27
Aug
2010

Über das regierungsamtliche Cannabis-Märchen


Etwa Mitte August 2010:

Einige deutsche Zeitungen – darunter die Süddeutsche – verkünden die vermeintlich überraschende Nachricht der Koalition, Cannabis werde als Medikament zugelassen.

http://www.sueddeutsche.de/politik/cannabis-medikamente-drogen-auf-rezept-1.988986

Indes suggerierten diese Presse-Artikel den interessierten Lesern die humane Botschaft, dies sei ein bedeutender Fortschritt in der Behandlung von Schwerstkranken.

Ein Meilenstein in der deutschen Gesundheitspolitik schien passiert, endlich sollen Patienten den Wirkstoff zugebilligt bekommen, der ihnen nachweislich hilft, ihr immenses Leid besser zu ertragen.

Den gleichen Wirkstoff nämlich, dem beinahe ein Jahrhundert lang die Absprache jeglicher medizinischer Wirksamkeit sowie die diffamierende Reduzierung zur bloßen Rauschdroge zum Verhängnis wurde.

Also endlich eine positive Nachricht zur ansonsten so sehr schwächelnden Gesundheitspolitik…?

Mitnichten, denn bereits im August 2007 war u.a. im STERN zu lesen, dass es nun möglich sei, Cannabis aus der Apotheke zu beziehen. Einer an Multiple Sklerose erkrankten Frau aus Baden-Württemberg sei eine entsprechende Genehmigung vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) erteilt worden. Die Patientin erhalte einen aus Cannabis erzeugten Extrakt.

http://www.stern.de/gesundheit/gesundheitsnews/multiple-sklerose-patientin-cannabis-aus-der-apotheke-595792.html

Inzwischen aber dürfte allen intensiv mit dem Sachthema befassten Personen klar sein, dass diese vermeintliche "Ringeltäubchen-Nachricht" aus FDP/CDU/CSU-Regierungskreisen nichts weiter ist als eine bleierne Ente.

Ein Etikettenschwindel.

Manche selbst von schwerer Krankheit Betroffene, die sich weiterhin illegal und von Strafverfolgung bedroht mit pflanzlichen Cannabis-Varietäten behandeln müssen, sprechen sogar von "schön geredeten Lügen".

Westerwelle (FDP) interessiert das Wahlvieh nicht.Von "Stimmenfang auf Kosten von Todkranken" und von "Hintertür-Öffnung mit Hofknicks für den Einstieg der pharmazeutischen-Industrie in ein lukratives Geschäft" zu Lasten des Steuerzahlers, und auf Kosten von Menschenleben …

Ironie der Geschichte: Erst zwei Jahre zuvor – angesichts einer drohenden Kostenexplosion – hatte der Sprecher der GKV anlässlich der Experten-Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags im Oktober 2008 noch gewarnt, als er ein rabenschwarzes Szenario drohender Milliarden-Kosten für die Kassen entwarf, "weil künftig jede Person mit einfachen Kopfschmerzen zu Cannabis greifen werde…" Woraufhin gegen die Empfehlung der 14 übrigen anwesenden Experten der Antrag auf eine Zulassung von Cannabis als Arzneimittel durch den Gesundheitsausschuss abgelehnt wurde.

"Nunmehr also möge der Bundestag beschließen – so die Empfehlung der Koalition – dass einem Teil der in Deutschland an Multipler Sklerose erkrankten Menschen – nämlich denjenigen, denen das Mittel nach Erprobung tatsächlich hilft – SATIVEX zuteil werde."

Gemeint ist ein Fertigarzneimittel aus dem Hause GW-Pharmaceuticals, das aufwändig und per patentiertem Geheimverfahren aus Hanf gewonnen wird und das im direkten Vergleich mit dem pflanzlichen Naturprodukt Cannabis Sativa nicht gerade als billig zu bezeichnen ist.

Die einzige Indikation des Präparats dürfte den profitierenden Patientenkreis drastisch einengen – sie lautet nämlich "Spastik" bei Multipler Sklerose. Ähnlich gelagert ist die Situation mit dem synthetisch hergestellten Dronabinol.

