10
Jul
2017

Die Apothekenpreise für Cannabis explodieren / Reaktion auf den Protestmailer

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Schreiben des Präsidenten der Bundesapothekerkammer an Dr. Grotenhermen

Von
Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekerkammern
Bundesapothekerkammer
Der Präsident

An
Dr. med. Franjo Grotenhermen
c/o Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V.

6. Juni 2017

Sehr geehrter Herr Dr. Grotenhermen,

in den letzten Tagen und Wochen haben uns viele inhaltlich identische Mails erreicht, die auf einen Text Ihrer Homepage zurückgehen. Ich antworte Ihnen zu den Aspekten, die an Apotheker adressiert sind, gerne direkt und bitte Sie, dieses Schreiben über Ihre Homepage bekannt zu machen.

Sie behaupten auf Ihrer Homepage, dass Cannabisblüten von Apotheken ohne Prüfung oder Verarbeitung an Patienten abgegeben werden könnten. Zitat: „Wurden bislang verschlossene Dosen mit Cannabisblüten an Patienten abgegeben, so wie die Behältnisse an die Apotheken geliefert werden, wird dieses bereits mehrfach geprüfte Cannabis nunmehr bei der Abgabe einer neuerlichen sensorischen oder weiterführenden Prüfung unterzogen. Dabei gibt es nach allem Ermessen keinen erkennbaren Grund, warum Apotheker den Doseninhalt nochmals überprüfen müssten (es sei denn wegen gewünschter Verteuerung durch diese Prüfungs-Handgriffe.)“ Diese Aussage beurteilen wir aus verschiedenen Aspekten kritisch:

1. Arzneimittel auf Basis von Cannabis müssen die erforderliche pharmazeutische Qualität haben. Derzeit können nur aus den Niederlanden und Kanada importierte Cannabisblüten abgegeben werden. Cannabisblüten sind in diesen Ländern keine zugelassenen Fertigarzneimittel. Beziehen Apotheken Cannabisblüten, handelt es sich somit um Ausgangsstoffe, deren Qualität durch ein Prüfzertifikat belegt sein muss. In der Apotheke muss somit gemäß § 11 Absatz 2 Apothekenbetriebsordnung mindestens die Identität festgestellt werden. Methoden zur Identitätsprüfung sind in der im Mai 2017 in Kraft getretenen Monographie des Deutschen Arzneibuchs „Cannabisblüten“ beschrieben. Zudem verweisen wir auf die im Abschnitt „Alternativverfahren zur Identifizierung von Ausgangsstoffen des DAC/NRF“ für Cannabisblüten beschriebene Methode zur Identitätsprüfung. Die Identitätsprüfung von Cannabisblüten als Ausgangsstoff ist somit zwingend rechtlich vorgeschrieben.

2. Apotheken beziehen Rezepturausgangsstoffe, somit auch Cannabisblüten, in Transportbehältnissen. Die Entscheidung, ob dieses Behältnis darüber hinaus als Abgabegefäß des Rezepturarzneimittels für den Patienten geeignet ist, bedarf einer fachlichen Risikobeurteilung. Dies muss im Einzelfall anhand der Beschaffenheit geprüft werden. Da die Liefergefäße üblicherweise nicht kindergesichert sind, dürfte die Abgabe durch die Apotheke auszuschließen sein.

3. Die von den Apotheken als Ausgangsstoffe und somit in Transportgefäßen bezogenen handelsüblichen Cannabisblüten sind unzerkleinert oder mehr oder weniger in ihre Einzelteile zerfallen. Somit ist eine exakte reproduzierbare Dosierung durch den Patienten selbst schwierig. Die zuverlässige Selbstwägung setzt voraus, dass der Patient über eine Feinwaage (mit 1-Milligramm-Anzeige) verfügt. Das dürfte bei den wenigsten Patienten der Fall sein. In der Regel wird somit die Dosierung von Cannabis-Blüten ‚nach Gefühl‘ erfolgen, was aus pharmazeutischer Sicht unverantwortlich und übrigens auch eine (teure) Verschwendung darstellt. Die Selbstwägung durch den Patienten wäre apotheken- und arzneimittelrechtlich für ein stark wirkendes Arzneimittel ‒ Cannabisblüten sind ein Betäubungsmittel ‒ zudem ein Novum.

4. Die exakte Dosierung der Cannabisblüten bedingt ‒ unabhängig von der Anwendungsform ‒ zwingend ihre gleichmäßige Zerkleinerung. Die Dosiergenauigkeit hängt dabei vom Zerkleinerungsgrad der Cannabisblüten ab. Grob vorzerteilte Cannabisblüten eignen sich nicht für die ausreichend niedrige, reproduzierbare und der medizinischen Notwendigkeit entsprechende Therapie. Sie müssen daher zwingend gemahlen und gesiebt werden. (2- Millimeter-Sieb). Anschließend können sie Cannabisblüten – einzeldosiert oder zusammen mit geeigneter Dosierhilfe – von Apothekern zur medizinischen Behandlung an den Patienten abgegeben werden. Falls der Patient auch das Mahlen der Droge übernehmen kann, wäre auf ärztliche Anweisung dies nach einer entsprechenden Risikobeurteilung denkbar.

Insofern werden die Transportgefäße der Cannabisblüten keineswegs wegen der von Ihnen unterstellten „gewünschten Verteuerung durch diese Prüfungs-Handgriffe“ geöffnet. Die Prüfung zumindest auf Identität ist rechtlich vorgeschrieben. Auch die Zerkleinerung und das Sieben der Droge in der Apotheke, die apparativ dafür entsprechend ausgerüstet ist, sind mit Blick auf die Dosierungsgenauigkeit und damit für die Arzneimitteltherapiesicherheit unerlässlich.

Die von Ihnen angesprochene Preissteigerung von Cannabisblüten beruht im Wesentlichen auf dem Wechsel von einer Abrechnung nach § 3 der Arzneimittelpreisverordnung (AMPreisV) zur Abrechnung nach §§ 4 und 5 der Arzneimittelpreisverordnung. Vor dem Inkrafttreten des Gesetzes am 10. März 2017 waren Cannabisblüten und andere Pflanzenteile laut Anlagen des Betäubungsmittelgesetzes nur dann verkehrsfähig, wenn sie in Zubereitungen, die als Fertigarzneimittel zugelassen sind, enthalten waren.

