26
Mrz
2007

SCM: Wir sind doch nicht verantwortlich für staatliches Versagen

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Antwort auf die Briefe des BfArM an SCM und Irene     

sehr geehrter Dr. Schinkel

Ihre Hinweise auf nichtvorhandene "Regelungskonzepte (für die) Erteilung von Ausnahmegenehmigungen zu therapeutischen Zwecken" weisen wir zurück.

Wie das Bundesverwaltungsgericht in seinem Urteil schon ausführte, nennt "§5 Abs. 1 Nr. 6 die notwendige medizinische der Bevölkerung neben der Verhinderung des Betäubungsmittelsmissbrauchs als Gesetzeszweck" Und dass "insbesondere bei Cannabis in Betracht kommt, etwa den Anbau zu gestatten"

Es liegt in Ihrer Verantwortung als Vertreter der zusändigen obersten Bundesbehörde dieses Ziel umzusetzen und den betroffenen Patienten eine verständliche und realisierbare Vorlage in die Hand zu geben, aus der schon vor Antragstellung prüfbar ist, unter welchen Voraussetzungen eine Genehmigung erteilt wird.

Schwerkranke Patienten – die z.T. selbst im Alltag auf fremde Hilfe angewiesen sind – mit immer neuen Forderungen von Pontius zu Pilatus zu schicken und dabei offen zu lassen, ob Sie überhaupt gedenken, Genehmigungen zu erteilen, ist menschenverachtend.

Was Ihre Hinweise auf die Sicherheit und Kontrolle des Betäubungsmittelsverkehrs betrifft, öchte ich noch einmal unsere Position klarstellen, dass die Antragsteller sich NICHT am Betäubungsmittelverkehr beteiligen wollen, sondern ausschließlich Cannabis für die eigene medizinische Anwendung anbauen wollen. Das Bundesverwaltungsgericht sieht das wohl ähnlich, indem es darauf hinweist, dass "§ 3 Abs. 2 BtMG auf eine partielle dieses Umgangs zielt" oder mit anderen Worten: das Regelungswerk für den Umgang mit verbotenen Betäubungsmitteln, greift gar nicht, da Cannabis für diese Patienten dann legal wäre.

Es ist nicht das BVerwG, das die Hürden für Patienten hochlegt, sondern Sie.
Das Bundesverwaltungsgericht setzt die Grenze "wenn dem Betroffenen zur Behandlung seiner (kein) gleich wirksames zugelassenes zur Verfügung steht" und führt aus "nur der Nachweis der mangelnden therapeutischen Wirksamkeit steht der Erteilung der zwingend entgegen."
Es führt weiterhin aus, der "mögliche Nutzen….kann gerade bei schweren Erkrankungen, wie sie hier in Rede stehen, auch in einer Verbesserung des subjektiven Befindens liegen… Bei schweren Erkrankungen ohne Aussicht auf Heilung gebietet es in diesem Rahmen die von Art. 2 Abs. 2 2 Satz 1GG geforderte Achtung vor der körperlichen Unversehrtheit, die Möglichkeit einer Erlaubnis nach § 3 Abs 2 BtMG nur dann auszuschließen, wenn ein therapeutischer Nutzen KEINESFALLS eintreten kann"

Den SCM-Antrag auf gemeinsamen Anbau werden wir konkretisieren, sobald klar ist, wie viele Patienten eine Genehmigung bekommen haben und nicht in der Lage sind, den Anbau alleine zu bewerkstelligen. Da es uns um die Selbstversorgung geht, ist das vorher logischerweise nicht möglich.

Hochachtungsvoll
Gabriele Gebhardt

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1
Jan
2007

Besuch bei Bedrocan – Bilder aus Holland

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Als erste Aktivität nach unserer Gründung haben am 16. Dezember 8 SCM-Mitglieder und 2 Begleitpersonen,
sowie der holländische -Patient, der vor kurzem wegen Eigenanbau freigesprochen wurde, die Firma Bedrocan besucht. Bedrocan baut für das Büro für mediz. beim holländ. Gesundheitsministerium den medizinischen Hanf an, den Patienten in holländischen Apotheken beziehen können.

