In das Recht auf körperliche Unversehrtheit kann nicht nur dadurch eingegriffen werden, dass staatliche Organe selbst eine Körperverletzung vornehmen oder durch ihr Handeln Schmerzen zufügen. Der Schutzbereich des Grundrechts ist vielmehr auch berührt, wenn der Staat Maßnahmen ergreift, die verhindern, dass eine Krankheit geheilt oder wenigstens gemildert werden kann und wenn dadurch körperliche Leiden ohne Not fortgesetzt und aufrechterhalten werden“, heißt es im Urteil.

Auf das Argument, Patienten könnten sich auch vom Arzt Dronabinol verschreiben lassen, auch wenn dieses teuer sei und von den Krankenkassen nicht immer erstattet werde, entgegnete das Bundesverwaltungsgericht unmissverständlich: „Der Verweis auf ein Arzneimittel, das weder ohne weiteres verfügbar noch für den normalen Bürger erschwinglich ist, stellt aber keine Alternative dar, die das öffentliche Interesse am Einsatz von Cannabis zur Krankheitsbekämpfung entfallen lässt.“

Genau das geschieht aber seit der ersten Ausnahmeerlaubnis. Die Bundesregierung verweigert seit Jahren den Eigenanbau von Cannabis durch Patienten mit dem Hinweis, dass sie sich Medizinalcannabisblüten in der Apotheke kaufen können, auch wenn sich viele Patienten den Cannabis nicht in dem notwendigen Umfang leisten können. Eine Tatsache, die allen Beteiligten, inklusive Bundesopiumstelle, Bundesgesundheitsministerium und Bundeskanzleramt, seit langem bekannt ist.

Massenhafte langjährige unterlassene Hilfeleistung

Im Klartext bedeutet das: Diese Bundesregierung und die Vorgängerregierungen haben wissentlich unzureichende Maßnahmen ergriffen, um das Leiden vieler Patienten zu lindern. Hätten wir es hier nicht mit Verwaltungsrecht, sondern mit Strafrecht zu tun, so wäre der Regierung eine massenhafte langjährige unterlassene Hilfeleistung sowie ein Verstoß gegen das im Grundgesetz verbriefte Recht auf körperliche Unversehrtheit vorzuwerfen.

Bereits 2005 hatte das Bundesverwaltungsgericht darauf hingewiesen, dass bei Cannabis eine Erlaubnis zum Eigenanbau infrage komme. „Die Entscheidung, einem Patienten den Erwerb oder, was insbesondere bei Cannabis in Betracht kommt, etwa den Anbau zu gestatten, bleibt stets eine Einzelfallentscheidung“, hieß es im Urteil vor zehn Jahren.

Es ist absehbar, dass die Richter des Bundesverwaltungsgerichts der Bundesregierung dieses Versagen um die Ohren hauen, wenn, ja wenn der Bundesregierung keine geeigneten gesetzgeberischen Gegenmaßnahmen eingefallen wären. Ein Cannabiseigenanbauverhinderungsgesetz (CEVEG) muss her.

Wie die Politik den Schein zu wahren sucht

Politiker wollen in der Wählerschaft als aktive Gestalter wahrgenommen werden, die die Nöte der Bürger ernst nehmen, und nicht von höchsten Gerichten schwerwiegende Richterschelten aufgrund von Grundrechtsverletzungen kassieren, und sie wollen auch nicht von Richtern zum Handeln gezwungen werden, sondern zumindest dem Anschein nach Politik selbst gestalten.

Die Eckpunkte des Cannabiseigenanbauverhinderungsgesetzes

Wie könnten also die Pläne der Bundesregierung aussehen? Diese Frage ist nicht schwer zu beantworten, denn sie müssen ganz konkrete Ziele erfüllen. Ein wirksames CEVEG-Gesetz muss nach dem gegenwertigen Stand die folgenden drei Punkte beinhalten.