 

Womit aber soll den unzähligen an Krebs, HIV, Tourette, ALS, Hepatitis, Morbus Crohn, Morbus Bechterew, Alzheimer, chronischen Schmerz-Syndromen u.ä. erkrankten Menschen geholfen werden, die weltweit lebendiges Zeugnis davon ablegen, dass sie von natürlichem Cannabis aus Eigen- oder (staatlichem) Fremdanbau gesundheitlich gut – jedenfalls besser profitieren als von herkömmlichen, synthetischen Varianten?

Kriminalisierung von Schwerstkranken

 

Mit Nichts!

 

Das bedeutet eine fortwährende willkürliche Kriminalisierung und weiterhin drohende Strafverfolgung inklusive Führerscheinentzug.

 

Nichts außer der Einsicht auf Betroffenen-Seite, dass man gewisse Presseberichte gar nicht erst zu lesen braucht, um schon vorher enttäuscht festzustellen, dass auch diese Regierung insgesamt nicht wirklich besser ist als ihr in Cannabis-Gesundheitsbelangen bereits heftig lädierter Untätigkeits-Ruf.

 

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin hat vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklung eine Stellungnahme abgegeben, auf die das Selbsthilfenetzwerk an dieser Stelle aufmerksam machen möchte. Aufgegriffen wird darin auch die aktuelle Ablehnung eines Antrags auf Eigenanbau durch einen an MS schwer erkrankten Patienten aus Mannheim.

IACM-Logo

International Association for Cannabinoid Medicines (IACM)

Am Mildenweg 6

59602 Ruethen

Tel.: +49 (0)2952-9708572

Fax: +49 (0)2952-902651

Email: info@cannabis-med.org

 

 

Stellungnahme der ACM zum Referentenentwurf einer 25. Verordnung zur Änderung betäubungsmittel-rechtlicher Vorschriften (25. BtMÄndV)

 

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18
Aug
2010

Polizisten gegen Patienten auf der Hanfparade


Berlin, 07.08.2010, HANFPARADE:

Eine kleine Gruppe entschlossen wirkender Ordnungshüter versucht beflissen, gegen einen kiffenden Demo-Teilnehmer vorzugehen – was an sich nichts Außergewöhnliches ist. Cannabis-Konsum an sich ist zwar nicht verboten, aber wer konsumiert muss auch Cannabis besitzen und dies ist „verboten“ (oder zumindest nicht explizit erlaubt) und stellt einen Straftatbestand dar.

 

Die Staatsgewalt muss daher eingreifen, um die möglichen Besitzverhältnisse am Konsumgut festzustellen und bedient sich dafür in aller Regel einer Personalien-Überprüfung und ggf. vorübergehenden Festnahme des auffälligen Konsumenten – auch wenn inzwischen immer mehr Beamte zur Überzeugung gelangen, dass gegen Falschparker vorzugehen eindeutig sinnvoller ist als harmlose Kiffer zu verfolgen.

Besonders erwähnenswert am genannten Vorfall jedoch ist, dass es sich bei dem zu überprüfenden Konsumenten um den am Tourette-Syndrom erkrankten Lars S. handelt, der in der Cannabis-Aufklärungs- und Aktivistenszene als "Dr. Hanf" bekannt ist.)

 

Lars verfügt seit etwa Ende 2009 über eine sog. „Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis nach § 3 Abs. 2 BtMG“ und gehört daher zu dem kleinen überschaubaren Patientenkreis von nur rund 40 Personen, die in Deutschland behördlich genehmigtes Cannabis zur Linderung ihrer Krankheit einsetzen dürfen. Überall. Natürlich auch auf einer Demonstration für die Legalisierung von Cannabis, auf der sich die Teilnehmer u.a. für die existenziellen Interessen von cannabisbedürftigen Kranken einsetzen.