Das Bundesgesundheitsministerium, der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die ABDA sind sich aber einig, dass Cannabisblüten ein Rezepturarzneimittel sind und vor Abgabe nach anerkannten pharmazeutischen Regeln zubereitet werden müssen. Somit ergibt sich die Abrechnung nach § 5 AMPreisV oder, falls der Arzt die Zu-bereitung ausschließt und der Apotheker dies im Hinblick auf Arzneimittelsicherheit und Arzneimittelqualität vertreten kann, nach § 4 AMPreisV. Der Deutsche Apothekerverband e.V. und der GKV-Spitzenverband können im Rahmen der ‚Hilfstaxe‘ über die Preise für Cannabis-Blüten als Ausgangsstoffe verhandeln. Diese Verhandlungen haben bereits begonnen, sind aber noch nicht abgeschlossen.

Zusammenfassend kann ich Ihnen versichern, dass Apotheker verantwortungsvoll mit medizinisch verordnetem Cannabis umgehen das gilt für die Arzneimittelqualität ebenso wie für die preise.

Für ein persönliches Gespräch oder Telefonat stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen

Dr. Andreas KIEFER

Schreiben der Sprecher des SCM an den Präsidenten der Bundesapothekerkammer

17. Juni 2017

Betreff: Ihre Stellungnahme zum Protestmailer des SCM

Sehr geehrter Dr. KIEFER,

Ihre Antwort auf den Protestmailer des Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin, SCM, auf welchen Sie sich in Ihrem Schreiben an Dr. Grotenhermen beziehen, hat Dr. Grotenhermen zu unserer Kenntnis weitergeleitet.

Als Sprecher des SCM möchten wir uns zunächst für Ihre Antwort bedanken.

Bedauerlicher Weise zeigen Sie in Ihrem Schreiben keinerlei Lösungswege für Patienten und Ihre vor Ort tätigen Apotheker-Kollegen auf, wie etwa künftig selbst zahlenden Patienten eine finanzielle Verschlechterung ihrer oft desolaten Situation erspart bleibt. Das zumindest hätten wir uns von Ihnen gewünscht.

Was Ihre Ausführungen betrifft, müssen wir Ihnen als Patienten mit tagtäglicher Erfahrung im Umgang mit medizinischem Cannabis widersprechen.

Cannabis wird an den Endverbraucher in verschlossenen Dosen abgegeben. Die Dosen der Cannabisproduzenten Pedanios und Spektrum haben Kindersicherungen.

Die Dosen von Bedrocan werden in holländischen Apotheken so abgegeben wie hierzulande, wobei es nach unserem umfassenden Kenntnisstand und Kontakten ins Ausland noch zu keiner nennenswerten Überdosierung gekommen ist. Angesichts der Tatsache, dass beispielsweise Tramal, Methadon und viele andere Medikamente, die nicht nur zur Abhängigkeit – sondern zu schweren Nebenwirkungen bis hin zum Tod führen können, in banalen Umverpackungen abgegeben werden, ist eine verschließbare Dose für Cannabisblüten durchaus ausreichend, selbst wenn seitens des BfArM bislang die Anschaffung eines eigenen Sicherheitsbehältnisses zur Aufbewahrung für Cannabis vorgeschrieben war.

Medizinisches Cannabis ist bereits sorgsam geprüft und hat ein entsprechendes Prüfzertifikat.
Die jeweiligen Chargen werden für den Markt erst dann freigegeben, nachdem die Inhaltsstoffe genauestens untersucht, gemessen und dokumentiert worden sind. Die Überwachung geschieht bei Bedrocan-Cannabis durch das „Bureau voor medicinale Cannabis“, das dem niederländischen Gesundheitsministerium unterstellt ist.

Prüfzertifikate der Fa. Bedrocan können Sie im Internet nachlesen: https://www.cannabisbureau.nl/medicinale-cannabis/artsen-en-apothekers/vrijgifte-certificaten

Prüfzertifikate anderer Sorten, stehen Ihnen – als Präsident der Bundesapothekerkammer – sicher auf Anfrage zur Verfügung.

Was das Mahlen, Sieben und portionsweises Abpacken angeht, so wird Ihnen jeder erfahrene Cannabispatient sagen können, dass Cannabis am besten unzerkleinert, luftdicht und in einem dunklen Behältnis aufbewahrt wird.

Mahlen zerstört die Trichome, so dass die wirksamen Cannabinoide und Terpene beschleunigt ab- und umgebaut werden, und die vergrößerte Oberfläche des Mahlgutes zum Austrocknen und damit zum Hustenreiz bei Inhalation/Vaporisation führt.

Es gibt sicherlich Patienten, die das Zerkleinern und Portionieren nicht alleine bewerkstelligen können, wie z.B. schwer durch MS körperlich eingeschränkte Personen. Diese Patienten haben aber in der Regel eine Pflegestufe und somit jemanden, der ihnen behilflich sein kann bei den Handreichungen, die sie aus eigener Kraft nicht mehr ausführen können.

Wir würden uns freuen, wenn sie unsere auf jahrelange praktische Erfahrung beruhende Argumentation anerkennen und künftig auch in Ihre Beurteilung der Situation um Cannabis als Medizin einfließen lassen würden.

Freundliche Grüße

Gabriele Gebhardt
Axel Junker

Schreiben von Dr. Grotenhermen an Dr. KIEFER

Sehr geehrter Herr Dr. KIEFER,

herzlichen Dank für Ihr Schreiben und das Angebot für ein persönliches Gespräch.

Die Sprecher des Selbsthilfenetzwerks Cannabis Medizin (SCM), eine Arbeitsgruppe von Patienten der ACM, das die E-Mail-Aktion initiiert hat, antworten Ihnen in einem separaten Schreiben.

Einleitend möchte ich Ihnen versichern, dass ich den Apothekern keineswegs vorwerfe, sich an Gesetze und Verordnungen, wie die Apothekenbetriebsordnung oder die Arzneimittelpreisverordnung zu halten. Dafür dass ich das durch eine Fehlinformation am 11. März 2017 getan habe, habe ich mich daher entschuldigt.

Der Unterschied zwischen Ihnen und mir besteht gegenwärtig darin, dass Sie diese Verordnungen inhaltlich verteidigen, während ich die Sinnhaftigkeit der Verordnungen im Falle von Cannabisblüten infrage stelle.

