27
Apr
2012

BMG – Schreiben an die aktuellsten zwei Gesundheitsminister


Bundesminister für Gesundheit, Daniel Bahr
Bundesgesundheitsministerium für Gesundheit
Friedrichstraße 108
10117 Berlin-Mitte
Jena, 23.02.2012

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Bahr,

ich sende Ihnen ein Schreiben, das so am 23.02.2009 an den damaligen Bundesgesundheitsminister Dr. Ph. Rösler ging.

Mittlerweile bin ich 49 Jahre und die Probleme werden nicht kleiner.
In einer schweren Entscheidung hatte ich mich 2009 entschlossen alle bisher verordneten aber eher sehr schädlichen, sehr nebenwirkungsreichen Medikamente und BTM abzusetzen.

Was darauf folgte war die Hölle auf Erden, über Monate bis es „erträglich“ wurde.
Nun nutze ich seit über zwei Jahren erfolgreich nur noch Dronabinol als ölige Lösung und nutze nat. Cannabis. Fast nebenwirkungsfrei. Die einzige Nebenwirkung ist das ich dafür selbst bezahlen muss.

Ich habe bis Mai 2011 ca. 20.000 Euro für notwendiges nat. Cannabis aus der Apotheke bezahlt.
Damit bin ich keineswegs einverstanden. Wie soll das weitergehen?
Freisprüche werden verschleppt, Anträge von Erlaubnisinhabern auf Eigenanbau werden nicht bearbeitet, ohne Einzelfallprüfung mit Begründungen abgelehnt die sehr weit hergeholt sind und einer Prüfung nicht standhalten.

Das BfARM, die Bundesopiumstelle schweigen. Keinerlei Information trotz Nachfragen.
Reisefähige Erlaubnisinhaber fragen seit Erlaubniserteilung nach rechtlicher Sicherheit auf Reisen. Nichts ist bisher im Sinne der Patienten passiert.

Habe ich als Erlaubnisinhaber Residenzpflicht in /für Deutschland.
Warum wird mir eine Reise, zB. in wärmere Länder verwehrt?

Auch und gerade schwerkranke Patienten benötigen Auszeiten um ihr Leben meistern zu können.
Ich bitte Sie sich persönlich um diese Angelegenheiten zu bemühen.

Bitte teilen Sie mir zeitnah Ihre Meinung/eventl. getroffene Entscheidungen dazu mit. Da diese Fragen im öffentlichen Interresse sind werde ich dieses Schreiben an Sie der Öffentlichkeit zur Einsicht geben.

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Ciecior

Nun mein damaliges Schreiben.

Sehr geehrter Herr Gesundheitsminister Dr. Phillip Rösler,

bezugnehmend auf Ihren Vorschlag die Zulassung von Cannabis als Medikament zu betreiben, möchte ich Ihnen als direkt von der Sache Betroffener schreiben:

Mein Name ist Uwe Ciecior, ich bin 46 Jahre alt, bislang nicht vorbestraft, zweifacher Vater und Großvater, verwitwet seit 1998 und seither alleinerziehend. Überdies bin ich seit dem 22.01 2009 Inhaber einer Ausnahmegenehmigung zur legalen Nutzung von Medizinal-Cannabisblüten. Die genehmigte monatliche Menge beträgt 84 Gramm Bedrocan-Cannabis.

Ich leide seit 1997 an chronischem schweren neurophatischen Schmerzsyndrom nach Plexusausriss C5-C8 (schwerer Verkehrsunfall). Der Grad meiner Behinderung beträgt 90 Grad. Ich hatte sehr aufwendige, gefährliche und sehr belastende Nerventransplantationen, Rückenmarksoperationen (Operative Einpflanzung einer “spinal cord stimulation”, wenige Monate später wieder Entfernung derselben so wie spätere Drezläsion von TH1-C5). Trotz dieser Maßnahmen leide ich an ständigen neurophatischen und körperlichen Schmerzen, die mein Leben sehr stark und bis an die Grenzen der Leidensfähigkeit gehend einschränken und belasten. Durch besagte Eingriffe habe ich das Gefühl nur eine (rechte) Körperhälfte zu besitzen, d.h. das Gefühl einer immer kalten, „eingeblechten“ rechten Körperhälfte. Meine Wirbelsäule und sonstige Skelletur weist eine ausgeprägte Skolliose auf – also eine Teil-Skelletierung meines Körpers: linker Arm, linke Schulter und linke Brust sind durch operative Entfernung des Brustnervs degeneriert.

Seit Erteilung der Ausnahmegenemigung nach § 3 Abs. 2 BtMG auf pflanzliches Cannabis musste ich im Verlaufe mehrerer Monate bedingt durch schwerste Schmerzzustände mehrmals über die Nothilfe in eine Klinik eingewiesen werden; deshalb kann ich meine monatliche Bedarfsmenge an benötigtem Cannabis nicht wirklich konkret benennen. Dennoch habe ich bisher für dieses lindernde Mittel cirka 8.200 € aufwenden müssen. Die letzten Bedrocan-Bestellungen musste ich aufgrund meiner desolaten Finanzlage inzwischen mit geliehenem Geld begleichen. Mein Antrag auf Kostenübernahme durch die Berufsgenossenschaft wurde klagefähig abgelehnt, wohingegen eine Übernahme der Kosten für eine Dronabinol-Therapie vorliegt.
Dronabinol allein wirkt aber nicht ausreichend.