1. Die Krankenkassen müssen verpflichtet werden, die Kosten für eine Behandlung mit Dronabinol oder Sativex zu übernehmen, wenn alle anderen Therapieverfahren ausgeschöpft und nicht ausreichend wirksam sind bzw. zu starke Nebenwirkungen verursachen. Diese Anträge für eine Ausnahmeerlaubnis werden nicht mehr von der Bundesopiumstelle, sondern von den Krankenkassen bzw. vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen geprüft.

In diesem Fall spricht man von Anträgen auf einen Off-Label-Use bzw. No-Label-Use, also um Anträge auf eine Kostenübernahme von Medikamenten durch die Krankenkassen, die nicht für die beantragte Erkrankung bzw. das entsprechende Symptom zugelassen sind.

2. Wenn Dronabinol oder Sativex im konkreten Fall nicht ausreichend wirksam sind, dann und nur dann kommt weiterhin eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Medizinalcannabisblüten aus der Apotheke durch die Bundesopiumstelle infrage. In diesen Fällen müsste die zuständige Krankenkasse ebenfalls die Kosten der Behandlung übernehmen. Anderenfalls müsste möglicherweise doch in vielen Fällen ein Antrag auf Eigenanbau genehmigt werden.

3. Die deutsche Regelung darf im Gegensatz zu Regelungen in anderen Ländern aus Sicht der Bundesregierung keine Liste von Diagnosen enthalten, bei denen die Krankenkassen zur Kostenübernahme verpflichtet werden, sondern der deutsche Gesetzgeber muss alle Fälle abdecken, die bisher durch Ausnahmeerlaubnisse durch die Bundesopiumstelle abgedeckt werden. Daher sind wie bisher Einzelfallüberprüfungen geboten, diesmal durch die Krankenkassen.

Der Zweck des Gesetzes

Nach den bisher vorliegenden Informationen erfüllt das geplante Gesetz die folgenden Zwecke:

1. Der Eigenanbau von Cannabis durch Patienten wird wirksam und lückenlos verhindert.
2. Das Gesetz wird um keinen Schritt mehr geändert, als unbedingt notwendig, um den Eigenanbau zu verhindern.
3. Es haben zukünftig nur solche Patienten einen Anspruch auf eine Kostenübernahme von Dronabinol, Sativex und Cannabisblüten, die im Falle einer gesetzgeberischen Untätigkeit möglicherweise einen Anspruch auf Eigenanbau gehabt hätten, weil sie sich die Cannabisblüten aus der Apotheke nicht leisten können.
4. Die steigende Zahl von Anträgen auf Ausnahmeerlaubnisse wird wieder reduziert, und die Antragsthematik auf die Krankenkassen bzw. die Sozialgerichte umgeleitet.
5. Den aktuellen Gerichtsverfahren zum Eigenanbau wird die Basis entzogen, so dass es keine Richterschelte durch das Bundesverwaltungsgericht gibt.
6. Die Bundesregierung nimmt in den Augen der Wählerschaft die Nöte der Patienten, die von Cannabisprodukten medizinisch profitieren, ernst.

Wer hat einen Anspruch auf Kostenübernahme durch die Krankenkasse?

Es wird dann spannend werden, wie viele dieser Anträge auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkassen vor den Sozialgerichten landen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung hatte bereits in ihrem Interview für Die Welt darauf hingewiesen, dass es „nicht ganz einfach“ sei, abzugrenzen, wer Cannabis tatsächlich dringend als Medikament benötige.

Anders ausgedrückt, ist es nicht ganz einfach, diese Gesetzespassage so zu formulieren, dass eindeutig geregelt ist, wer einen Anspruch auf Kostenerstattung durch die Krankenkassen hat und wer nicht.

Das erkämpfte Gesetz ist ein Grund zum Feiern

Mehr als 10 Jahre lang hat Ute Köhler aus Thüringen für die Kostenübernahme von Dronabinol durch die AOK gekämpft. Die AOK hat mit aberwitzigen Argumenten diese Kostenübernahme abgelehnt. Wider besseres Wissen hat ihre Krankenkasse behauptet, Frau Köhler habe mögliche alternative Behandlungsverfahren zur Linderung ihrer Schmerzen nicht ausgeschöpft.