Sie schreiben, dass eine „exakte reproduzierbare Dosierung“ nur möglich ist, wenn ein Patient über eine Feinwaage („mit 1-Milligramm-Anzeige“) verfüge. Ich kann Ihnen versichern, dass in der Praxis eine Feinwaage mit 10-Milligramm Anzeige, die für 10 € im Internet erworben werden kann, völlig ausreichend ist, um eine exakte Dosierung vornehmen zu können. So kann nicht ernsthaft eine Verteuerung von Cannabisblüten um das Doppelte oder das Dreifache gerechtfertigt werden. Das sind Argumente, die nur Unerfahrene aber keine erfahrenen Ärzte beeindrucken können.

Beispiele aus der Praxis mögen Ihnen erläutern, warum bei einer Therapie mit Cannabis-Medikamenten die Dosierung zudem nicht immer exakt gleich sein muss. Wenn ein Patient zweimal 15 Tropfen Dronabinol jeweils morgens und abends einnehmen soll, kann er genauso gut auch einmal 13 und ein anderes Mal 17 Tropfen einnehmen. Die Wirkung ist die gleiche. Er kann sogar an einem Tag 28 Tropfen und am nächsten Tag 32 Tropfen einnehmen, ohne dass die Therapie leidet oder vermehrt Nebenwirkungen auftreten. Wer 6 Sprühstöße Sativex einnehmen soll, kann durchaus auch einmal 5 oder 7 Sprühstöße einnehmen. Wer fünfmal 0,1 g Cannabisblüten inhalieren soll, kann sich eine Dosis von 1 g abwiegen, und diese auf 10 etwa gleich große Dosen (von etwa 0,1 g) für 2 Tage aufteilen. Das gleiche kennen wir von anderen Medikamenten. Ein Patient, der gegen seinen Bluthochdruck zweimal 90 mg Diltiazem retard einnehmen soll, würde nicht merken, wenn er stattdessen einmal 80 und einmal 100 mg einnehmen würde. Es reicht, dass die Tagesdosis stimmt. Wie gesagt, Ihre theoretischen Ausführungen mögen Unerfahrene beeindrucken, für den Praktiker sind sie irrelevant.

Mich würde interessieren, ob Sie Erkenntnisse haben, nach denen es in den vergangenen Jahren ohne die Zerkleinerung der Cannabisblüten bei Patienten mit einer Ausnahmeerlaubnis nach § 3 Abs. 2 Betäubungsmittelgesetz zu Dosierungsproblemen kam. Meine etwa 300 Patienten haben nicht davon berichtet, und ich habe in all den Jahren seit 2007 auch keine Rückmeldungen von anderen Patienten, Ärzten oder Apothekern erhalten.

Es kommt noch schlimmer. Die von Ihnen als notwendig erachtete Zerkleinerung – „Sie müssen daher zwingend gemahlen und gesiebt werden (2-Millimeter-Sieb))“ – bringt Nachteile bei der reproduzierbaren Dosierung mit sich. Die von ihnen geforderte „gleichmäßige Zerkleinerung“ führt aufgrund der Zerstörung der Trichome, in denen die Cannabinoide vor Oxidation weitgehend geschützt sind, zu einer Beschleunigung einer unkontrollierten Oxidation von THC zu Cannabinol. Auch die anderen Cannabinoide oxidieren leicht an der Luft, und zwar umso schneller je stärker der Lichteinfluss und je höher die Temperatur ist. Das wird bereits seit Anfang der siebziger Jahre untersucht. Aus Gründen der Reproduzierbarkeit der Dosis sollte im Falle von Cannabisblüten daher von einer Zerkleinerung abgesehen werden. Ich rezeptiere daher Cannabisblüten grundsätzlich mit dem Vermerk „unzerkleinert abgeben“.

Sie weisen zu Recht darauf hin, dass die Prüfung von Cannabisblüten auf Identität rechtlich vorgeschrieben ist. Sie weisen zu Recht darauf hin, dass dies im Wesentlichen auf dem Wechsel von einer Abrechnung nach § 3 der Arzneimittelpreisverordnung, nach der Cannabisblüten für 12-15 € pro Gramm abgegeben werden konnten, zur Abrechnung nach § 4 der Arzneimittelpreisverordnung (mit einer Kostensteigerung auf 20 bis 25 € pro Gramm) beruht. Nach Ihren Vorstellungen soll zudem nach § 5 Arzneimittelpreisverordnung (mit einer Kostensteigerung auf 40-50 € pro Gramm) abgerechnet werden, da ja nicht nur die Prüfung notwendig sei, sondern auch die gleichmäßige Zerkleinerung.

Nachdem die gleichmäßige Zerkleinerung keine gute Idee ist, nun zur Frage der Identitätsprüfung. Diese wurde bis zum März 2017 von Apothekern in der Regel nicht vorgenommen. Auch hier habe ich in den vergangenen Jahren nicht von irgendwelchen Problemen erfahren, beispielsweise dass Patienten anstatt Cannabisblüten Kamillenblüten oder andere Heilpflanzen erhalten hätten. Ich habe weder von Patienten noch von Apothekern erfahren, dass es irgendwelche Probleme gab. Mir sind auch keine Probleme aus Ländern, wie etwa den Niederlanden, bekannt, nach denen der Verzicht auf eine erneute Identitätsprüfung in der Apotheke irgendwelche Probleme mit sich gebracht hätte.

Sind Ihnen solche Probleme bekannt geworden?

Was mir durch eine Reportage in den Medien bekannt geworden ist, ist das beunruhigende Rechercheergebnis, nach dem weltweit etwa 10 % aller Medikamente in Apotheken nicht das enthalten, was sie enthalten sollen oder in einer geringeren Menge. Das liegt aber vor allem daran, dass es viele Reimporte gibt, und dass viele Medikamente in Indien und anderen aufstrebenden, wenig entwickelten Ländern produziert werden. In der Reportage wurde zudem darauf hingewiesen, dass auch deutsche Apotheken davon betroffen sind und dass beispielsweise Medikamente gegen Krebs weniger Wirkstoffe enthalten können als angegeben. Das ist wirklich bedenklich. Cannabisblüten werden aus Kanada und den Niederlanden importiert. Es gibt keine Umwege. Sie gelangen direkt zum deutschen Importeur.