Aufgrund der erwähnten gesundheitlichen und finanziellen Schwierigkeiten habe ich weder die Möglichkeit noch Kraft gegen Ablehnung der Kostenübernahme zu klagen.

2009 erfolgte mein aus gesundheitlichen Gründen bedingter Umzug von Dresden nach Jena. In Dresden hatte ich Angst um mein Leben, da mir am Heimort – den erteilten Anweisungen des Leiters der Schmerzambulanz der Uni-Klinik auf sofortige Notversorgung zum Trotz – medizinische Hilfe mehrfach verweigert worden ist.

Vor geraumer Zeit – vor der BfArM-Erlaubniserteilung – erfolgte gegen mich wegen Anbau und Besitz von Cannabis eine Hausdurchsuchung und eine Anklage.

Momentaner Stand des Verfahrens ist eine Verurteilung zu 6.300 € Geldstrafe, gegen die ich Berufung eingelegt habe. Hierbei schlagen auch Anwaltskosten und Kosten für Laboruntersuchungen hinsichtlich des beschlagnahmten Asservates (unter Einbeziehung des Wertes der sonstigen beschlagnahmten Gegenstände) mit bisher rund 13.000 € zu Buche.

Die Staatsanwaltschaft hat ebefalls Berufung gegen das erstinstanzliche Urteil eingelegt. Man argumentiert, die Strafe sei zu gering. Ein übergeordneter, medizinisch gerechtfertigter Notstand sei nicht erkennbar.

Und das, obwohl zum Zeitpunkt des Urteils, die Genehmigung des BfArMs den vorherigen Notstand quasi belegte. Bislang steht der nächste Verhandlungstermin in dieser Sache noch aus.

Durch die immens hohen Kosten für importiertes Cannabis der Firma Bedrocan, für meinen Anwalt, für Aus- und Umzug so wie für Wohnungsrenovierung bin ich bereits hoch verschuldet.Mit meinen Kindern musste ich bereits den Verkauf unseres gemeinsamen kleinen Hauses besprechen. Es wird vermutlich kein Weg vorbei am Hausverkauf aus gesundheitlichen Gründen und aus Gründen der Strafverfolgung führen.

Nach insgesamt mehr als 12 Jahren Dauer der Einahme legal verschriebener Beruhigungs-, Betäubungs- und Narkosemittel (z.B. Opiate, Morphine, L.-Polamidon, S.-Ketanest etc.) haben die genannten Mittel zwischenzeitlich jegliche positive Wirkung verloren, d.h. ich gelte in schmerzmedizinischer Hinsicht als „austherapiert“.

Durch diesen Umstand und durch die unerträglichen Nebenwirkungen befinde ich mich aktuell in einer freiwilligen Entzugsphase jeglicher Betäubungsmittel. Diesen Entzug erfolgreich zu beenden benötigt einen sehr starken Überlebenswillen für eine lange qualvolle, u.a. auch schlaflose Zeit. Sollte ein Patient, wie ich, doch länger leben, als die positive Wirkung der Medikamente anhält, erwartet ihn für eine lange Zeit die Hölle auf Erden.
Die ärztlich begleitete Therapie mit natürlichem Cannabis lindert indes zeitnah meine vielen Beschwerden und hat positiven Einfluss auf meinen desolaten Gesamtzustand.

Wie aber kann und soll es für mich weitergehen, wenn meinen finanziellen Mittel erschöpft sind und auch die Strafjustiz angesichts der noch immer unklaren rechtlichen Situation von cannabisnutzenden Patienten auf ein finanzielles Abstrafen meines Überlebenswillens abzielt?

Ich wäre dankbar, wenn Sie mir und anderen Patienten, die in vergleichbaren Situationen stecken, einen Ratschlag oder einen Tipp geben könnten, wie diesbezüglich eine Lösung der Problematik herbeigeführt werden könnte. Ist aus Ihrer Sicht der genehmigte Selbstanbau von Cannabis für Patienten ein denkbarer Weg?

Mit freundlichen Grüßen
Uwe Ciecior

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27
Aug
2010

Über das regierungsamtliche Cannabis-Märchen


Etwa Mitte August 2010:

Einige deutsche Zeitungen – darunter die Süddeutsche – verkünden die vermeintlich überraschende Nachricht der Koalition, Cannabis werde als Medikament zugelassen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/cannabis-medikamente-drogen-auf-rezept-1.988986

Indes suggerierten diese Presse-Artikel den interessierten Lesern die humane Botschaft, dies sei ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung von Schwerstkranken.

Ein Meilenstein in der deutschen Gesundheitspolitik schien passiert, endlich sollen Patienten den Wirkstoff zugebilligt bekommen, der ihnen nachweislich hilft, ihr immenses Leid besser zu ertragen.

Den gleichen Wirkstoff nämlich, dem beinahe ein Jahrhundert lang die Absprache jeglicher medizinischer Wirksamkeit sowie die diffamierende Reduzierung zur bloßen Rauschdroge zum Verhängnis wurde.

