10
Jan
2017

UMGANG MIT CANNABIS


Es gibt zum Bedauern einer Vielzahl von Patienten und Ärzten keine genauen Dosierungsvorgaben oder etablierte einheitliche Dosierungs-Schemata für medizinisch wirksame Produkte wie z.B. frisches Marihuana („raw marihuana“), per Verbrennung inhaliertes, ggf. vaporisiertes Marihuana, Haschisch oder Cannabisöl.

Die Dosierung ist stark individualisiert und beruht in hohem Maße auf der Titration (d. H. der Suche nach der richtigen Dosis, bei der potenzielle therapeutische Effekte maximiert – während negative oder schädliche Effekte minimiert werden). Der umsichtigste Ansatz für die Dosierung bei Fehlen evidenzbasierten Leitlinien ist, „start low and go slow“, sinngemäß „beginne mit wenig und mach langsam.“

Anders als bei Produkten, die eine Anerkennung von „Health Canada“ erhalten haben oder den Prüfungserfordernissen des niederländischen Bureau voor Medicinale Cannabis unterliegen, ist die Cannabisdosis aus unbekannten Fremdquellen, die zur Erzielung therapeutischer Effekte und zur Vermeidung von Nebenwirkungen erforderlich ist, schwer abschätzbar und wird von vielen Variablen beeinflusst.
Höhere Dosen von THC (und CBD) können bei gänzlich fehlender Erfahrung im Umgang mit Cannabis mit einem erhöhten Risiko von unerwünschten oder schädlichen Auswirkungen einhergehen.

Patienten ohne vorherige Erfahrung mit Cannabis und erstmaliger Einleitung einer Therapie wird eine sehr niedrige Dosis (z. B. 1 mg THC) angeraten. Sie sollten die Therapie sofort abbrechen, wenn unannehmbare oder unerwünschte Nebenwirkungen auftreten (z. B. Desorientierung, Schwindelgefühl und Verlust von Koordination,) Erregung, Angst, schneller Herzschlag, Schmerzen in der Brust, niedriger Blutdruck, Gefühl von Ohnmacht, Depressionen, Halluzinationen oder psychose-ähnliche Symptome)

Zu Beginn der Therapie mit Cannabis ist es am besten zu versuchen jemanden begleitend bei sich zu haben, dem man vertraut, sofern man vom Cannabis eine nachteilige Wirkung verspürt und möglicherweise medizinische Hilfe benötigt.

Während es einige klinische Studien von inhaliertem und vaporisiertem getrocknetem Cannabis für therapeutische Zwecke gab, gibt es keine klinischen Studien über den Gebrauch von frischem Marihuana oder Cannabisöl für therapeutische Zwecke. Daher ist die Bereitstellung genauer Dosierungsrichtlinien für solche Produkte nicht möglich, obwohl vorhandene Informationsquellen als Referenz verwendet werden können (s.u.)

Beginn, Höhepunkt und Dauer spürbarer Effekte
Bei Inhalation (Rauchen, Verdampfen) können die Effekte innerhalb weniger Minuten, in der Regel aber innerhalb von 30 Minuten spürbar sein. 1*
Akute Effekte dauern in der Regel zwischen 2 und 4 Stunden, können aber auch durchaus länger anhalten (z. B. 24 Stunden) 2*

Bei oraler Einnahme (z.B. Öle, Nahrungsmittel, Kapseln) können akute Effekte frühestens 30 Minuten und spätestens nach 3 oder 4 Stunden nach Verabreichung spürbar sein. 3* Diese Variabilität hängt von einer Reihe von Faktoren ab (z.B. der Nahrung im Magen). Es ist ratsam ein Minimum von 2 Stunden zwischen der Verabreichung von Einzeldosen oraler Produkte abzuwarten, um eine mögliche Überdosierung zu vermeiden. 4*
Akute Effekte liegen im Allgemeinen zwischen 3 und 4 Stunden nach der Dosierung und können bis zu 8 Stunden oder länger dauern. 5*

Bei topischer Anwendung (z.B. selbst angefertigte Pflastern oder Wickeln mit „raw cannabis“) ist nicht bekannt, wie lange es dauert, bis potenzielle therapeutische Effekte auftreten, noch wie lange sie dauern.
Es gibt Berichte über Überempfindlichkeitsreaktionen (z. B. Hautausschlag, Juckreiz), wenn die Haut mit Cannabis in Berührung gekommen ist. Andere Berichte belegen die Wirksamkeit von warmen Bädern in Cannabis-Blattmerial. 6*

Dosierungsmengen
Informationen, die aus einer begrenzten Anzahl von kleinen und kurzzeitigen klinischen Studien von Cannabis für medizinische Zwecke stammen, zeigen, dass tägliche Dosen von gerauchtem oder verdampftem getrocknetem Cannabis ab 75 mg getrockneter Cannabis (9,4% THC , nach Gewicht ca. 7 mg THC) bis zu einem Maximum von 3,2 g getrockneter Cannabis pro Tag ausreichend sind.