Ich habe mit Interesse die Rezepturvorschriften von NRF/DAC studiert. Ich will hier nicht auf alle Aspekte eingehen, aber die Gelegenheit nutzen, hier wenigstens einen Vorschlag kritisch zu betrachten. So sieht die Rezepturvorschrift zur Anfertigung eines Cannabisblüten-Dekokts das 15-minütige Kochen einer abgewogenen Cannabismenge vor. Da eine vollständige Decarboxylierung von THC und CBD bei 100 °C erst nach mindestens 1 Stunde zu erwarten ist, ist dies eine nicht optimale Rezeptur. Das kann man besser machen, und ich empfehle meinen Patienten eine vollständige Decarboxylierung im Backofen mit anschließender Herstellung eines Tees. Alles andere ist Verschwendung, da es die benötigte Menge und damit die Kosten erhöht.

Wie Sie sehen, gibt es auch nach meiner Auffassung viel Diskussions- und Gesprächsbedarf. Und ich habe hier nur einige Aspekte herausgegriffen. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle mitteilen, dass viele Apotheker, mit denen ich in den vergangenen Monaten gesprochen habe, meine Auffassung teilen. Die Anwendung der Arzneimittelpreisverordnung verteuert die Cannabisblüten zulasten der Patienten und Krankenkassen unnötig. Sie dagegen verteidigen diese erhebliche Verteuerung von 12-15 € auf 40-50 €.

Wenn Sie dazu bereit sind, möchte ich vorschlagen, dass wir kein persönliches Gespräch, sondern eine öffentliche Diskussion führen. Ich könnte mir vorstellen, dass Patienten, Apotheker und Journalisten ein Interesse an einer solchen Debatte hätten. Sie könnte zur Klärung wichtiger Fragen beitragen.

Mit freundlichen Grüßen
Franjo Grotenhermen

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14
Mai
2017

Protestmailer: Den Patienten den Zugang zu Cannabis erleichtern!


Protestmailer des SCM:
Das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin
so umsetzen, wie es gedacht war: Den Patienten den Zugang
erleichtern!
Gestartet
15.05.2017

Worum geht es?

Direkt zum Protestmailer? Bild oder diesen Link anklicken! 

so haben wir es uns gedacht und nicht lauter neue Stolperstein

Dieser Protestmailer richtet sich in erster Linie an die Verbände von Ärzten, MDKs, Krankenkassen und Apotheken, damit diese das in ihrer Macht stehende tun, den Patienten den Zugang zu Cannabis tatsächlich zu erleichtern.
Beteiligt Euch, ergänzt das Schreiben durch Eure individuellen Erfahrungen, verbreitet den Protestmailer, um die Probleme öffentlich zu machen.

Der Text:

„Sehr geehrte Damen und Herren.

Seit dem 10.März 2017 ist das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin in Kraft, mit dem seitens der Bundesregierung das Versprechen abgegeben wurde, Patienten erleichterten Zugang zu Cannabisblüten und Cannabismedikamenten zu ermöglichen.
Inzwischen stellt sich jedoch heraus – zusätzlich zum bestehenden Leid der Betroffenen – , dass der überwiegende Teil der oftmals überforderten Patienten mit neuen Hürden und Stolpersteinen konfrontiert wird und für viele derjenigen Kranken, die ihr Cannabis bisher aufgrund einer Ausnahmegenehmigung der Bundesopiumstelle in Apotheke erwerben konnten, die Situation sich sogar drastisch verschlechtert hat.

Viele Ärzte weigern sich generell Cannabis zu verschreiben, weil ihnen das nötige medizinische Wissen zum komplexen Sachthema „Cannabinoide“ fehlt.

Andere Ärzte wiederum, die Cannabis gerne verschreiben würden, haben massive Angst vor Regressforderungen der Krankenkassen, was durch die unangemessenen Preissteigerungen für Cannabisprodukte nach Inkrafttreten des Gesetzes noch verstärkt wird.

Im Vergleich zu Zeiten vor dem 10. März 2017 ist für Cannabis aus der Apotheke inzwischen eine Verdoppelung des Preises eingetreten.

Wurden bislang verschlossene Dosen mit Cannabisblüten an Patienten abgegeben, so wie die Behältnisse an die Apotheken geliefert werden, wird dieses bereits mehrfach geprüfte Cannabis nunmehr bei der Abgabe einer neuerlichen sensorischen oder weiterführenden Prüfung unterzogen. Dabei gibt es nach allem Ermessen keinen erkennbaren Grund, warum Apotheker den Doseninhalt nochmals überprüfen müssten (es sei denn wegen gewünschter Verteuerung durch diese Prüfungs-Handgriffe.)

Obwohl das Cannabis als Medizin-Gesetz vorschreibt, dass Krankenkassen nur in begründeten Ausnahmefällen die Kostenübernahme von ärztlich verordnetem Cannabis ablehnen dürfen, ist aktuell gängige Praxis, Kostenerstattungsanträge den zuständigen MDK zur Prüfung vorzulegen. Diese entscheiden sodann nicht selten mit haarsträubenden Begründungen gegen das Patienten-Leidenslinderungs-Interesse und empfehlen den Krankenkassen die Kosten für Cannabis oder Cannabisprodukte nicht zu erstatten.
Vorgesehener Begleitforschung zum Trotz, die der Tatsache Rechnung tragen soll, dass es derzeit angeblich noch keine ausreichenden Studien zur Wirksamkeit von Cannabis gibt, verlangen Krankenkassen und MDK von Ärzten und Patienten aber die Vorlage eben solcher Studien.
Viele der mit letzter Hoffnung gestellten Kostenerstattungsanträge – so die Erkenntnis unseres Patientennetzwerkes (SCM) – werden mit nicht nachvollziehbaren Argumenten abgelehnt; sogar dann, wenn die tatsächliche Wirksamkeit von Cannabis im konkreten Einzelfall bereits erwiesen – oder durch das BfArM-Prozedere im Rahmen von § 3 Abs 2 BtMG-Ausnahmegenehmigungen bestätigt worden ist.