Also endlich eine positive Nachricht zur ansonsten so sehr schwächelnden Gesundheitspolitik…?

Mitnichten, denn bereits im August 2007 war u.a. im STERN zu lesen, dass es nun möglich sei, Cannabis aus der Apotheke zu beziehen. Einer an Multiple Sklerose erkrankten Frau aus Baden-Württemberg sei eine entsprechende Genehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilt worden. Die Patientin erhalte einen aus Cannabis erzeugten Extrakt.

http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/multiple-sklerose-patientin-cannabis-aus-der-apotheke-595792.html

Inzwischen aber dürfte allen intensiv mit dem Sachthema befassten Personen klar sein, dass diese vermeintliche "Ringeltäubchen-Nachricht" aus FDP/CDU/CSU-Regierungskreisen nichts weiter ist als eine bleierne Ente.

Ein Etikettenschwindel.

Manche selbst von schwerer Krankheit Betroffene, die sich weiterhin illegal und von Strafverfolgung bedroht mit pflanzlichen Cannabis-Varietäten behandeln müssen, sprechen sogar von "schön geredeten Lügen".

Westerwelle (FDP) interessiert das Wahlvieh nicht.Von "Stimmenfang auf Kosten von Todkranken" und von "Hintertür-Öffnung mit Hofknicks für den Einstieg der pharmazeutischen-Industrie in ein lukratives Geschäft" zu Lasten des Steuerzahlers, und auf Kosten von Menschenleben …

Ironie der Geschichte: Erst zwei Jahre zuvor – angesichts einer drohenden Kostenexplosion – hatte der Sprecher der GKV anlässlich der Experten-Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags im Oktober 2008 noch gewarnt, als er ein rabenschwarzes Szenario drohender Milliarden-Kosten für die Kassen entwarf, "weil künftig jede Person mit einfachen Kopfschmerzen zu Cannabis greifen werde…" Woraufhin gegen die Empfehlung der 14 übrigen anwesenden Experten der Antrag auf eine Zulassung von Cannabis als Arzneimittel durch den Gesundheitsausschuss abgelehnt wurde.

"Nunmehr also möge der Bundestag beschließen – so die Empfehlung der Koalition – dass einem Teil der in Deutschland an Multipler Sklerose erkrankten Menschen – nämlich denjenigen, denen das Mittel nach Erprobung tatsächlich hilft – SATIVEX zuteil werde."

Gemeint ist ein Fertigarzneimittel aus dem Hause GW-Pharmaceuticals, das aufwändig und per patentiertem Geheimverfahren aus Hanf gewonnen wird und das im direkten Vergleich mit dem pflanzlichen Naturprodukt Cannabis Sativa nicht gerade als billig zu bezeichnen ist.

Die einzige Indikation des Präparats dürfte den profitierenden Patientenkreis drastisch einengen – sie lautet nämlich "Spastik" bei Multipler Sklerose. Ähnlich gelagert ist die Situation mit dem synthetisch hergestellten Dronabinol.

 

Womit aber soll den unzähligen an Krebs, HIV, Tourette, ALS, Hepatitis, Morbus Crohn, Morbus Bechterew, Alzheimer, chronischen Schmerz-Syndromen u.ä. erkrankten Menschen geholfen werden, die weltweit lebendiges Zeugnis davon ablegen, dass sie von natürlichem Cannabis aus Eigen- oder (staatlichem) Fremdanbau gesundheitlich gut – jedenfalls besser profitieren als von herkömmlichen, synthetischen Varianten?

Kriminalisierung von Schwerstkranken

 

Mit Nichts!

 

Das bedeutet eine fortwährende willkürliche Kriminalisierung und weiterhin drohende Strafverfolgung inklusive Führerscheinentzug.

 

Nichts außer der Einsicht auf Betroffenen-Seite, dass man gewisse Presseberichte gar nicht erst zu lesen braucht, um schon vorher enttäuscht festzustellen, dass auch diese Regierung insgesamt nicht wirklich besser ist als ihr in Cannabis-Gesundheitsbelangen bereits heftig lädierter Untätigkeits-Ruf.

 

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hat vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung eine Stellungnahme abgegeben, auf die das Selbsthilfenetzwerk an dieser Stelle aufmerksam machen möchte. Aufgegriffen wird darin auch die aktuelle Ablehnung eines Antrags auf Eigenanbau durch einen an MS schwer erkrankten Patienten aus Mannheim.

IACM-Logo

International Association for Cannabinoid Medicines (IACM)

Am Mildenweg 6

59602 Ruethen

Tel.: +49 (0)2952-9708572

Fax: +49 (0)2952-902651

Email: info@cannabis-med.org

 

 

Stellungnahme der ACM zum Referentenentwurf einer 25. Verordnung zur Änderung betäubungsmittel-rechtlicher Vorschriften (25. BtMÄndV)

 

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22
Jul
2009

YES WE(ED) CAN!

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Mit Spannung – aber trotz Krankheit auch mit einer gesunden Portion Skepsis – wird in Patientenkreisen aktuell der „frische Wind“ beim BfArM zur Kenntnis genommen, der sich in erster Linie durch die Arbeitsaufnahme einer neuen Sachbearbeiterin im sogenannten „Geschäftsbereich 82“ der Bundesopiumstelle abzeichnet.