Diese Geschichte wird nun ein gutes Ende finden. Frau Köhler hat das mehr als verdient. So wie auch andere Patienten, die keine andere Alternative als eine Behandlung mit Dronabinol, Sativex oder Cannabisblüten haben, jetzt hoffen dürfen, dass ihre Krankenkasse die Kosten der Behandlung zukünftig erstatten wird.

Dass die Kostenerstattung für Dronabinol durch Klagen von Patienten auf den Eigenanbau von Cannabisblüten durchgesetzt wurde, ist eine besondere Pointe der Geschichte der medizinischen Cannabisverwendung in Deutschland.

Auch die beiden Firmen, die mit großem Engagement nicht aufgegeben haben, den deutschen Patienten trotz geringer Umsätze Dronabinol zur Verfügung zu stellen, so dass dieses Präparat in Deutschland so preiswert ist wie nach meiner Kenntnis in keinem anderen Land der Welt, werden für ihre Ausdauer belohnt.

Ein weiterer positiver Effekt könnte in der größeren Bereitschaft von Ärzten liegen, Dronabinol und Sativex zu verschreiben, auch wenn sie sich dabei mit dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen herumschlagen müssen. Immerhin ist dem normalen Arzt die Diskussion mit dem MDK vertrauter als die ungewohnte Prozedur bei Anträgen auf eine Ausnahmeerlaubnis für die Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke.

Zudem werden die Cannabinoid-Medikamente Dronabinol und Sativex ganz normal auf einem Betäubungsmittelrezept verschrieben. Auch das ist vertrauter als die Begleitung von Patienten im Rahmen einer Selbsttherapie mit Cannabisblüten.

Könnte es auch Verlierer geben?

Es wird sich die Frage stellen, was Patienten machen können, die 1000 oder 2000 mg Dronabinol monatlich benötigen, der Arzt aber nur bereit ist, maximal 500 mg zu verschreiben. Eine Ausnahmeerlaubnis wie bisher wäre ihnen sicherlich verwehrt, weshalb das neue Gesetz in ihren konkreten Auswirkungen auch viele Verlierer haben könnte.

Es stellt sich auch die Frage, was mit den bisherigen Erlaubnisinhabern für eine Verwendung von Cannabisblüten aus der Apotheke geschieht. Wird man jetzt verlangen, dass sie zunächst Dronabinol oder Sativex ausprobieren müssen? Viele haben ihre Ausnahmeerlaubnis erhalten, weil die Krankenkasse eine Kostenübernahme für Dronabinol abgelehnt hat.

Der Fall Michael Fischer, der eine Ausnahmeerlaubnis für den Eigenanbau gestellt hat, und bei dem die AOK plötzlich die Kostenübernahme für Dronabinol zugesagt hat, zeigt auf, wie kompliziert es sein kann darzulegen, dass Dronabinol nicht so wirksam wie Cannabisblüten sind, auch wenn die behandelnden Ärzte und der Patient selbst dies so sehen.

Die Zweiklassenmedizin bleibt bestehen

Die Ausführungen von Herrn Gröhe und Frau Mortler machen deutlich, dass es auch nach Umsetzung des Gesetzes weiterhin nicht in der Hand von Arzt und Patient liegen soll, ob eine Therapie mit Cannabisprodukten durchgeführt werden soll oder nicht. Denn eine solche Therapie wird nur bezahlt, wenn keine Behandlungsalternativen bestehen.

Darüberhinaus können sich weiterhin nur vermögende Patienten Medikamente auf Cannabisbasis leisten. Die anderen Patienten werden bei chronischen Schmerzen weiterhin gezwungen sein, Opiate einzunehmen, auch wenn Arzt und Patient der Ansicht sind, eine Therapie mit Cannabis wäre langfristig mit weniger Nebenwirkungen assoziiert.