Natürlich konnten die martialisch wirkenden Gesetzeshüter in Grün nicht von vornherein wissen, dass Lars S. ein „Genehmigter“ ist. Insofern sei die Frage gestattet, ob der massive Einsatz mehrerer Beamter zur Überprüfung einer einzelnen Person inmitten einer Demonstration eher dem Aspekt des Selbstschutzes oder einer etwaigen – vom brennenden Joint ausgehenden Gefahr – geschuldet sei.

 

 

Peinlich war der Einsatz dennoch. Geradezu beschämend und unverständlich. Und nicht zu vergessen: im Sinne des Steuerzahlers empörend unverhältnismäßig, berücksichtigt man das gnadenlose, erst kurz zurückliegende Debakel auf der Love-Parade in Duisburg…

 

Man stelle sich vor, fünf Schutzpolizisten würden aus einer mehrere hundert Personen zählenden Gruppe von Fußballfans auf dem Weg zum Stadion einen einzelnen Fan heraus greifen und dessen Personalien überprüfen, bloß weil dieser mehrfach an einer Bierdose genippt hat…

Dieses Video der Hanfparade zeigt die Aufregung der Polizeibeamten wegen einer Damiana-Zigarette (das Kraut gibt’s in jedem Kräuterladen legal zu kaufen): http://de.wikipedia.org/wiki/Damiana

 

 

Es muss endlich Schluss sein mit diesem baren Unsinn, mit diesem unverhältnismäßigen Sicherheitswahn! Kiffer sind in aller Regel harmlos. Es geht keine Gefahr von ihnen aus; selbst wenn sie der bestehenden Gesetzeslage zum Trotz ihr Spaß- oder Sportzigarettchen in aller Öffentlichkeit und unter freiem Himmel rauchen. Noch sehr viel harmloser sind aber Patienten, die an einer schweren Erkrankung leiden und (zumindest moralisch) das Recht haben, sich in jeder Situation ihres Medikamentes zu bedienen.

 

Anzumerken ist immerhin, dass sich besagte Polizisten nach kurzer Sichtung der Genehmigungspapiere ohne weitere Beanstandung still und zügig vom Ort des Geschehens entfernt haben. Sicher dürfte allerdings sein, dass bis zu diesem Zeitpunkt kein einziger der involvierten Polizisten jemals eine solche Genehmigungs-Urkunde gesehen hat und sich dennoch nachhaltig vom Urkundenstempel mit Bundesadler hat überzeugen lassen.

Leider ist nicht übermittelt, ob der Gruppen-Einsatzleiter sich der guten Ordnung halber bei Lars S. für die aufdringliche Unannehmlichkeit entschuldigt hat…

 

A. J.

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14
Okt
2009

Cannabis und die FDP

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Am 30.09. startete der Deutsch Hanfverband (DHV) einen Protestmailer, um die FDP aufzufordern, im Zuge der Koalitionsverhandlungen ein Ende der Strafverfolgung von Cannabiskonsumenten durchzusetzen.

Wir haben an der Aktion teilgenommen. Der Schriftverkehr daraus im Folgenden:

 

fdp-point@fdp.de schrieb:

Sehr geehrter Herr Einsle,

vielen Dank für Ihre Zuschrift. In Deutschland gibt es immer wieder Diskussionen um die Legalisierung von Cannabis. Die in der Öffentlichkeit oft geäußerte völlige Unbedenklichkeit des Hanfkonsums entspricht jedoch nicht den vorliegenden wissenschaftlichen Erkenntnissen. Experten warnen insbesondere, dass Cannabis immer stärker und immer giftiger wird und nicht mehr vergleichbar ist mit der Substanz der so genannten Hippie-Droge der 70er Jahre. Der THC–Gehalt ist im Laufe der Jahre stetig gestiegen. Beispielsweise weisen Experten auf die Gefahr von schizophrenen Psychosen hin. Der Konsum von Cannabisprodukten ist eng mit dem Jugend- bzw. jungen Erwachsenenalter verknüpft. Untersuchungen zeigen, dass fast jeder Zweite in der Altersgruppe der 18- bis 20jährigen Erfahrungen mit Hanf hat. Wenn auch der Großteil der Jugendlichen nur selten Cannabis raucht oder der Konsum später beendet wird, wächst die Zahl derjenigen, die exzessiv konsumieren. Gerade für Kinder und Jugendliche ist die Gefahr von lebenslangen gesundheitlichen Schäden hoch. Nach aktuellem Forschungsstand kann davon ausgegangen werden, dass etwa 10 bis 15 % aller Konsumenten und Konsumentinnen nach internationalen Diagnosestandards einen abhängigen Cannabiskonsum aufweisen. Cannabiskonsumenten rauchen zudem häufiger Zigaretten und haben eine durchschnittlich größere Affinität zum exzessiven Alkoholkonsum. Vor dem Hintergrund der wissenschaftlichen Erkenntnisse wird eine Legalisierung der so genannten weichen Drogen abgelehnt.