Zuständig für Anträge auf eine Ausnahmegenehmigung nach § 3 BtMG zur Vergabe von Cannabis bzw. Cannabis-Extrakt zur ärztlich begleiteten Selbsttherapie ist seit einigen Monaten Frau Therese Unbehaun. Ersten Patientenberichten zufolge ist Frau Unbehaun aufgeschlossen, engagiert und hilfsbereit, liest sich mit Akribie durch die teils überaus umfangreichen Akten und scheut auch nicht vor Telefonanrufen bei Antragstellern zurück, denen (z.T. nach jahrelangem Warten) nun eine gute Nachricht in Form einer Genehmigung zur Verwendung von medizinischem Cannabis ins Haus steht.

In etwa zeitgleich hat sich das BfArM nach direkter Einflussnahme einiger Politiker dazu entschlossen, die bisher nahezu unzumutbar hohen Hürden für Ärzte bei der Unterstützung von betroffenen Kranken abzubauen. Das Antragsverfahren wird dahingehend erleichtert, dass die den therapeutischen Einsatz von Cannabis befürwortenden Ärzte künftig keine allumfassenden Darstellungen von Krankenberichten von der Art eines spezifizierten Gutachtens mehr erstellen müssen, sondern nur noch einen aussagekräftigen Arztbericht. Dieser Arztbericht muss enthalten:

1.1   Differenzierte Darstellung des Krankheitsbildes und der aktuell bestehenden Symptomatik (z.B. chronisches Schmerzsyndrom mit Darstellung der unterschiedlichen Schmerzkompo-nenten oder Multiple Sklerose mit therapieresistenter schmerzhafter Spastik.

1.2   Angabe der bisher durchgeführten medikamentösen Therapie mit Fertig- und/oder  Rezepturarzneimitteln zur Behandlung der Erkrankung bzw. Symptomatik (einschließlich Angaben zur Dosierung und Anwendungsdauer). Angaben dazu, aus welchem Grund eine  Therapie nicht weitergeführt wurde (z.B. nicht ausreichende/fehlende Wirksamkeit und/oder nicht zumutbare Nebenwirkungen).

1.3   Darstellung des sog. Compliance-Verhalten der Patientin / des Patienten, d.h. Angaben darüber, ob eine Bereitschaft zur Einhaltung von Therapieempfehlungen und Anweisungen des behandelnden Arztes in der Vergangenheit bestanden hat.

1.4   Eine Erklärung, dass zur Behandlung der Erkrankung bzw. der vorliegenden Symptomatik keine vergleichbar geeigneten Therapiealternativen vorliegen und/oder nicht zur Verfügung stehen (z.B. Vorlage einer Bescheinigung der Krankenversicherung, dass die Kosten für eine wirksame Therapie mit Dronabinol nicht übernommen wurden).

1.5   Vorlage einer patientenbezogenen Risiko-Nutzen-Einschätzung bezüglich der Anwendung von Cannabis.

2.   Angaben der betreuenden/begleitenden ärztlichen Person zur Dosierung des beantragten Betäubungsmittels unter Berücksichtigung des Gehaltes an Delta-9-Tetrahydro-cannabinol (Erklärungsvordruck Arzt – erhältlich über die Homepage des BfArM unter Bundesopiumstelle / Formulare).

3.   Eine Erklärung der verantwortlichen Person für die Einhaltung der betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften (Erklärungsvordruck für den Verantwortlichen – erhältlich über die Homepage des BfArM unter Bundesopiumstelle / Formulare).

4.   Eine lesbare beidseitige Kopie des Personalausweises der Patientin/des Patienten.

5.   Eine Erklärung der Antragstellerin/des Antragstellers, wie das Betäubungsmittel vor dem unberechtigten Zugriff Dritter geschützt werden soll.

Das SCM begrüßt die getroffenen Erleichterungen und weist überdies darauf hin, dass nach Bekunden von Frau Unbehaun auch der sog. „Vorstrafen-Passus“ – d.h. die frühere Klassifizierung von (kranken) Personen als „ungeeignet zur Teilnahme am Betäubungsmittel-Verkehr, „weil unzuverlässig aufgrund von Vorstrafen“, weggefallen ist.

Zudem findet der Zwang zur Anschaffung eines Tresors für die Aufbewahrung des Cannabis keine Anwendung mehr, sondern weicht nunmehr einer einfachen Erklärung des Antragstellers, wie das Medikament vor dem Zugriff unberechtigter Dritter geschützt werden soll.

Letztlich entfällt für Patienten auch die Pflicht, vor der Antragstellung auf eine ärztlich begleitete Therapie mit Cannabis versuchsweise das Medikament Dronabinol® bzw. den sog. „Cannabis-Extrakt“ einzunehmen. Offenbar wird mit dem Wegfall dieser Auflagen dem Umstand Rechnung getragen, dass eine Kostenerstattung der Krankenkassen für die genannten Mittel noch immer nur in seltenen Ausnahmefällen möglich ist.