Daraus folgt, dass Patienten, die entweder noch keinen Cannabis verschreibenden Arzt gefunden haben oder aber in langwierige Widerspruchs- oder Klageverfahren gegen  Krankenkassen gezwungen werden, trotz möglicherweise existierender  Ausnahmeerlaubnis sich Cannabis aus der Apotheke finanziell schlicht nicht mehr leisten können.

Als weitere negative Folge des Preisanstiegs  muss die steigende Regress-Angst der Ärzte bewertet werden.
Auch dass die Kosten für die Kassen steigen und deshalb monetäre Gründe bei der Frage der Entscheidung über Kostenübernahme eine gewichtigere Rolle spielen als gesundheitliche Stabilisierung und Verbesserung der Patienten-Lebensqualität, zeigt einen deutlich negativen Einfluss auf das, was ursprünglich als „Erleichterung“  (nämlich des Cannabis-Zugangs – und nicht des Patienten-Vermögens) gedacht war.

Wir wenden uns mit diesem Aufruf an Sie, weil Sie als Verband oder Einzelpersonen maßgeblich darauf einwirken können, dass die Umsetzung des Gesetzes vom 10. März 2017 den Patienten tatsächlich dient und nicht bloß neue Hürden, neues Leid und altbekanntes Elend für Kranke und Schwerkranke produziert.
Bitte unterstützen Sie uns bei unseren Forderungen und suchen Sie mit uns gemeinsame Wege aus dem Dilemma :

Wir schlagen vor:

– Herausnahme von Cannabisblüten aus dem ärztlichen Praxisbudget und Anerkennung von Cannabis und Cannabisprodukten als Praxisbesonderheit. Regress-Androhungen müssen umgehend beendet werden.

– Umfassende Aufklärung und Fortbildung der Ärzteschaft über Cannabis als Medizin und sachdienliche Informationen zum neuen Gesetz durch Kassenärztliche Vereinigungen.

– Abgabe von Cannabisblüten in verschlossenen Behältnissen ohne neuerliche Nachprüfung zu angemessenen Preisen

– Automatische Kostenübernahme von Cannabisblüten für alle bisherigen Erlaubnis-Inhaber nach §3 BtMG

– Beendigung der überzogenen, dem ursprünglichen Sinn des neuen Gesetzes widersprechenden  Anforderungen an Ärzte und Patienten durch den MDK und die Krankenkassen.

– Erleichterung statt Erschwernis.

 

Allein durch eine deutliche Nachbesserung des Gesetzes kann dem drohenden Szenario begegnet werden, das die Bundesregierung als größte anzunehmende – und zeitgleich abzuwehrende Gefahr in diesem Zusammenhang betrachtet: Dem privaten Eigenanbau von Cannabis zu selbst verantworteten medizinischen Zwecken.

[Ende der Protestnachricht]

Unter

http://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/protest-mailer

können Sie auch selber am Protestmailer teilnehmen und etwas für
die Patientenrechte von Schwerkranken tun. Bitte leiten Sie diese
Email auch an andere möglicherweise Interessierte weiter.

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7
Mai
2017

rechtliche Fragen

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Es geht weiter.

Die Patienten des Selbsthilfenetzwerk-Cannabis-Medizin haben Ihre rechtlichen Fragen zum Umgang mit MDK und Krankenkassen gesammelt und die ACM hat diese Rechtsanwalt Oliver Tolmein zur Beantwortung vorgelegt.

Fragen und Anworten findet Ihr hier

Eine Handreichung für Patienten von RA. Oliver Tolmein findet sich hier

weite Teile eines Schriftsatzes von Oliver Tolmein in einem Eilverfahren gegen einen Ablehnungsbescheid der Krankenkasse könnt Ihr  hier    nachlesen.

 

 

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11
Apr
2017

Online-Umfrage der ACM: Erfahrungen nach der Gesetzesänderung


schön wär`s

Die ACM und das SCM möchten durch eine anonyme Online-Umfrage erste Erkenntnisse zu Erfahrungen mit Ärzten, Apotheken und der Kostenübernahme von Medizinal-Cannabis (Blüten und Rezepturen) durch die Krankenkassen erfassen, um diese für die weitere politische und juristische Arbeit nutzen zu können. Wir bitten alle Patienten, uns ihre Erfahrungen mitzuteilen.
Hier gehts zur Umfrage

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12
Mrz
2017

Wichtiges aus den ACM-Mitteilungen vom 11. März zum Gesetz Cannabis als Medizin

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Liebe Leserin, lieber Leser,

Am 9. März wurde das Gesetz zu Cannabis als Medizin im Bundesgesetzblatt veröffentlicht und trat am 10. März in Kraft. Damit beginnt eine neue Ära der Versorgung der deutschen Bevölkerung mit Cannabisblüten und cannabisbasierten Medikamenten.

Die wichtigsten Änderungen finden sich beispielsweise im einem Artikel von Professorin Kirsten Müller-Vahl und mir im Deutschen Ärzteblatt. Das kann man auch ausdrucken und damit seinen behandelnden Arzt oder seine behandelnde Ärztin kurz gefasste Informationen an die Hand geben. Die wichtigsten Änderungen betreffen die Verschreibungsfähigkeit von Cannabisblüten und die Verpflichtung zur Kostenübernahme bei schwerwiegenden Erkrankungen unter der Voraussetzung, dass diese zudem weitgehend austherapiert sind.

Für Irritationen sorgten einige Beiträge in der Pharmazeutischen Zeitung. Diese betreffen die Kosten der Cannabisblüten in der Apotheke. Nach Vorstellung von Dr. Andreas Kiefer, Präsident der Bundesapothekerkammer, sind Cannabisblüten ein Rezepturausgangsstoff, aus dem die Apotheke ein Rezepturarzneimittel herstellt, und kein Fertigarzneimittel (Cannabis auf Rezept: »Die Verordnung muss eindeutig sein«). Den Grund vermittelt die unten stehende Beispielrechnung eines befreundeten Apothekers: Werden 5 g Cannabisblüten als Fertigarzneimittel behandelt, so kosten diese den Patienten 68,61 €, und der Apotheker verdient etwa 10 €. Werden die Cannabisblüten als Rezepturarzneimittel behandelt, so kann der Apotheker auf den Einkaufspreis 100 % aufschlagen, sodass der Abgabepreis bei 113,31 € liegen würde, und der Apotheker fast 50 € verdient.