Allerdings hält die FDP den Weg, den Gelegenheitskonsumenten zu entkriminalisieren, für richtig. Es gilt angemessen und verhältnismäßig auf die Tatsache zu reagieren, dass das gelegentliche Rauchen eines Joints ein gesellschaftliches Phänomen ist, das nicht repressiv und mit aller Staatsmacht angegangen werden muss. Hier muss nach praktikablen Lösungen gesucht werden, die auch die Behörden und Gerichte so gering wie möglich belasten.

Die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Gefahren, die entstehen, sobald aus dem gelegentlichen Konsum ein Dauerkonsum wird und die Konsumenten keine Erwachsenen sondern Kinder sind, verlangen eine Intensivierung der Aufklärungsarbeit. Vor allem in Zeiten, in denen der Cannabiskonsum gerade bei Kindern und Jugendlichen besorgniserregend ansteigt. Daher setzt sich die FDP-Bundestagsfraktion dafür ein, dass zudem bereits bestehende Präventionsmaßnahmen – beispielsweise der BzgA – und weitere effektive suchtspezifische Hilfsangebote und zielgruppenspezifische Präventionsansätze ausgebaut werden.
 
Eine liberale Sucht- und Drogenpolitik setzt stärker auf Prävention als auf Repression. Das gilt auch für Cannabis.

Mit freundlichen Grüßen

Tonja Kuhn
FDP-Info-Point

FDP-Bundesgeschäftsstelle
Thomas-Dehler-Haus
FDP-Info-Point
Reinhardtstr. 14
10117 Berlin

Öffnungszeiten: Mo-Fr 8.00 – 20.00 Uhr

Tel. (030) 28 49 58 0
Fax (030) 28 49 58 22

fdp-point@fdp.de
www.fdp.de

P.S.: "Deutschland kann es besser. Stärken Sie uns, damit wir Sie stärken können: Mehr unter: mitmachen.fdp.de"

 

Sehr geehrte Frau Kuhn,

 

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30
Aug
2009

Erzeugt Onanieren Rückenmarksschäden?

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Diese ungewöhnliche und an längst vergangene Zeiten und Verirrungen medizinischer „Experten“ erinnernde Frage würden wir – die Patienten des Selbsthilfenetzwerks Cannabis als Medizin (SCM) – gerne Frau Vanessa von Blumenstein stellen, die den Artikel „Cannabis: Rauschgift auf Rezept?“ auf der Website der Apotheken-Rundschau verfasst hat.

Während der Artikel einigermaßen sachlich die medizinischen Anwendungsmöglichkeiten von Cannabinoiden schildert, ist Frau von Blumenstein leider nicht in der Lage, Fakten von längst widerlegten Mythen und Klischees zu trennen.

„Rauschgift auf Rezept“

Ein Gift, so weiß jedes Kind, tötet den, der es konsumiert. Doch gerade bei Cannabis handelt es sich um eine Substanz, die – im Gegensatz zu vielen konventionellen Medikamenten – nicht toxisch wirkt. Eine Überdosierung mit gesundheitsschädlichen Folgen ist bei verantwortungsbewusster Einnahme praktisch nicht möglich, darüber hinaus konnte eine Letaldosis von THC noch nie ermittelt werden.