Positiv vom BfArM beschiedenen Antragstellern, die bei Apothekenpreisen von 16 – 22 € pro Gramm Cannabis vor ähnlichen Finanzierungsschwierigkeiten stehen wie bei Dronabinol® und Cannabis-Extrakt muss an dieser Stelle das Beschreiten des Rechtsweges vor dem Sozialgericht angeraten werden. Preise für ein Leiden-minimierendes und Lebensqualität-verbesserndes Mittel im Range einer (natürlich vorkommenden) Arznei, die doppelt bis dreifach höher sind als im illegalen Schwarzhandel, sollten nicht unwidersprochen hingenommen werden.

Das SCM bedankt sich bei allen Beteiligten für die Unterstützung, die zu den o.g. Erleichterungen geführt hat und hofft – auch mit dem BfArM – auf weitere konstruktive Zusammenarbeit.

Axel Junker

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19
Feb
2009

Cannabis FAQ

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Über Cannabis kursieren leider sehr viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Dies liegt vor allem an der Einstufung von Cannabis in die Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes, wodurch sein Status dem von harten Drogen wie Heroin gleichgesetzt wird.

Die Folge ist nicht nur ein hohes strafrechtliches Risiko für einen Konsumenten – egal ob zu medizinischen Zwecken oder nicht – es ist dadurch auch außerordentlich schwierig geworden, wissenschaftliche Forschung zum Thema zu betreiben, die mit langwierigen und teuren Genehmigungsverfahren und extremen Auflagen verbunden ist.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Cannabis liegen daher nur relativ spärlich vor. Nichts desto trotz verbreiten immer wieder "Experten" Statements über die Gefährlichkeit von Cannabis, obwohl auch sie aufgrund der rechtlichen Lage über kein fundierteres Wissen verfügen können.

Viele der immer wieder gleichen in den Medien aktiven "Experten" sind im Umfeld der Suchtprävention und -Therapie tätig, und verfügen somit über einschlägige Erfahrung. Gleichzeitig entsteht daraus aber auch ein Interessenskonflikt: ohne das Bild einer hochgefährlichen Droge entfällt auch die Grundlage für den wirtschaftlichen Aspekt der eigenen Tätigkeit.

 

Diese FAQ spiegelt die Erfahrung von Cannabis-Anwendern wieder, und geht auf die gängigsten Gerüchte über Cannabis ein, in der Hoffnung, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

"Alle Drogen sind schlimm und gehören verboten"

Abgesehen davon, dass selbst Kaffee und Tee zur Gruppe der Drogen zu zählen sind, handelt es sich bei Substanzen wie Alkohol, Cannabinoiden, Opioiden, Amphetaminen um völlig verschiedene Substanzen mit völlig unterschiedlichen Wirkungen, Suchtpotentialen, Gefahren etc.

Es entbehrt jeder Logik, all diese Substanzen über einen Kamm scheren zu wollen, zumal die beiden schlimmsten, und dabei sogar legalen Drogen Alkohol und Nikotin alleine in Deutschland jährlich 140.000 (Einhundertvierzigtausend!) Todesopfer fordern.

Alle illegalen Drogen zusammen verursachen jährlich ca. 1.500 Tote. Bei dieser Relation sollte sich für jeden mündigen Bürger die Frage stellen, ob der "War on Drugs" wirklich sachdienlich ist, oder ob er längst sein Ziel verfehlt hat.

"Cannabis ist heute viel gefährlicher als früher, weil heutige Sorten auf einen extrem hohen Wirkstoffgehalt hochgezüchtet wurden"

Durch optimale Anbaumethoden und geeignete Sorten ist heute ein höherer THC-Gehalt erreichbar als früher. Beim kursierenden Wert von 20% handelt es sich jedoch um ein utopisches Extrem. Realistisch sind 5-10%. Und natürlich: je höher der Wirkstoffgehalt, desto höher auch der Preis, zu dem das entsprechende Gras gehandelt wird.

Die Medien vergleichen früheres und heutiges Cannabis gelegentlich mit Bier und Schnaps, doch dieser Vergleich hinkt: während Bier aufgrund der Flüssigkeitsmenge nur langsam aufgenommen werden kann, besitzt der Wirkstoffgehalt von Cannabis für die Intensität des Rausches aufgrund der geringen benötigten Menge praktisch keine Relevanz. Es ist völlig egal, ob einem Joint 100mg zehnprozentiges, oder 250mg vierprozentiges Cannabis beigemengt wird.

"Cannabisrauch ist wesentlich schädlicher ist als Tabakrauch"

Cannabisrauch soll der Meinung mancher "Experten" 5 mal schädlicher als Tabakrauch sein. Unterschlagen wird dabei, dass ein Konsument – Extremfälle mal außen vor – aber wesentlich mehr Zigaretten als Joints pro Tag rauchen.

Organische Substanzen setzt bei ihrer Verbrennung schädliche Rauchgase frei – Cannabis ist da keine Ausnahme. Nicht berücksichtigt wird aber, dass Cannabis nicht zwingend als Joint konsumiert werden muss.

Bei der oralen Aufnahme ("Haschkekse") oder der Inhalation mittels einem Vaporizer, bei dem keine Verbrennung stattfindet, entstehen keine schädigenden Rauchgase!

"Cannabis macht süchtig"

Alles, was das Belohnungszentrum unseres Gehirns aktiviert, kann eine Sucht erzeugen, darunter Leistungssport, Schokolade und Sex.