Sie müssen weiterhin bei Rheuma und anderen schweren chronisch-entzündlichen Erkrankungen Immunsuppressiva wie Cortison und Methotrexat mit schwerwiegenden Langzeitnebenwirkungen einnehmen, auch wenn Arzt und Patient der Auffassung sind, dass Cannabisprodukte sinnvoller wären.

Es ist nicht beabsichtigt, die Zweiklassenmedizin in diesem Bereich aufzuheben. Die zentralen Forderungen von Patienten und Ärzten an einen angemessenen Umgang mit der Thematik werden mit diesem Gesetz nicht erfüllt.

Diesmal wäre für die Bundesregierung mehr drin als ein weiterer kleiner Schritt

Alle repräsentativen Umfragen zum Thema Cannabis als Medizin der letzten Jahre zeigen, dass eine große Mehrheit der Wählerschaft für deutliche Verbesserungen beim Zugang zu Cannabis als Medizin ist. Die Umfragen zeigen auch, dass die Bevölkerung besser als die Politikerklasse von rechts und links zwischen der medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten und der generellen Legalisierung der Droge unterscheiden.

Die dumme Furcht vor dem falschen Signal an die Jugend

Unter konservativen Politikern herrscht die Furcht, die Freigabe von Cannabis als Medizin sei beispielsweise ein falsches Signal an die Jugend. Vertreter dieser Position halten die Jugendlichen für so blöd, dass diese nicht zwischen einer medizinischen Verwendung und dem Freizeitkonsum unterscheiden können – als wüssten Jugendliche nicht, dass Substanzen wie Antibiotika, Schmerzmittel, Neuroleptika und Cortison nicht harmlos sind, nur weil sie medizinisch verwendet werden.

Viele Politiker merken nicht, dass die Jugendlichen ihnen die nötige intellektuelle Reife absprechen, wenn sie hier keine Unterscheidung machen.

Das törichte Gefasel vom ersten Schritt zur generellen Legalisierung

Es gibt aber auch im linken Spektrum der Politik Vertreter, denen diese Unterscheidungsfähigkeit fehlt, wenn auch mit anderem Vorzeichen. Die Aussage, die Verwendung von Cannabis als Medizin sei ein erster Schritt zur generellen Legalisierung, ist eine andere Form, die medizinische Verwendung von Cannabisprodukten nicht ernstzunehmen.

Das ist ungefähr so, als würde man Verbesserungen in der palliativen Schmerztherapie in Verbindung zur Heroinabgabe an Schwerstabhängige oder eine generelle Legalisierung von Opiaten bringen, auch wenn es in allen drei Fällen um Opiate geht. Auch da wird nicht verstanden, wie viel Leid die medizinische Verwendung von Cannabis nicht nur in der Palliativmedizin hunderttausendfach in Deutschland lindern könnte.

Bündnis 90/die Grünen und hier vor allem ihr Fachpolitiker Harald Terpe sowie die Linksfraktion im Bundestag und hier vor allem ihr Fachpolitiker Frank Tempel sind die engagiertesten Streiter für Patienteninteressen, wenn es um die medizinische Verwendung von Cannabis geht. Aber einige Fraktionskollegen haben die Bedeutung der Thematik offenbar noch nicht erkannt.

Die Kriminalisierung von Cannabiskonsumenten ist aus wissenschaftlicher Sicht sicherlich eine Dummheit. Die Kriminalisierung von Patienten, die Cannabis aus medizinischen Gründen verwenden, ist aus wissenschaftlicher und ärztlicher Sicht dagegen ein Verbrechen und ein Verstoß gegen die Menschenrechte, die durch nichts mehr zu rechtfertigen sind.

Ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer ausreichenden medizinischen Versorgung mit Cannabisprodukten

Die zu erwartenden Verbesserungen beim Thema Cannabis als Medizin sind nicht ein erster Schritt für etwas anderes, sondern ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einer ausreichenden Versorgung der Bevölkerung mit Medikamenten auf Cannabisbasis.