Einfach ausgedrückt: Wenn der Apotheker die Cannabisblüten in der Apotheke in einer Kräutermühle zermahlt, siebt und portioniert, kosten die Blüten etwa 113 €, wenn die Blüten jedoch vom Patienten portioniert werden, kosten sie etwa 67 €. Die Bundesapothekerkammer argumentiert zynisch mit dem Patientenwohl (Verordnungsgenauigkeit, Therapiesicherheit). Dabei geht es ganz offensichtlich im Wesentlichen darum, für die eigene Klientel, für die Apotheker, möglichst viel bei diesem Geschäft zulasten der oft nicht reichen Patienten und der Krankenkassen in die eigenen Taschen zu wirtschaften.

Da die Kosten aufgrund der Arzneimittel-Richtgrößen auch häufig dafür ausschlaggebend sein werden, ob ein Arzt Cannabisblüten verschreibt oder nicht, sind die Kosten auch ein wichtiger Faktor bei der Frage, ob ein Arzt überhaupt bereit sein wird, entsprechend Medikamente zu verschreiben.

Im geschützten Bereich der Webseite der Bundesapothekerkammer wird darauf hingewiesen, dass sowohl die Abgabe in unverändertem Zustand (mit dem entsprechend niedrigeren Preis) als auch die Abgabe gemäß Rezepturvorschriften des Apothekerverbandes (mit dem entsprechend höheren Preis) möglich sind. Das Argument mit der Therapiesicherheit ist offenbar nur vorgeschoben.

Wir gehen davon aus, dass die Dreistigkeit des Dr. Kiefer sich nicht durchsetzen wird. Mit dieser Aktion hat der Deutsche Apothekerverband und an der Spitze ihr Vorsitzender vor allem eines erreicht: Er hat das Image der Apotheker und vor allem seines Bundesverbandes bei den Patienten beschädigt und sich als Interessenvertretung der Geldgierigen präsentiert.

Wir bitten alle Patienten, in deren Apotheken Cannabisblüten weiterhin mit einem Preis von unter 70 € pro 5 g verkauft werden, uns diese Apotheken mitzuteilen. Wir möchten diese Apotheken dann kontaktieren, mit der Frage, ob sie auf unserer Webseite genannt werden möchten, damit sich interessierte Patienten an sie wenden können. Wir wollen dafür sorgen, dass Apotheken, die den Patienten gute Preise machen, die wahren Profiteure sein werden. Denn sie haben es verdient.

Es gibt bereits Apotheken, die erklärt haben, dass sie diesen Schwindel zulasten der Patienten und der Krankenkassen nicht mitmachen werden. Wir denken, dass die meisten Apotheker nicht nur an ihrem eigenen Gewinn, sondern primär am Wohl ihrer Klienten interessiert sind.

Noch eine Meldung am Schluss: Der Workshop zum Eigenanbau von Cannabisblüten für Erlaubnisinhaber war ein voller Erfolg. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Allen Referenten und Organisatoren der Veranstaltung daher ein herzliches Dankeschön!

Viel Spaß beim Lesen!

Franjo Grotenhermen

Der Weg zu Cannabis als Medizin

Hier sind die Schritte beschrieben, die zur Verschreibung und zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse führen. Zu einigen Aspekten gibt es im Internet fehlerhafte Informationen, auch von Institutionen, die eigentlich als zuverlässig und seriös gelten.

1. Gute Vorbereitung des Arztbesuches
Informieren Sie sich gut, zunächst über die Webseite der ACM und mit dem Artikel aus dem Deutschen Ärzteblatt, damit Sie wissen, was sie wollen. Sie können nicht erwarten, dass Ihr Arzt gut informiert ist. Es reicht nicht aus, wenn Sie Ihrem Arzt sagen, dass Sie gern Cannabisblüten auf Rezept hätten. Sie sollten in der Lage sein, ihm zu sagen, welche Sorte Sie haben möchten. Hinweise zu Cannabissorten finden sich auf der ACM-Webseite. Wenn Sie bereits Erfahrungen mit der Verwendung von Cannabisblüten haben, teilen Sie ihm mit, wie sie es dosieren, beispielsweise Inhalation von 0,5 g in 4-5 Dosen über den Tag verteilt. Wenn Sie keine Erfahrungen haben, teilen Sie ihm bitte mit, ob Sie die Inhalation oder die orale Aufnahme bevorzugen. Dann kann er entsprechend die Dosierungsanleitung von der ACM-Webseite herauskopieren und unter seinen Briefkopf setzen. Informieren Sie sich auch genau darüber, unter welchen Voraussetzungen die Krankenkassen die Kosten einer Behandlung übernehmen, damit Sie Ihren Arzt entsprechend informieren können.
2. Arztbesuch
Fragen Sie Ihren Arzt, ob er grundsätzlich bereit ist, Ihnen cannabisbasierte Medikamente oder Cannabisblüten zu verschreiben. Bieten Sie ihm an, ihm alle Informationen zu liefern, die es ihm erleichtern, eine Verschreibung vorzunehmen und eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse zu beantragen.

3. Antrag auf Kostenübernahme bei der Krankenkasse
Hier findet sich ein Fragebogen der AOK zur Entscheidung über die Kostenübernahme. Bei Frage 9 sollten Sie schreiben, dass der Gesetzgeber an die Kostenübernahme nicht die Voraussetzung gestellt hat, dass es zur Erkrankung bzw. Symptomatik, um die es im konkreten Fall geht, Studien gibt. Die Kostenübernahme wurde ausdrücklich nicht an das Vorliegen bestimmter Indikationen knüpft. Der Arzt braucht daher keine Literatur zu nennen, geschweige denn Literatur im Original beizufügen. Hilfreich können jedoch Verweise sein, nach denen die Bundesopiumstelle bei den folgenden und weiteren Erkrankungen Ausnahmeerlaubnisse erteilt hat:

Allergische Diathese
Angststörung
Appetitlosigkeit und Abmagerung (Kachexie)
Armplexusparese
Arthrose
Asthma
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
Autismus
Barrett-Ösophagus
Blasenkrämpfe nach mehrfachen Operationen im Urogenitalbereich
Blepharospasmus
Borderline-Störung
Borreliose
Chronische Polyarthritis
Chronisches Müdigkeitssyndrom (CFS)
Chronisches Schmerzsyndrom nach Polytrauma
Chronisches Wirbelsäulensyndrom
Cluster-Kopfschmerzen
Colitis ulcerosa
Depressionen
Epilepsie
Failed-back-surgery-Syndrom
Fibromyalgie
Hereditäre motorisch-sensible Neuropathie mit Schmerzzuständen und Spasmen
HIV-Infektion
HWS- und LWS-Syndrom
Hyperhidrosis
Kopfschmerzen
Lumbalgie
Lupus erythematodes
Migraine accompagnée
Migräne
Mitochondropathie
Morbus Bechterew
Morbus Crohn
Morbus Scheuermann
Morbus Still
Morbus Sudeck
Multiple Sklerose
Neurodermitis
Paroxysmale nonkinesiogene Dyskinese (PNKD)
Polyneuropathie
Posner-Schlossmann-Syndrom
Posttraumatische Belastungsstörung
Psoriasis (Schuppenflechte)
Reizdarm
Restless-Legs-Syndrom
Rheuma (rheumatoide Arthritis)
Sarkoidose
Schlafstörungen
Schmerzhafte Spastik bei Syringomyelie
Systemische Sklerodermie
Tetraspastik nach infantiler Cerebralparese
Thalamussyndrom bei Zustand nach Apoplex
Thrombangitis obliterans
Tics
Tinnitus
Tourette-Syndrom
Trichotillomanie
Urtikaria unklarer Genese
Zervikobrachialgie
Zustand nach Schädel-Hirn-Trauma
Zwangsstörung

Letztes Update der Liste: 12.03.2017

Für die meisten Erkrankungen, die oben genannt wurden, inklusive Migräne, Hyperhidrosis, Arthroseschmerzen, ADHS oder Reizdarm gibt es keine oder nur wenig aussagekräftige Studien.

Für die Kostenübernahme ist es nicht erforderlich, dass Sie sich vorher Cannabisblüten auf einem Privatrezept verschrieben haben lassen, wie es gelegentlich behauptet wurde. Sowohl Sie als auch Ihr behandelnder Arzt können eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse beantragen.

4. Weitere Gültigkeit der Ausnahmeerlaubnis
Wenn Sie eine Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabisblüten von der Bundesopiumstelle haben, so haben einige Krankenkassen offenbar bereits erklärt, dass sie keine erneute Prüfung vornehmen wollen, sondern die Kosten erstatten. Von anderen Krankenkassen war zu hören, dass sie bei bestimmten Indikationen die Kosten nicht erstatten würden. Das wird möglicherweise dann vor den Sozialgerichten zu klären sein.
Die Erlaubnis ist noch 3 Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes gültig, also bis zum 10. Juni 2017. Bis dahin können Erlaubnisinhaber weiterhin ohne Rezept Cannabis in der Apotheke abholen.

5. Erwerb von Cannabisblüten in der Apotheke
Mit einem Betäubungsmittelrezept können Sie in jeder Apotheke Cannabisblüten bestellen. Sie sind nicht, wie zuvor Erlaubnisinhaber, an eine bestimmte Apotheke gebunden. Es gibt einige Fehlinformationen zu den Preisen. Die kassenärztliche Vereinigung Bayerns hat in einem Schreiben an Ärzte vom 3. März 2017 darauf hingewiesen, dass es bei der Verschreibung von Cannabisblüten 3 Verordnungsmöglichkeiten gibt.
1. Verordnung als unverändertes „Produkt“, also so wie es importiert wird, wird es auch abgegeben. In diesem Fall gelten Cannabisblüten als Fertigarzneimittel und sollten nicht mehr als 70 € kosten.
2. Verordnung in einer Menge, die nicht den importierten Packungsgrößen entspricht. Beispiel: Bedrocan 7,5 g (geliefert wird Bedrocan in 5 g Packungen). Man sollte möglichst nur in den Packungsgrößen bestellen, die verfügbar sind, also die Sorten von Bedrocan und von MedCann in 5-Gramm-Schritten sowie die Sorten von Pedanios in 10-Gramm-Schritten. Auf diese Weise erspart man sich Preisaufschläge durch die Apotheke durch die Notwendigkeit, die Blüten umzufüllen.
3. Verordnung von Cannabisblüten in abgeteilten Einzeldosen. Dann werden die höheren Kosten von 110-120 € für 5 g fällig, da in diesem Fall die Cannabisblüten wie ein Rezepturarzneimittel behandelt werden.

6. Teilnahme am Straßenverkehr
In der Vergangenheit hatten Erlaubnisinhaber wiederholt Probleme mit den Führerscheinstellen, weil die Cannabisblüten nicht verschrieben wurden. Daher haben Erlaubnisinhaber formal gegen den § 24 des Straßenverkehrsgesetzes verstoßen, der eine Ordnungswidrigkeit vorsieht, wenn Drogen, die im Blut nachgewiesen wurden, nicht durch einen Arzt verschrieben wurden.
Autofahren und die Verwendung illegaler Betäubungsmittel schließen sich aus – wie das Fahren unter Alkoholeinfluss. Das ist Anlage 4 der Fahrerlaubnisverordnung (FeV) zu entnehmen. Anders sieht die Rechtslage aus, wenn man ein BtM als Patient im Zusammenhang mit einer entsprechenden Erkrankung einnehmen muss, also aus medizinisch-therapeutischen Gründen. Hier ist das Fahren grundsätzlich zulässig. So heißt es im § 24a, Satz 2, des Straßenverkehrsgesetzes: „Ordnungswidrig handelt, wer unter der Wirkung eines in der Anlage zu dieser Vorschrift genannten berauschenden Mittels im Straßenverkehr ein Kraftfahrzeug führt. Eine solche Wirkung liegt vor, wenn eine in dieser Anlage genannte Substanz im Blut nachgewiesen wird. Satz 1 gilt nicht, wenn die Substanz aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels herrührt.“ Analog unterscheidet auch die Fahrerlaubnisverordnung zwischen der illegalen Verwendung von Drogen und der Einnahme von Arzneimitteln. So heißt es in einem Merkblatt des Bundesverkehrsministeriums: „Während der illegale Konsum von Betäubungsmitteln (außer Cannabis) die Fahreignung nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV ausschließt, führt die Einnahme von Medikamenten nur dann zum Ausschluss der Fahreignung, wenn es zu einer Beeinträchtigung des Leistungsvermögens unter das erforderliche Maß kommt (Anlage 4 Nr. 9.6.2 FeV)“. Voraussetzung ist dafür allerdings, dass der Patient sich in einem stabilen, gut eingestellten Zustand befindet und die Einnahme des betreffenden BtM seinen Allgemeinzustand nicht wesentlich negativ beeinflusst – und dass sich der Patient vor Fahrtantritt kritisch hinterfragt.
Leider sind viele Führerscheinstellen und MPU-Stellen noch nicht ausreichend informiert.