Relevant für die Beurteilung einer Sucht ist die Intensität der Entzugserscheinungen beim Absetzen. Diese sind bei Cannabis – selbst bei starkem Konsum – in der Regel sehr milde ausgeprägt, und bei weitem nicht vergleichbar wie bei einem Nikotin- oder gar Alkoholentzug, und äußern sich ggf. in Unruhe und Schlafstörungen über wenige Tage hinweg.

Man muss sich vor Augen führen, dass ein unkontrollierter bzw. unbehandelter Entzug bei harten Drogen wie Heroin durchaus tödlich verlaufen kann!

"Die Statistik spricht eindeutige Zahlen bzgl. Cannabisabhängigen!"

Gelegentlich hört man von "Cannabissüchtigen", die sich im Zuge eines Strafverfahrens "freiwillig" in Therapie begeben – vermeintlich, weil sie ihr "Suchtproblem" eingesehen hätten.

Tatsächlich ist diese "freiwillige" Therapie regelmäßig eine Mittel, um vor Gericht das Strafmaß zu senken, und so z.B. eine Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe umzuwandeln. Eine Therapie findet dabei nicht wirklich statt – doch die "Therapierten" tauchen als "Cannabissüchtige" in der Statistik auf, aus der wiederum eine angeblich reale Suchtgefahr abgeleitet wird.

Natürlich gibt es auch Konsumenten, die unter einem wirklichen Suchtproblem leiden. Dieses beruht aber in den seltensten Fällen auf Cannabis allein, meist liegt ein Mischkonsum mit wesentlich übleren legalen wie illegalen BTM vor. Aber auch diese Fälle sind gutes Futter für die Statistik der "Cannabissüchtigen".

"Cannabis ruft bei Jugendliche schwere Entwicklungsschäden hervor"

Unbestritten dürfte sein, dass Jugendliche, die den Tag mit der Tüte beginnen und abends mit der Tüte beenden, und zwischendrin vor allem kiffen, in ihrer geistigen Entwicklung stark beeinträchtigt sind.

Dies sollte nicht all zu sehr verwundern: wer über lange Zeit die Realität völlig ausblendet, wird keine reale Entwicklung durchleben. Dies gilt gleichermaßen für den massiven Missbrauch aller Drogen (darunter Alkohol), und ist keine spezielle, schädigende Wirkung von Cannabis/THC an sich.

"Cannabiskonsumenten können an einer Überdosis sterben"

Es ist nahezu unmöglich, an einer Überdosis THC zu versterben, da die dazu nötige Menge nicht konsumierbar ist.

Indirekte Todesfälle sind allenfalls im Zusammenhang mit dem Vorliegen bestimmter Krankheiten denkbar (da Cannabis den Kreislauf belasten kann z.B. wenn der Konsument unter Herzproblemen leidet), wobei der eindeutige Nachweis des Zusammenhangs schwer zu erbringen ist.

Die Zahl der Todesopfer bezogen auf die jeweilige Droge kann im jährlichen Drogen- und Suchtbericht des Bunderministeriums für Gesundheit nachgelesen werden. Es gibt tatsächlich keine "Cannabistoten". 

"Cannabiskonsumenten verblöden mit der Zeit"

Tatsächlich ist das Kurzzeitgedächtnis unter THC-Einfluss beeinträchtigt. Eine Beeinträchtigung darüber hinaus ist je nach Stärke und Häufigkeit der Konsums denkbar.

Leider entsprechen Studienergebnisse hierzu nicht selten dem Sollergebnis, mit dem die Studien beauftragt wurden, und so kommt es immer zu völlig verschiedenen Extrempositionen. Neutrale Studien gibt es kaum. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Bei gemäßigtem Konsum ist nach unserer Erfahrung keine gravierende Beeinträchtigung zu erwarten.

"Cannabis kann Psychosen auslösen"

Einige Experten behauten, Psychosen stünden in direkter Relation mit Cannabiskonsum. Hier müsste man, um eine seriöse Aussage machen zu können, zum einen Trennen, ob der Konsument bereits vor dem Konsum an einer latenten Psychose litt, und Cannabis eine bestehende Psychose nur zum Vorschein brachte, oder ob es wirklich die Ursache darstellt.

Weiter wäre zu untersuchen, ob Menschen mit bestimmten psychischen Störungen einfach häufiger zu Betäubungsmitteln greifen. Alle Fälle würden das selbe statistische Endergebnis zur Folge haben, die Interpretationen wären jedoch völlig unterschiedlich.

Leider sind gezielte, aussagefähige Studien aufgrund betäubungsmittelrechtlicher Auflagen nur sehr schwer durchführbar und extrem teuer. Solange selbst wissenschaftliche Forschung durch geltendes Gesetz verhindert wird, sind seriöse Aussagen hierzu kaum zu erbringen.

"Cannabis wird doch längst rechtlich toleriert"

Dies ist leider ein Irrglaube. Es existiert für Cannabis lediglich der Begriff der "geringen Menge", die von Bundesland zu Bundesland verschieden hoch ist, und im unteren Grammbereich liegt. Besitzt ein Konsument weniger als diese "geringe Menge", kann ein Verfahren gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft eingestellt werden.