Auch sollte es wenig verwunderlich sein, dass Betäubungsmittel, so der an dieser Stelle (vermisste) korrekte Ausdruck, ärztlich verordnet werden können. Hierzu gibt es das schon seit langem in Deutschland etablierte BTM-Rezept, mit Hilfe dessen jeder Arzt entsprechend eingestufte Substanzen verordnen kann. Dazu zählen u.a. die Gruppen der Opiate und Opioide. Wer aber, der sich nicht zu den ewig Gestrigen zählen möchte, würde ärztlich verordnete und von der Apotheke abgegebene Opioide heutzutage noch als „Rauschgift“ bezeichnen?

Dronabinol kann daher bereits seit 1998 auf Rezept verordnet werden kann. Man sollte vielmehr eruieren, weshalb es vielen Patienten noch immer so schwer gemacht wird, dieses äußerst wirksame Medikament zu erhalten – oder Fragen stellen, weshalb eine schwerstkranke Ute Köhler aus Thüringen bereits seit 8 Jahren um die Erstattung dieses Medikamentes ringen muss. Denn wie die Autorin richtig bemerkt, erstatten die gesetzlichen Krankenkassen – im Gegensatz zu einigen privaten Kassen – die Kosten für das Medikament (ca. 400€ für 500mg Wirkstoff) in den meisten Fällen nicht, was das hierzulande noch immer praktizierte Zwei-Klassen-Patienten-System offensichtlich macht. Für Versicherte der GKV bedeutet diese Situation immer noch die unzumutbare Wahl zwischen Illegalität und Schmerz.

„Die gefährliche Einstiegsdroge Cannabis“

Die Verwendung der unsäglichen Bezeichnung „Einstiegsdroge“ in diesem Zusammenhang zeugt ebenfalls von dürftigem Hintergrundwissen: diverse Studien und Gutachten kommen bereits seit geraumer Zeit zu dem Ergebnis, dass der These der „Einstiegsdroge Cannabis“ jegliche Grundlage fehlt. Dies wird ebenfalls offiziell von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bestätigt.

 

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19
Feb
2009

Cannabis FAQ

Eintrag unter | Kommentare deaktiviert für Cannabis FAQ

Über Cannabis kursieren leider sehr viele Gerüchte und Halbwahrheiten. Dies liegt vor allem an der Einstufung von Cannabis in die Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes, wodurch sein Status dem von harten Drogen wie Heroin gleichgesetzt wird.

Die Folge ist nicht nur ein hohes strafrechtliches Risiko für einen Konsumenten – egal ob zu medizinischen Zwecken oder nicht – es ist dadurch auch außerordentlich schwierig geworden, wissenschaftliche Forschung zum Thema zu betreiben, die mit langwierigen und teuren Genehmigungsverfahren und extremen Auflagen verbunden ist.

Wissenschaftliche Erkenntnisse über Cannabis liegen daher nur relativ spärlich vor. Nichts desto trotz verbreiten immer wieder "Experten" Statements über die Gefährlichkeit von Cannabis, obwohl auch sie aufgrund der rechtlichen Lage über kein fundierteres Wissen verfügen können.

Viele der immer wieder gleichen in den Medien aktiven "Experten" sind im Umfeld der Suchtprävention und -Therapie tätig, und verfügen somit über einschlägige Erfahrung. Gleichzeitig entsteht daraus aber auch ein Interessenskonflikt: ohne das Bild einer hochgefährlichen Droge entfällt auch die Grundlage für den wirtschaftlichen Aspekt der eigenen Tätigkeit.

 

Diese FAQ spiegelt die Erfahrung von Cannabis-Anwendern wieder, und geht auf die gängigsten Gerüchte über Cannabis ein, in der Hoffnung, etwas Licht ins Dunkel zu bringen.

"Alle Drogen sind schlimm und gehören verboten"

Abgesehen davon, dass selbst Kaffee und Tee zur Gruppe der Drogen zu zählen sind, handelt es sich bei Substanzen wie Alkohol, Cannabinoiden, Opioiden, Amphetaminen um völlig verschiedene Substanzen mit völlig unterschiedlichen Wirkungen, Suchtpotentialen, Gefahren etc.