Dieser Schritt ist ein Grund zur Freude. Es handelt sich immer noch um einen positiven Nachhall der Bundesverfassungsbeschwerde aus dem Jahr 1999 mit den nachfolgenden juristischen Erfolgen von Patienten und ihren Anwälten vor den Verwaltungsgerichten.

Vom Gesetzgeber könnte mehr Mut erwartet werden, als nur einem gefürchteten Richterspruch vorzubeugen. „Habt keine Angst vor Cannabis als Medizin!“, möchte man den Parlamentariern in Berlin zurufen. „Die bundesrepublikanische Bevölkerung ist reif für größere Schritte.“

Bundestagsabgeordnete, die sich freuen, etwas tun zu dürfen, weil sie es müssen

Ich würde mich sehr freuen, wenn ich mit meiner Einschätzung daneben läge, und wäre bereit in diesem Fall mehr als vier Wochen lang mit einer Glatze oder einem Schnurrbart herumzulaufen bzw. herumzuliegen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn die Mitglieder der christdemokratischen Fraktion im Bundestag sich auch bei der Diskussion um die medizinische Versorgung Schwerkranker auf ihre christlichen Werte besinnen würden, und wenn die Mitglieder der sozialdemokratischen Fraktion sich auf ihre sozialen Werte besinnen würden.

Das Thema Cannabis als Medizin erfreut sich in allen Fraktionen zunehmender Sympathien, die Probleme der schwerkranken Patienten finden zunehmend Beachtung. Es gibt in den Regierungsfraktionen auch heute bereits viele Mitglieder, die sich darüber freuen, dass sie jetzt etwas machen dürfen, weil sie es jetzt machen müssen. Das macht Mut, dass diesem Schritt, der häufig mit dem Adjektiv „überfällig“ charakterisiert wird, in der Zukunft noch weitere folgen werden.

(Quelle: http://www.huffingtonpost.de/franjo-grotenhermen/cannabis-eigenanbau-bundesregierung_b_6652830.html)

whynot

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20
Sep
2014

Petition zu Cannabis als Medizin: Warum die Petition innerhalb der Zeichnungsfrist von mehr als 33.000 Personen unterstützt wurde und warum es wichtig ist, weiterhin Unterschriften zu sammeln


S1330034

Am Mittag des 11. September meldete der Petitionsausschuss eine Gesamtzahl von 17 117 Offline-Mitzeichnern und von 16225 Online-Mitzeichnern der Petition. Auf Nachfrage eines Journalisten erklärte Herr Ministerialrat Finger, dass bei der Einreichung der Unterschriftenlisten nicht der Poststempel gegolten hat, sondern der Eingang der Unterschriftenlisten beim Petitionsausschuss. Damit widerspricht er der Auskunft einer Mitarbeiterin des Petitionsausschusses, die auf Anfrage von Dr. Grotenhermen am 2. September mitgeteilt hat, dass für die Berücksichtigung von Unterschriftenlisten das Datum des Posttempels gelte. Es reiche also, dass die Unterschriftenlisten spätestens am 10. September von der Post abgestempelt werden. Diese Verwirrung zum Nachteil der Petition ist nicht die erste. Hier eine Chronologie der Ereignisse.

15. April 2014
Am 15. April 2014 reichte Dr. Franjo Grotenhermen auf der Internetseite des Petitionsausschusses eine Petition mit dem folgenden Text ein: „Der Deutsche Bundestag möge beschließen, dass die Bundesregierung Maßnahmen ergreift, damit die Kosten einer Behandlung mit Medikamenten auf Cannabisbasis bezahlt werden. Der Bundestag möge zu¬dem beschließen, dass Strafverfahren gegen Patientinnen und Patienten im Zusammenhang mit einer durch einen Arzt bescheinigten notwendigen medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten grundsätzlich eingestellt werden.“

Der Eingang der Petition wurde wenige Minuten danach mit einer automatischen E-Mail bestätigt.
Der E-Mail hing eine pdf-Datei mit dem Titel „Für Ihre Unterlagen, Petition an den Deutschen Bundestag (mit der Bitte um Veröffentlichung) mit den Daten von Dr. Grotenhermen, dem Vermerk „Petition null – 15. April 2014“ sowie dem Text und der Begründung der Petition an.