Patienten benötigen jedoch i.d.R. größere Mengen als die "geringe Menge", weil sie zum einen krankheitsbedingt keine Möglichkeit haben, ständig einen Dealer aufzusuchen, geschweige denn mit solchen Personen überhaupt den Umgang pflegen wollen, und zum anderen, weil es durchaus sinnvoll ist, eine größere Menge Cannabis mit bekannten Eigenschaften vorrätig zu halten, so dass eine konstante Dosierbarkeit gewährleistet ist.

Bereits der Anbau einer einzigen Cannabispflanze führt i.d.R. bereits zur Überschreitung der geringen Menge. Der Besitzt von mehr als 7,5g THC (ca. 75-200g Cannabis) gilt strafrechtlich als Verbrechen, und stellt den Patienten damit auf die gleiche Stufe mit Mördern, Vergewaltigern und Kinderschändern.

"Cannabis ist eine gefährliche Einstiegsdroge"

Der Unterschied der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Drogen scheint auf dem rechtlichen Status der Substanzen zu beruhen: während Alkohol und Nikotin legalen Status genießen, und z.B. Alkoholkonsum zu bestimmten Anlässen zum guten Ton gehört, und als völlig normal und harmlos angesehen wird, wird Cannabis aufgrund seiner Illegalität mit Risiken und Gefahren assoziert. Wie irrational diese Wahrnehmung ist, belegen die 140.000 Todesopfer (Stand 2008) legaler Drogen pro Jahr!

Und dabei ist nicht Cannabis, sondern sind Alkohol und Nikotin wahrhaft gefährliche Einstiegsdrogen, die im Gegensatz zu Cannabis stark suchterzeugende und toxische Eigenschaften aufweisen, jedoch wesentlich einfacher beschaffbar sind, und gerade von Jugendlichen exzessiv und vielfach unkontrolliert konsumiert werden.

Leider hält sich die Theorie von der "Einstiegsdroge Cannabis" hartnäckig in den Köpfen verankert, und unterstellt, dass der Konsum von Cannabis zwangsläufig zum Konsum harter Drogen führen müsse. Angesichts der hohen Verbreitung von Cannabiskonsum in Deutschland müsste es in der Folge dieser Annahme viele Millionen Abhängige harter Drogen geben.

Dies bestätigt von offizieller Seite übrigens auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)!

"Cannabis macht impotent"

Cannabis wurden seit Mitte des letzen Jahrhunderts diverse negative Eigenschaften angedichtet: einmal machte Cannabis lethargisch, ein anderes Mal aggressiv. Einst wollte man männliche „Cannabissüchtige am irren Blick und an den Spermaflecken auf der Hose erkennen“ können, dann wiederum gab Harry J. Anslinger, der Urheber der Cannabisprohibiton, Cannabis die Schuld daran, dass weiße Frauen von Schwarzen, Mexikanern und männlichen Vertretern anderen Minderheiten vergewaltigt würden.

In der schier endlosen Reihe von Widersprüchen ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich darunter auch die Aussage findet, Cannabis mache impotent. Doch auch diese gehört – wie die Behauptung, onanieren schädige das Rückenmark – zu den Ammenmärchen, die verängstigen statt aufklären sollen, und jeglicher sachlichen Grundlage entbehren.

"Pflanzliches Cannabis ist für medizinische Zwecke nicht ausreichend genau dosierbar"

Der THC-Gehalt von Cannabis-Blütenständen variiert je nach Sorte und Anbaubedingungen typischerweise zwischen 5 und 10%. Da die medizinisch wirksame Dosis sehr vom Patienten, der Art der Erkrankung und dem momentanen Gesundheitszustand abhängt, gibt es auch bei standardisierten THC-Präparaten keine Dosieranweisungen, auf die ein Arzt zurückgreifen könnte.

Die Behandlung beginnt stets mit einer geringen Dosis, die schrittweise gesteigert wird, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. Die optimale Dosis ist auf diese Weise in der Regel innerhalb weniger Tage gefunden – unabhängig davon, ob der Wirkstoffgehalt zuvor bekannt war.

 

M.E.

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4
Nov
2008

Deutschland im September

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EINIG IGNORANZ UNRECHT UNFREIHEIT

Im September 2006 erstattet der heute 55jährige Axel Junker aus Westerland bei der Polizei eine Selbstanzeige wegen des Anbaus von Cannabis aus medizinischen Gründen. Junker leidet seit 28 Jahren u. a. an einer Hepatitis C-Virusinfektion und Schmerzzuständen nach einer Bandscheiben – OP. Er kuriert sich seit 10 Jahren unter ärztlicher Aufsicht erfolgreich mit Cannabis, konnte seinen sonstigen Medikamentengebrauch seither drastisch senken und ist noch immer berufstätig. Erfolg seiner Selbstanzeige: Hausdurchsuchung, Beschlagnahme von 8 Cannabispflanzen, erstinstanzliche Verurteilung zu einem Jahr Haft ohne Bewährung. Für juristische und verwaltungsrechtliche Auseinadersetzungen hat er bisher allein 8000 € an Kosten für Rechtsanwälte aufwenden müssen. Das Urteil in der Sache ist noch immer nicht rechtskräftig. Es steht zu befürchten, dass Junker wegen seiner tiefen Überzeugung und Erfahrung, dass Cannabis medizinisch in der Tat überaus hilfreich wirkt, nicht nur in Haft genommen wird, sondern nach verbüßter Strafe weiterhin um die lebensqualitätsnotwendige Anerkennung seiner medizinischen Indikation wird kämpfen und zahlen müssen.