Niedrige 2,5-3 mg THC Dosen sind mit einem therapeutischen Nutzen und minimaler Psychoaktivität verbunden. 9*, 10*, 11*

Verschiedene Untersuchungen, die in der wissenschaftlichen und medizinischen Literatur veröffentlicht wurden, haben ergeben, dass die Mehrheit der Personen, die Cannabis geraucht oder oral eingenommen für medizinische Zwecke verwendet, als Bedarf von 10 bis 20 Gramm Cannabis pro Woche oder etwa 1-3 Gramm getrockneten Cannabis pro Tag berichtet. 12*

Eine Studie ergab, dass die durchschnittliche tägliche Dosis von getrocknetem Cannabis (verschiedener Potenzen), die von Patienten im niederländischen Medical Cannabis-Programm verwendet wurde, 0,68 Gramm pro Tag betrug (Bereich: 0,65-0,82 Gramm pro Tag.) 13*

Eine andere Studie legt nahe, dass unabhängig von der Art der Verabreichung (Inhalation oder oral) Personen, die Cannabis für medizinische Zwecke gebrauchen, äquivalente Mengen an Cannabis pro Tag mit durchschnittlichen Menge von etwa 3 Gramm pro Tag bedürfen. 14*

Beim Rauchen und Vaporisieren beträgt die durchschnittlich berichtete Dosis 1,5 – 2,0 Gramm pro Tag.
Bei Back- oder Esswaren liegt die durchschnittliche Dosierung 1,5 Gramm pro Tag.
Für Tee-Zubereitungen wird eine mittlere Dosis von 1,5 Gramm pro Tag berichtet.

Es gibt keine allgemeingültigen Informationen über Dosierungsmengen für topisch angewandte Cannabisprodukte (z. B. Salben, Cremes, Lotionen, Öle, Balsame, Salben), jedoch legt eine Studie nahe, dass ungefähr 5% der Personen, die Marihuana für medizinische Zwecke gebrauchen, solche Produkte verwenden.

Es liegen keine Informationen über Dosierungsmengen für frisches Marihuana vor.

In Ermangelung klinischer Studien über Cannabisprodukte – wie zum Beispiel oral applizierte Öle – wurden die folgenden Informationen als Hinweise gegeben, um eine gewisse potenzielle Anleitung zur Dosierung zu geben.

Produkte („Edibles“) oder Öle, die oral eingenommen werden
Die verfügbaren klinischen Daten für Marinol®, eine oral verabreichte Kapsel, die eine Marktzulassung erhalten hat und die synthetisches THC enthält, das in Sesamöl gelöst ist, weist auf einen Dosierungsbereich von nur 2,5 mg THC pro Tag bis zu einer maximalen Dosis von 210 mg THC pro Tag hin . 16*, 17*, 18*
Dosen unter 2,5 mg (zB 1 mg) THC können die Häufigkeit und das Risiko von Nebenwirkungen weiter vermeiden.
Die durchschnittliche Dosis von Marinol® beträgt 20 mg THC pro Tag
Die maximale empfohlene tägliche orale Dosis von Marinol® beträgt 40 mg pro Tag. 20*, 21*

Vorläufige Informationen aus einer offenen klinischen Studie mit Epidiolex® (ein oral verabreichter Ölextrakt, der hauptsächlich Cannabidiol (CBD) zur Behandlung von bestimmten Arten von Kindheitsepilepsie enthält, die nicht auf eine konventionelle Behandlung ansprechen) schlägt einen täglichen Dosierungsbereich zwischen 5 und 20 mg / Kg CBD. 22*
Es sind jedoch weitere klinische Studien erforderlich, um diese Informationen zu untermauern.

Gleichwertigkeits-Faktor
Die Menge an anderem als getrocknetem Marihuana (z. B. frischem Marihuana oder Cannabisöl), die einem Gramm getrockneten Marihuana entspricht („Äquivalenzfaktor“), ist nach Möglichkeit zu bestimmen. Der Äquivalenzfaktor ist jedoch abhängig von der Herstellungsmethode, der Lieferform und der THC / CBD-Ausbeute. Die lizenzierten Hersteller in USA, Kanada und in den Niederlanden stellen diese Informationen auf dem Etikett zur Verfügung. Informationen über den Äquivalenzfaktor stehen ggf. auch auf der Website des lizenzierten Herstellers.

Übersetzung aus „Health Canada“, www.hc-sc.gc.ca unter Verwendung von Google

Axel Junker

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3 Responses

  1. Michelle K. Says:

    Dieser Artikel ist sehr hilfreich und interessant.
    Vielen Dank.

    Leider fehlen die Quellenangaben. Ist da etwas im Layout schiefgegangen?

    Es wäre klasse, wenn sie diese nachreichen könnten.

  2. Michelle K. Says:

    Ich habe inzwischen die Orginalquelle gefunden:

    http://www.hc-sc.gc.ca/dhp-mps/marihuana/med/daily-quotidienne-eng.php

  3. axel Says:

    Sorry, dass Hinweise, Kommentare oder Anfragen nicht – oder nur selten – zeitnah beantwortet werden können.

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