Zukünftige Preise für Cannabisblüten

Ich habe gestern einigen Patienten Cannabisblüten verschrieben und diese haben in einer Apotheke, die große Mengen bestellt, weniger als 60 EURo für fünf Gramm bezalht. Grundsätzlich sind zwei Preisgestaltungen möglich, denen nach Fertigarzneimitteln und denen nach Rezepturarzneimittlen

Im geschützten Bereich der Webseite der Bundesapothekerkammer heißt es dazu: „Werden die Cannabisblüten in unverändertem Zustand umgefüllt, abgefüllt,abgepackt oder gekennzeichnet an den Patienten abgegeben, ist der Preis nach § 4 AMPreisV zu bilden. Werden Cannabisblüten gemäß NRF-Vorschriften, das heißt unter Zerkleinern und Sieben der Droge und ggf. Abpackung in Einzeldosen, zu einem Rezepturarzneimittel verarbeitet, gilt § 5 AMPreisV. Zuzüglich können die Apotheken die Betäubungsmittelgebühr nach § 7 AMPreisV in Höhe von 0,26 EURo einschließlich Umsatzsteuer berechnen.“

Die Beispielrechnung eines befreundeten Apothekers sieht so aus:

Fertigarzneimittel

Apothekeneinkaufspreis (AEP) 47,50 € (hier der normale, nicht
rabattierte Preis der Fa. Pedanios für 5g Cannabisblüten)
zzgl. Apothekenzuschlag von 3 % + 8,35 € + 016 € Notdienstzuschlag = 57,44 €
zzgl. 19% MwSt. 10,91 € = 68,35 €
zzgl. zur Zeit noch 0,26 € BTM-Gebühr = 68,61 €.
5g Cannabis Blüten als Fertigarzneimittel kosten dann 68,61 € brutto.

Verordnet für eine gesetzliche Krankenkasse würden hiervon 10% Zuzahlung (6,86 €) durch den Patienten zu leisten sein, die Apotheke muss 1,77 € Rabatt leisten sowie der Hersteller 7% seines Herstellerabgabepreises (hier ca. 4 €). Kosten für die Krankenkasse beliefen sich so auf ca. 56 €.

Rezeptur

AEP 47,50 € + Festzuschlag 100% = 95,00 €
zzgl. 19 % MwSt. 18,05 € = 113,05 €
zzgl BTM-Gebühr 0,26 € = 113,31 €

Verordnet für die gesetzliche Krankenkasse gehen hier 10 € Zuzahlung (gedeckelt bei max. 10 €) durch den Patienten ab sowie hier ein 5% Abschlag der Apotheke (5,66 €). Kosten für die GKV somit 97,65 €.

Anmerkung: bei einer Rezepturverodnung muss die Apotheke jeweils die Identität der Ausgangsstoffe mittels der Vorschriften des DAC oder NRF prüfen und dokumentieren.

Privatversicherte hätten demnach entweder 68,61 € bzw. 113,31 € zu bezahlen. Eventuelle Rabattverträge der Krankenkassen für die Zukunft sind hier natürlich nicht darstellbar.

Pressemitteilung der ACM:Fortbildung zu Cannabis als Medizin

Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) e.V. veranstaltet am 13. Mai 2017 eine Tagung zum Thema „Cannabis und Cannabinoide in der Medizin“. Ärztinnen und Ärzte, die eine Behandlung mit Medikamenten auf Cannabisbasis sowie Cannabisblüten anbieten möchten, können sich hier entsprechend fortbilden. Dies ermöglicht ihnen, Patienten mit verschiedensten Krankheiten eine weitere Therapieoption zu eröffnen. Die Tagung erfolgt in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Hessen dem Dezernat für Personal und Gesundheit / Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main.

Experten aus verschiedenen Fachbereichen berichten auf der Tagung über die neuen rechtlichen Rahmenbedingungen einer Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten. Sie stellen Daten zu wichtigen Indikationen und theoretischen Grundlagen vor und vermitteln Kenntnisse zur Auswahl geeigneter Medikamente sowie der Verschreibung, Dosierung und zu möglichen Nebenwirkungen. Weitere praxisrelevante Themen, wie etwa die Teilnahme von Patienten am Straßenverkehr, stehen ebenfalls auf dem Programm.

Durch eine Gesetzesänderung im März 2017 sind Cannabisblüten in Deutschland zu einem Medika¬ment geworden, das von jeder Ärztin und jedem Arzt auf einem Betäubungsmittelrezept verschrie¬ben werden darf. Bisher war dazu eine Ausnahmeerlaubnis bei der Bundesopiumstelle in Bonn erfor¬derlich. Gleichzeitig wurden die gesetzlichen Krankenkassen verpflichtet, unter bestimmten Voraus¬setzungen eine Therapie mit cannabisbasierten Medikamenten, wie Dronabinol, Nabilon und dem Cannabisextrakt Sativex® sowie mit Medizinalcannabisblüten und daraus hergestellten Extrakten, zu erstatten.

Cannabis und Cannabinoide in der Medizin
Eine Veranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin e.V. in Zusammenarbeit mit der Ärztekammer Hessen und dem Dezernat für Personal und Gesundheit / Drogenreferat der Stadt Frankfurt am Main

Termin: Samstag, den 13. Mai 2017 von 10:00 Uhr bis 18:00 Uhr
Ort: Haus Ronneburg, im Saalbau Ronneburg, Gelnhäuser Str. 2, 60435 Frankfurt am Main

Programm und Anmeldung: www.cannabis-als-medizin-2017.de

Für Rückfragen steht Ihnen zur Verfügung:
Dr. med. Franjo Grotenhermen, ACM e.V., Am Mildenweg 6, 59602 Rüthen
Tel. 02952-9708572
E-Mail: info@cannabis-med.org

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