Es entbehrt jeder Logik, all diese Substanzen über einen Kamm scheren zu wollen, zumal die beiden schlimmsten, und dabei sogar legalen Drogen Alkohol und Nikotin alleine in Deutschland jährlich 140.000 (Einhundertvierzigtausend!) Todesopfer fordern.

Alle illegalen Drogen zusammen verursachen jährlich ca. 1.500 Tote. Bei dieser Relation sollte sich für jeden mündigen Bürger die Frage stellen, ob der "War on Drugs" wirklich sachdienlich ist, oder ob er längst sein Ziel verfehlt hat.

"Cannabis ist heute viel gefährlicher als früher, weil heutige Sorten auf einen extrem hohen Wirkstoffgehalt hochgezüchtet wurden"

Durch optimale Anbaumethoden und geeignete Sorten ist heute ein höherer THC-Gehalt erreichbar als früher. Beim kursierenden Wert von 20% handelt es sich jedoch um ein utopisches Extrem. Realistisch sind 5-10%. Und natürlich: je höher der Wirkstoffgehalt, desto höher auch der Preis, zu dem das entsprechende Gras gehandelt wird.

Die Medien vergleichen früheres und heutiges Cannabis gelegentlich mit Bier und Schnaps, doch dieser Vergleich hinkt: während Bier aufgrund der Flüssigkeitsmenge nur langsam aufgenommen werden kann, besitzt der Wirkstoffgehalt von Cannabis für die Intensität des Rausches aufgrund der geringen benötigten Menge praktisch keine Relevanz. Es ist völlig egal, ob einem Joint 100mg zehnprozentiges, oder 250mg vierprozentiges Cannabis beigemengt wird.

"Cannabisrauch ist wesentlich schädlicher ist als Tabakrauch"

Cannabisrauch soll der Meinung mancher "Experten" 5 mal schädlicher als Tabakrauch sein. Unterschlagen wird dabei, dass ein Konsument – Extremfälle mal außen vor – aber wesentlich mehr Zigaretten als Joints pro Tag rauchen.

Organische Substanzen setzt bei ihrer Verbrennung schädliche Rauchgase frei – Cannabis ist da keine Ausnahme. Nicht berücksichtigt wird aber, dass Cannabis nicht zwingend als Joint konsumiert werden muss.

Bei der oralen Aufnahme ("Haschkekse") oder der Inhalation mittels einem Vaporizer, bei dem keine Verbrennung stattfindet, entstehen keine schädigenden Rauchgase!

"Cannabis macht süchtig"

Alles, was das Belohnungszentrum unseres Gehirns aktiviert, kann eine Sucht erzeugen, darunter Leistungssport, Schokolade und Sex.

Relevant für die Beurteilung einer Sucht ist die Intensität der Entzugserscheinungen beim Absetzen. Diese sind bei Cannabis – selbst bei starkem Konsum – in der Regel sehr milde ausgeprägt, und bei weitem nicht vergleichbar wie bei einem Nikotin- oder gar Alkoholentzug, und äußern sich ggf. in Unruhe und Schlafstörungen über wenige Tage hinweg.

Man muss sich vor Augen führen, dass ein unkontrollierter bzw. unbehandelter Entzug bei harten Drogen wie Heroin durchaus tödlich verlaufen kann!

"Die Statistik spricht eindeutige Zahlen bzgl. Cannabisabhängigen!"

Gelegentlich hört man von "Cannabissüchtigen", die sich im Zuge eines Strafverfahrens "freiwillig" in Therapie begeben – vermeintlich, weil sie ihr "Suchtproblem" eingesehen hätten.

Tatsächlich ist diese "freiwillige" Therapie regelmäßig eine Mittel, um vor Gericht das Strafmaß zu senken, und so z.B. eine Freiheitsstrafe in eine Geldstrafe umzuwandeln. Eine Therapie findet dabei nicht wirklich statt – doch die "Therapierten" tauchen als "Cannabissüchtige" in der Statistik auf, aus der wiederum eine angeblich reale Suchtgefahr abgeleitet wird.