Mich hatten an dem Besuch vor allem 2 Fragen interessiert. Was wir für den gemeinsamen Anbau, den wir als SCM planen, von diesem professionellen Projekt lernen können und ob vielleicht auf Unterstützung von Seiten Bedrocans hoffen können?
Und ob der Import von mediz. Cannabis, das von Bedrocan hergestellt wird, eine mögliche Alternative oder zusätzliche Option ist?

Schon im Vorfeld des Besuchs war ich sehr postiv davon überrascht, dass Kathrin Höner-Snoeken, eine Mitarbeiterin des Office of Medizinal Cannabis beim holländ. Gesundheitsministerium ebenfalls ihr Kommen angekündigt hat, um uns umfassend zu unterrichten. Würden Mitarbeiter/innen des deutschen Gesundheitsministeriums Patienten ebenso ernst nehmen, wären wir sicher schon ein gutes Stück weiter.

Der Empfang durch das 3-köpfige Bedrocan-Team und Kathrin Höner-Snoeken war sehr herzlich und außer uns mit selbstgebackenen Kuchen zu bewirten, haben sie sich alle Zeit genommen, die wir brauchten.

Über spezielle Informationen zum Anbau werden hoffentlich noch andere berichten. Mich hat da vor allem eins beeindruckt. Dass sie es schaffen, fast allein durch Hygiene die Pflanzen ungezieferfrei zu halten.
Überrascht hat mich, dass die Anlage bei weitem nicht ausgelastet ist.
Von stahlarmierten Backsteinwänden und Tresoren, wie das Bundesinstitut f- und Medizinprodukten von Patienten fordert, war dort nichts zusehen. Trotzdem machte die fensterlose Anlage einen sicheren Eindruck und es gab bisher auch noch nie einen Einbruchsversuch.
Die Anbauer haben ihre Fachkompetenz als Gärtner, Landschaftsbauer, Journalist, die sich in die Materie reingekniet haben, erworben und werden von ihrer Auftragsgeberin, dem Büro f. mediz. Cannabis begleitet. Jedoch nicht so, dass ein Pharmazeut quasie sein Nachtlager zwischen den Cannabispflanzen
aufschlägt, wie es die Formulare des vermuten lassen.
Kathrin Höner-Snöken, die Pharmazeutin ist, kommt bei jeder Ernte (Ernte ist alle 2 Monate) vorbei und überprüft per Augenschein die geernteten Blüten auf Ungezieferfreiheit,sauber geschnittene Blüten ohne jegliche Stengel und das Gewicht.
Anschließend kommen Proben ins Labor um festzustellen, ob THC-und -Gehalt den Forderungen entsprechen und werden bestrahlt um evtl. vorhandenen
Bakterien abzutöten.
Es werden auch andere Laborversuche gemacht, aber das hängt damit zusammen, das Bedrocan auch für Firmen produziert, die an der Entwicklung von Cannabis-Medikamenten arbeiten und neue Laborverfahren mitentwickelt,
um z.B. den CBD-Anteil zukünftig genauer bestimmen zu können. Also Dinge, die für uns ohne Belang sind.

Jede Pflanze ist durchnummeriert und ihr weiterer Werdegang wird dokumentiert. So ist problemlos garantiert, dass nachvollzogen werden kann, woran es liegt, wenn bestimmte Pflanzen vom Standard abweichen, als auch, dass nicht einfach was verschwindet.