Am 15. April 2014 hat Dr. Grotenhermen diese pdf-Datei zur Information über die Einreichung der Petition sowie deren Eingang beim Petitionsausschluss an die Mitpetenten der Petition (Prof. Lorenz Böllinger, Prof. Kirsten Müller-Vahl, Dr. Sylvia Mieke, Dr. Ellis Huber, Prof. Heino Stöver, etc.) sowie weitere Personen (Webmaster der Seite, etc.) weitergeleitet.

21. Mai 2014
Am 21. Mai hat Dr. Grotenhermen eine E-Mail an den Petitionsausschuss geschickt, mit der Frage, ob schon absehbar sei, wann die Prüfung der Petition beendet sei und die Mitzeichnungsfrist beginne. Darauf erhielt er einen Telefonanruf aus dem Petitionsausschuss, dass keine Petition eingegangen sei.

In einem Schreiben vom 26. Mai 2014 erhielt er ein Schreiben aus dem Petitionsausschuss mit dem Hinweis, dass „hier kein Eingang einer Petition vom 15.04.2014 festgestellt“ werden konnte. Er wurde gebeten, die „Petition erneut einzureichen“.

Nach weiteren Telefonaten ergab sich für Dr. Grotenhermen keine Alternative zur erneuten Einreichung der Petition, obwohl nun befürchtete werden musste, dass die Zeichnungsfrist der Petition in die Sommerpause fallen würde. Es war versucht worden, genau dies mit der Einreichung am 15. April zu vermeiden.

30. Mai 2014
Am 30. Mai hat Dr. Grotenhermen die gleiche Petition vom 15. April erneut eingereicht. Die der Bestätigung angehängte pdf-Datei enthielt den gleichen Text und das gleiche Layout wie die E-Mail vom 15. April. Diesmal befand sich jedoch unten der Vermerk „Petition 52664 – 30. May 2014“. Zwölf Minuten später kam eine erneute Bestätigung des Eingangs der Petition mit dem Vermerk „Petition 51706 – 30. May 2014“, obwohl zwischendurch keinerlei Aktivitäten an dem Computer von Dr. Grotenhermen durchgeführt worden waren.

Am 6. Juni 2014 erhielt Dr. Grotenhermen erneut ein Schreiben des Petitionsausschusses mit dem Hinweis, er habe die Petition sowie die „weiteren E-Mails doppelt eingereicht“. Und weiter: „Ich bitte Sie höflich, Ihre E-Mails in Zukunft nicht doppelt an den Petitionsausschuss zu senden. Sie erleichtern dem Petitionsausschuss dadurch die Arbeit und tragen zu einer beschleunigten Bearbeitung bei.“ Allerdings wurde die Petition nicht zweimal am 30. Mai, sondern einmal am 15. April und einmal am 30. Mai eingereicht.

Von einem Beauftragten für den Petitionsausschuss erhielt Dr. Grotenhermen noch am 30. Mai die Nachricht, man werde die Petition beschleunigt prüfen. Allerdings gab es bis zum 13. August keinerlei Nachricht zum Stand der Petition, obwohl die Prüfungsdauer normalerweise etwa 4-6 Wochen dauern soll.

13. August 2014
Am 13. August erhielt Dr. Grotenhermen eine E-Mail, dass die Petition nun auf der Internetseite des Deutschen Bundestags veröffentlicht wurde und die vierwöchige Mitzeichnungsfrist begonnen habe.