Natürlich gibt es auch Konsumenten, die unter einem wirklichen Suchtproblem leiden. Dieses beruht aber in den seltensten Fällen auf Cannabis allein, meist liegt ein Mischkonsum mit wesentlich übleren legalen wie illegalen BTM vor. Aber auch diese Fälle sind gutes Futter für die Statistik der "Cannabissüchtigen".

"Cannabis ruft bei Jugendliche schwere Entwicklungsschäden hervor"

Unbestritten dürfte sein, dass Jugendliche, die den Tag mit der Tüte beginnen und abends mit der Tüte beenden, und zwischendrin vor allem kiffen, in ihrer geistigen Entwicklung stark beeinträchtigt sind.

Dies sollte nicht all zu sehr verwundern: wer über lange Zeit die Realität völlig ausblendet, wird keine reale Entwicklung durchleben. Dies gilt gleichermaßen für den massiven Missbrauch aller Drogen (darunter Alkohol), und ist keine spezielle, schädigende Wirkung von Cannabis/THC an sich.

"Cannabiskonsumenten können an einer Überdosis sterben"

Es ist nahezu unmöglich, an einer Überdosis THC zu versterben, da die dazu nötige Menge nicht konsumierbar ist.

Indirekte Todesfälle sind allenfalls im Zusammenhang mit dem Vorliegen bestimmter Krankheiten denkbar (da Cannabis den Kreislauf belasten kann z.B. wenn der Konsument unter Herzproblemen leidet), wobei der eindeutige Nachweis des Zusammenhangs schwer zu erbringen ist.

Die Zahl der Todesopfer bezogen auf die jeweilige Droge kann im jährlichen Drogen- und Suchtbericht des Bunderministeriums für Gesundheit nachgelesen werden. Es gibt tatsächlich keine "Cannabistoten". 

"Cannabiskonsumenten verblöden mit der Zeit"

Tatsächlich ist das Kurzzeitgedächtnis unter THC-Einfluss beeinträchtigt. Eine Beeinträchtigung darüber hinaus ist je nach Stärke und Häufigkeit der Konsums denkbar.

Leider entsprechen Studienergebnisse hierzu nicht selten dem Sollergebnis, mit dem die Studien beauftragt wurden, und so kommt es immer zu völlig verschiedenen Extrempositionen. Neutrale Studien gibt es kaum. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.

Bei gemäßigtem Konsum ist nach unserer Erfahrung keine gravierende Beeinträchtigung zu erwarten.

"Cannabis kann Psychosen auslösen"

Einige Experten behauten, Psychosen stünden in direkter Relation mit Cannabiskonsum. Hier müsste man, um eine seriöse Aussage machen zu können, zum einen Trennen, ob der Konsument bereits vor dem Konsum an einer latenten Psychose litt, und Cannabis eine bestehende Psychose nur zum Vorschein brachte, oder ob es wirklich die Ursache darstellt.

Weiter wäre zu untersuchen, ob Menschen mit bestimmten psychischen Störungen einfach häufiger zu Betäubungsmitteln greifen. Alle Fälle würden das selbe statistische Endergebnis zur Folge haben, die Interpretationen wären jedoch völlig unterschiedlich.

Leider sind gezielte, aussagefähige Studien aufgrund betäubungsmittelrechtlicher Auflagen nur sehr schwer durchführbar und extrem teuer. Solange selbst wissenschaftliche Forschung durch geltendes Gesetz verhindert wird, sind seriöse Aussagen hierzu kaum zu erbringen.

"Cannabis wird doch längst rechtlich toleriert"

Dies ist leider ein Irrglaube. Es existiert für Cannabis lediglich der Begriff der "geringen Menge", die von Bundesland zu Bundesland verschieden hoch ist, und im unteren Grammbereich liegt. Besitzt ein Konsument weniger als diese "geringe Menge", kann ein Verfahren gegen ihn durch die Staatsanwaltschaft eingestellt werden.