Abfall und der Überschuß an Ernte, der dadurch entsteht, dass eine Reserve produziert werden muß, wird als Sondermüll in der Müllverbrennung entsorgt.
Einen Sack voll wunderschöner Blüten zu sehen, der demnächst diesen Weg antritt, war schon für alle ziemlich bitter.
Kathrin Höner hat uns mitgeteilt, dass das BfArM sich beim Office of medizinal Cannabis darüber informiert hat, wie die der Patienten in Holland geregelt ist. Sie hat das BfArM auch davon unterrichtet, dass sie sich mit uns trifft, wenn wir Bedrocan besichtigen. Es gab jedoch keine Absichtserklärungen oder gar Verhandlungen von Seiten des BfArM in Richtung der deutschen Patienten.
Bedrocan und das Cannabis-Büro wären aber an einer solchen Versorgung durchaus interessiert.
Eine Unterstützung des SCM beim Aufbau eines Zwecksbetriebs in Eigenregie z.B. in Form eines Praktikums eines Gärtners des SCM bei Bedrocan, können sie sich nicht vorstellen, da sie sehr viel reingesteckt haben ihr jetziges Knowhow zu entwickeln und selbst immer um ihre Weiterexistenz bangen müssen.
Die , das Mediz. Cannabis anzubauen, bekommt Bedrocan vom Gesundheitsministerium z.Z. immer nur für 1 Jahr. Wenn sie kostendeckend arbeiten, ist eine Verlängerung von 5 Jahren in Aussicht gestellt.
Da zu Beginn des Anbaus davon ausgegangen wurde, dass die holländ. Krankenkassen die Kosten für das mediz. Cannabis übernehmen, wurde die Anlage in ihrer Größe ursprünglich darauf ausgelegt, eine große Zahl an Patienten zu versorgen.
Da in der Realität die Kostenübernahme aber die Ausnahme ist, können nur relativ wenige Patienten sich das Cannabis aus der Apotheke leisten und kaufen weiterhin lieber im Coffeeshop.
Da Bedrocan nur soviel herstellen darf, wie vom Gesundheitsministerium bestellt wird, also in den Apotheken oder für wissenschaftl. Projekte gebraucht wird, sind Bedrocan die Hände gebunden, durch Mehrproduktion die Preise zu senken.
Dazu bedarf es einer politischen Entscheidung der Holländischen Regierung die Produktion zu erhöhen und noch besser, die Kostenübernahme durch die Kassen zu regeln.
Die Macher von Bedrocan gehen davon aus, dass sie bei einer Vollauslastung ihrer Anlage ihr Cannabis für 3 € an die Patienten abgeben könnten.
Ein erster Schritt in diese Richtung, den Abgabepreis für Patienten zu senken, ist die Hanfapotheke, die es seit kurzem in Groningen gibt.
Im Gegensatz zu den 5-Gramm-Endverbraucherdosen, die in die anderen Apotheken gehen, bezieht die Hanfapotheke das Cannabis in größeren Einheiten und gibt das Cannabis für 6€ ab.
Eine weitere Hoffnung von Bedrocan ist, durch Bestellungen aus dem Ausland die Produktion erhöhen und die Preise senken zu können. Bisher werden allerdings nur Krebspatienten in Italien im Rahmen eines wissenschaftl. Projekts sowie seit neuestem eine finnische Apotheke mit dem Bedrocan-Cannabis versorgt. Die kanadische Regierung hat allerdings auch Interesse angemeldet,da das Cannabis, das dort in einem Bergwerk angebaut wird, wohl keinerlei Standards aufweist.
Das Büro für mediz. Cannabis hat bereits einen Vertriebspartner in Deutschland,  das BfArM müßte die Einfuhr "nur" zulassen.
Der Preis würde sich allerdings unter den gegebenen Bedingungen nicht unter den 6€ der holl. Hanfapotheke bewegen.
Für Patienten, die sich z.Z. auf dem Schwarzmarkt versorgen, wäre das sicher eine Alternative. Vor allem eine gesunde, angesichts dessen, dass manche tatsächlich das mit Quarzsand versetzte Hollandgras rauchen.
Für Patienten, die hohe Dosen brauchen, von einer Minirente oder ALG2-Bezug leben, ist das m.E. aber keine Perspektive, weil unbezahlbar.