Im September 2007 sitzt der schwer an Morbus Crohn und Morbus Bechterew erkrankte Volker Krug aus Würzburg noch immer in bayrischer Untersuchungshaft, nachdem er zuvor beim Import von Cannabis zu medizinischen Zwecken erwischt worden war. In Haft wird Krug nicht nur depressiv, sondern verliert auch rapide an Gewicht und erleidet durch falsche ärztliche Betreuung ein kaum vorstellbares Martyrium. Nach schriftlicher Intervention einiger Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft – (ACM)  so wie des Selbsthilfenetzwerkes Cannabis als Medizin (SCM) bei Gericht und Staatsanwaltschaft wird er entlassen, kurze Zeit später jedoch zu zwei Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Gerichtlich ergeht an ihn die quasi unerfüllbare Auflage, Dronabinol® – statt Cannabis einzunehmen. Obgleich er finanziell dazu nicht in der Lage ist, das Medikament dauerhaft zu bezahlen, muss er in sog. „Screenings“ gegenüber dem Gericht seine Naturcannabis-Abstinenz nachweisen, um nicht für Jahre in Haft genommen zu werden. Erfolg der Kriminalisierung: Der Kontakt zwischen Mitpatienten und Krug reißt kurz nach Veröffentlichung hilfesuchender Spendenaufrufe ab. Sein Antrag auf eine nach § 3 BtmG mögliche Ausnahmegenehmigung wird bereits lange vor Inhaftnahme u. a. deshalb abgelehnt, weil er zuvor laut ärztlicher Stellungnahme Cannabis „missbräuchlich“ verwendet habe. Krug äußert daraufhin die Befürchtung, ins gesundheitliche Exil im Ausland gehen zu müssen, um überleben zu können. 

Im September 2008 richtet die 70jährige Ingrid Sander aus Erfurt einen sog. Offenen Brief an die gesundheitspolitischen Sprecher aller im Bundestag vertretenen Parteien. Sie beklagt die noch stets anhaltende Situation, wie zynisch und menschenverachtend die deutsche Politik mit cannabisbedürftigen Schmerzpatienten umgeht. Frau Sander leidet infolge einer lange schon bestehenden Kinderlähmung unter schweren Polyneuropathien und Gehbehinderungen. Von ihrer geringen Rente schafft sie es notdürftig ein wenig Geld für Cannabis abzuzweigen, um einige wenige Tage im Monat annähernd schmerzfrei – und dadurch leidlich mobil zu leben. Das für sie so kostbare Mittel verbackt sie in Kekse und setzt diese ihrer schweren Krankheit entsprechend verantwortungsvoll, sparsam und im streng medizinischen Sinne – ohne jegliche Absicht einer möglichen Erzeugung psychoaktiver Nebenwirkungen –  ein. Ohne ärztliches Rezept, ohne vorliegende Arzneimittel-Gebrauchsanweisung und ohne Rücksicht auf die von CDU/CSU und SPD geäußerten Bedenken, “eine Liberalisierung von Cannabisprodukten zu medizinischen Zwecken könne einen signifikanten Anstieg von Cannabis-Missbrauch unter Jugendlichen nach sich ziehen.“ Erfolg des Sander-Schreibens: Bis dato nicht eine einzige Antwort von sämtlichen angeschriebenen Volksvertretern.

Im November 08 – drei Wochen nach der Anhörung des Gesundheitsausschusses beim Bundestag zur Cannabis als Medizin-Debatte, in dessen Verlauf sich 15 Experten und Interessenverbände für – und lediglich die Gesetzlichen Krankenversicherer gegen die Forderungen nach erleichterten Möglichkeiten zur medizinischen Cannabis/Dronabinol-Vergabe ausgesprochen haben – stehen Sander, Junker, eventuell Krug und Hunderttausende anderer ungenannter, chronisch Kranker noch immer machtlos, rechtlos, hilflos da:

Abhängig von aufgezwungen illegalem Verhalten zu Schmerzfreiheits-/Überlebenszwecken.

Willkürlich gegängelt vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, welches  nach Belieben und freiem Ermessen Fristen in der Antragsbearbeitung überschreitet und wissentlich mit nahezu jeder Antragsablehnung auf Cannabisversorgung Grundrechte bricht.

Bedroht von sozialschädlichen Verfolgungen und Inhaftierungen.

Schmählich im Stich gelassen von äußerst träge reagierender Justiz und Politik, die seit zehn Jahren bestehende Gesetze von Verfassungsrang offensichtlich nicht auf cannabisbedürftige Patientengruppierungen angewendet wissen wollen.

Einigkeit von Ignoranz in punkto Recht auf körperliche Unversehrtheit und Freiheit der Therapiewahl, aber für die Betroffenen noch immer nicht Einigkeit und Recht und Freiheit.

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