Auf der Webseite zur Petition (www.cannabis-medizin-petition.de) wurde eine Unterschriftenliste zur Verfügung gestellt, die das Sammeln von Unterschriften ermöglichte. Ganz unten hieß es: „Nach dem Ausfüllen bitte spätestens am 7. September 2014 senden an: Deutscher Bundestag, Sekretariat des Petitionsausschusses, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Die Unterschriftenlisten müssen spätestens am 10. September 2014 dort angekommen sein.“

2. September 2014
Am 2. September erhielt Dr. Grotenhermen einen Hinweis einer Person aus Berlin, nach der nach seiner Kenntnis das Datum des Poststempels für die Wahrung der Zeichnungsfrist ausreichend sei. Am gleichen Tag hat Dr. Grotenhermen im Petitionsausschuss angerufen und gefragt, ob es in der Tat so sei, dass es beim Ablauf der Zeichnungsfrist am 10. September ausreichend sei, wenn die Unterschriftenlisten das Datum des Poststempels vom 10. September 2014 tragen. Dies wurde von der Mitarbeiterin des Petitionsausschusses unmissverständlich bejaht.

Daraufhin wurde der untere Teil der Unterschriftenlisten entsprechend geändert und in einem Rundschreiben an etwa 2000 Unterstützer die neue Information verbreitet. So hieß es nun in der Unterschriftenliste: „Nach dem Ausfüllen bitte spätestens am 10. September 2014 senden an: Deutscher Bundestag, Sekretariat des Petitionsausschusses, Platz der Republik 1, 11011 Berlin. Es gilt das Datum des Poststempels! Also spätestens am Mittwoch, den 10. September, zur Post!“

Viele Sammler haben daher ihre Unterschriftenlisten erst am 9. oder 10. September 2014 zur Post gegeben.

11. September 2014
Am Mittag nach Ende der Zeichnungsfrist, also am 11. September, wurden überraschenderweise bereits die „Anzahl Offline-Mitzeichner“ mit 17117 angegeben. Daraus ließ sich schließen, dass entweder die Post sehr schnell im Petitionsausschuss eingetroffen und dann sehr schnell ausgezählt wurde oder das Datum des Poststempels doch nicht ausschlaggebend war.

Am 15. September hat ein Journalist genauer nachgefragt. Er erhielt von Ministerialrat Wolfgang Finger, der unter „Kontakt“ auf der Internetseite des Petitionsausschusses für die Seite verantwortlich zeichnet, die Mitteilung, dass es in den Verfahrensgrundsätzen in Nr. 8.2.1, 7 Spiegelstrich heiße: „wenn eine Massen- oder Sammelpetition bei Einreichung von mindestens 50000 Personen unterstützt wird oder wenn dieses Quorum spätestens 4 Wochen nach Einreichung erreicht wird. (…) Von Absenden oder Poststempel ist nirgendwo die Rede.“ „Das Quorum kann nicht mehr erreicht werden, da die Frist von 4 Wochen abgelaufen ist. Im Übrigen kann eine Petition bis zum Abschluss des Petitionsverfahrens offline mitgezeichnet werden. Die Zahlen können sich also immer wieder verändern.“

16. September 2014
Am 16. September hat Dr. Grotenhermen die Vorsitzende des Petitionsausschusses Kersten Steinke angeschrieben. Darin heißt es: „Etwa eine Woche vor Abschluss der Petition habe ich im Petitionsausschuss angerufen und gefragt, ob für die Zählung der offline gesammelten Unterschriften der Eingang im Petitionsausschuss oder das Datum des Poststempels gilt. Mir wurde versichert, dass das Datum des Poststempels gilt. Ich habe daher die Sammler von Unterschriften entsprechend
informiert. (…) Heute habe ich erfahren (…), dass offenbar nicht das Datum des Poststempels
gezählt hat. Ich bitte um Klärung des Vorgangs und der Frage, ob im Petitionsausschuss ungezählte Unterschriften zur Unterstützung meiner Petition liegen?“

Fazit
Es ist bisher unbekannt, wieviel Unterschriften zur Unterstützung der Petition gesammelt wurden. Es sind sicherlich mehr als die offiziell angegebenen Zahlen, denn entgegen der mündlichen Zusage wurde nicht das Datum des Poststempels gewertet. Zudem macht es Sinn, die Petition weiterhin offline zu zeichnen, auch wenn das Quorum nicht mehr erreicht werden kann.
(aus: ACM-Informationen v. 20. Sept. 2014)