Was weder die Holländer noch wir sagen konnten, ist, wieviele Patienten es überhaupt gibt, die Cannabis brauchen.
Ich finde das sehr bedauerlich. Ich denke, je mehr Patienten beim Bundesinstitut f. Arzneimittel und Medizinprodukte einen Antrag auf stellen, desto größer ist unsere Chance, dass sich endlich was ändert.
Auch wenn wir als SCM einen Antrag auf einen gemeinsamen Anbau stellen,
können wir nur für diejenigen kalkulieren und planen, die Mitglied im SCM sind und einen Antrag gestellt haben.

also, nur Mut !
Gabi

Ablauf Anbau bei Bedrocan
Hallo,

hiermit möchte ich einen kleinen Überblick über Art und Weise, wie Bedrocan Cannabis anbaut, geben. Es wird fast ausschliesslich mit Stecklingen gearbeitet, die ursprüngliche Selektion ist samenbasiert. Es handelt sich bei den Stecklingen um normale cuttings (Stecklinge), und nicht um in-vitro Stecklinge (gen.clone).Diese stecklinge werden auf 4×4 Steinwollblöcken angebaut. Der ganze Anbau findet auf Steinwolle statt. Grund dafür sind die extrem hohen Ansprüche an Keimfreiheit, die Erde nicht erfüllen kann, noch wichtiger ist aber die genauere Steuerung von pflanzenahrungspezifischen Faktoren (EC Wert, pH Wert etc.) auf Hydro (Steinwolle) , die bei Bedrocan ein "muss" ist, um ein standardisiertes Produkt m.auf Dauer gleichbleibendem Wirkstoffgehalt und Profil zu erhalten. Dies scheint auf Erde -zumindest langfristig- nicht realisierbar.
Die Räume sind nach Wachstumphasen unterteilt, also Wachstumsraum mit Müttern und Stecklingen (jeder Steckling erhält beim Setzen ein Steckettikett, welches die Pflanze bis zur Trocknung begleitet, zwecks Nachverfolgung und Verifizierung).
Es müssen recht besondere , besser gesagt aussergewöhnliche Sorten sein, schon im Wachstumsraum zeigten die Stecklinge im frühen Wachstumsstadium starke Vorblüte. Die Stecklingsblöcke werden übrigens nach dem Durchwurzeln in Töpfe mit Steinwollflocken getopft, die Bewässerung im Wachstumsraum lief per Schlauch,geführt per Hand.In einem weiterem, noch unbestücktem Raum, lag ein PE- Bewässrungsystem mit Kapillarschläuchen.
im Blütenraum blühen die Pflanzen dann in ca. 2 Monaten ab.
Bedrocan arbeitet mit 600Watt Lampen , die sehr hoch hingen, dicht an dicht. Geruchstechnisch ist eindeutig ein Geruch nach Haze/Sativa zu vernehmen.
Nach der Blüte werden die Pflanzen unten am Stamm gecuttet und kopfüber aufgehängt, die Trocknung findet unter sehr speziellen und sterilen Bedingungen statt. Luftfeuchte max. 30% bei permanenten 16 grad Celsius. Auf diese Art wird den Pflanzen in ca. 7 Tagen ausreichend Feuchtigkeit entzogen, um zur Maniküre überzugehen. Diese findet ausschlielich per hand statt, Hygiene ist Wichtigkeitsgaktor Nr.1, nix wird ohne Handschuhe angefasst , z.B mussten auch alle Besucher einen Einwegoverall und Plastikschuhüberzüge anziehen. Pestizide und Fungizide oder andere Gifte finden keinerlei Anwendung. Die Zuluft wird vollständig durch Hepa/Upa Filter geleitet, welche eine sterile Zuluft garantieren, frei von Keimen und Sporen.Im Falle eines Schädlingsbefalls wird das Material / die Pflanzen vernichtet.
Nach dem Maniküren werden die sehr sauber manikürten Blüten in Grosspackungen aus Aluminium gepackt, die Abfüllung in die apothekenüblichen 5g Döschen findet in einem anderem Betrieb statt.

Carsten

Bilder: 

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