Patienten benötigen jedoch i.d.R. größere Mengen als die "geringe Menge", weil sie zum einen krankheitsbedingt keine Möglichkeit haben, ständig einen Dealer aufzusuchen, geschweige denn mit solchen Personen überhaupt den Umgang pflegen wollen, und zum anderen, weil es durchaus sinnvoll ist, eine größere Menge Cannabis mit bekannten Eigenschaften vorrätig zu halten, so dass eine konstante Dosierbarkeit gewährleistet ist.

Bereits der Anbau einer einzigen Cannabispflanze führt i.d.R. bereits zur Überschreitung der geringen Menge. Der Besitzt von mehr als 7,5g THC (ca. 75-200g Cannabis) gilt strafrechtlich als Verbrechen, und stellt den Patienten damit auf die gleiche Stufe mit Mördern, Vergewaltigern und Kinderschändern.

"Cannabis ist eine gefährliche Einstiegsdroge"

Der Unterschied der gesellschaftlichen Wahrnehmung von Drogen scheint auf dem rechtlichen Status der Substanzen zu beruhen: während Alkohol und Nikotin legalen Status genießen, und z.B. Alkoholkonsum zu bestimmten Anlässen zum guten Ton gehört, und als völlig normal und harmlos angesehen wird, wird Cannabis aufgrund seiner Illegalität mit Risiken und Gefahren assoziert. Wie irrational diese Wahrnehmung ist, belegen die 140.000 Todesopfer (Stand 2008) legaler Drogen pro Jahr!

Und dabei ist nicht Cannabis, sondern sind Alkohol und Nikotin wahrhaft gefährliche Einstiegsdrogen, die im Gegensatz zu Cannabis stark suchterzeugende und toxische Eigenschaften aufweisen, jedoch wesentlich einfacher beschaffbar sind, und gerade von Jugendlichen exzessiv und vielfach unkontrolliert konsumiert werden.

Leider hält sich die Theorie von der "Einstiegsdroge Cannabis" hartnäckig in den Köpfen verankert, und unterstellt, dass der Konsum von Cannabis zwangsläufig zum Konsum harter Drogen führen müsse. Angesichts der hohen Verbreitung von Cannabiskonsum in Deutschland müsste es in der Folge dieser Annahme viele Millionen Abhängige harter Drogen geben.

Dies bestätigt von offizieller Seite übrigens auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)!

"Cannabis macht impotent"

Cannabis wurden seit Mitte des letzen Jahrhunderts diverse negative Eigenschaften angedichtet: einmal machte Cannabis lethargisch, ein anderes Mal aggressiv. Einst wollte man männliche „Cannabissüchtige am irren Blick und an den Spermaflecken auf der Hose erkennen“ können, dann wiederum gab Harry J. Anslinger, der Urheber der Cannabisprohibiton, Cannabis die Schuld daran, dass weiße Frauen von Schwarzen, Mexikanern und männlichen Vertretern anderen Minderheiten vergewaltigt würden.

In der schier endlosen Reihe von Widersprüchen ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich darunter auch die Aussage findet, Cannabis mache impotent. Doch auch diese gehört – wie die Behauptung, onanieren schädige das Rückenmark – zu den Ammenmärchen, die verängstigen statt aufklären sollen, und jeglicher sachlichen Grundlage entbehren.

"Pflanzliches Cannabis ist für medizinische Zwecke nicht ausreichend genau dosierbar"

Der THC-Gehalt von Cannabis-Blütenständen variiert je nach Sorte und Anbaubedingungen typischerweise zwischen 5 und 10%. Da die medizinisch wirksame Dosis sehr vom Patienten, der Art der Erkrankung und dem momentanen Gesundheitszustand abhängt, gibt es auch bei standardisierten THC-Präparaten keine Dosieranweisungen, auf die ein Arzt zurückgreifen könnte.

Die Behandlung beginnt stets mit einer geringen Dosis, die schrittweise gesteigert wird, bis die gewünschte Wirkung erreicht ist. Die optimale Dosis ist auf diese Weise in der Regel innerhalb weniger Tage gefunden – unabhängig davon, ob der Wirkstoffgehalt zuvor bekannt war.

 

M.E.

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