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2
Sep
2014

Cannabis-Patienten treten in Hungerstreik


spendenaktion

Cannabis-Patienten treten in Hungerstreik

Schmerzpatienten fordern schnelle Lösung für Eigenanbau von Cannabis / „Wer Schmerzen hat kann nicht warten“ / Petition fordert Kostenübernahme für Medikamente

Rüthen, 2. September 2014. Am 22. Juli hatte das Kölner Verwaltungsgericht entschieden: Der Cannabis-Eigenanbau bleibt im Grundsatz verboten, kann aber unter bestimmten Bedingungen als „Notlösung“ für den medizinischen Einsatz erlaubt werden – u.a. wenn der so genannte Apotheken-Cannabis für den Patienten unerschwinglich ist. Gegen dieses Urteil hat nun das „Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte“ Berufung eingelegt. Der Eigenanbau bleibt damit auch für die genannten Ausnahmefälle verboten. Aus Protest gegen die Berufung treten sechs chronisch Kranke aus verschiedenen Bundesländern nun einen Hungerstreik an. Sie fordern eine schnelle Lösung der Frage, ob und in welchen Fällen Patienten der Eigenanbau genehmigt wird.

„Wer Schmerzen hat, braucht seine Medikamente jetzt und kann nicht länger warten“, so Ute Köhler, eine der Patientinnen, die heute in den Hungerstreik getreten ist. Mit dem Hungerstreik will sie auf ihre und auf die Notlage anderer Patienten aufmerksam machen. Die 60-jährige leidet seit der Strahlenbehandlung ihrer Krebserkrankung unter starken chronischen Schmerzen. Allein mit dem Wirkstoff Cannabiswirkstoff Dronabinol (THC) lassen sich diese lindern. „Ohne die Behandlung mit THC kann ich vor Schmerzen nicht schlafen, nicht essen, nicht sprechen.“ Doch das in der Apotheke erhältliche Cannabis-Medikament kann sich Ute Köhler nicht leisten. Die Kosten liegen bei bis zu 900 EURo im Monat. Die Krankenkassen übernehmen diese nicht.

Das Kölner Urteil sei ein enorm wichtiger Schritt für die betroffenen Patienten gewesen, das unterstreicht auch der Mediziner Franjo Grotenhermen, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. „Durch die Berufung wird eine finanzierbare Behandlung mit Cannabisprodukten weiterhin unnötig hinausgezögert“, kritisiert er die Bundesregierung. „Es ist den betroffenen schwer kranken Patienten nicht zumutbar, dass sie jahrelang für ihr Recht streiten müssen.“ Das Verwaltungsgericht Köln hatte am 22. Juli der Klage von drei Männern stattgegeben, die gegen das Verbot des Eigenanbaus geklagt hatten, da sie sich Cannabis-Blüten aus der Apotheke oder Medikamente auf Cannabis-Basis nicht leisten können.

Große Hoffnung setzen die Schmerzpatienten derzeit auch auf eine Online-Petition: Grotenhermen setzt sich mit anderen Medizinern und chronisch Kranken beim Petitionsausschuss des Deutschen Bundestags dafür ein, dass die Kosten einer Behandlung mit Medikamenten auf Cannabisbasis bezahlt werden. Die Petition fordert außerdem, dass der Bundestag sicherstellt, dass Patienten nicht mehr strafrechtlich verfolgt werden sollen. Die Petition läuft noch bis 10. September. Bis dahin müssen 50.000 Stimmen zusammenkommen. www.cannabis-medizin-petition.de

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. med. Franjo Grotenhermen
Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V.
Telefon: 02952-9708572
E-Mail: info@cannabis-med.org

V.i.S.d.P.: F. Grotenhermen, Am Mildenweg 6, 59602 Rüthen

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