11
Feb
2017

Klima-Aussichten


Der Bundesrat winkt am 10.02. 2017 das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin durch.
Patienten winken diesem Ereignis inzwischen hoffnungsfreudig zu.
Winken Ärzte hierzulande nun diese in nahezu 20 Jahren erkämpfte gesetzliche Neuerung einer Cannabis-Verschreibungsmöglichkeit womöglich mehrheitlich ab?

Im sozialen Netzewerk Facebook nimmt die Zahl der von Patienten lancierten Medizin-Cannabis-Informations- und Aufklärungsseiten zu, aber allenthalben sind dort verdrossene Kommentare zu lesen wie etwa „Mein Arzt stellt mich in die Junkie-Ecke“ oder „Mein Doc meint, er darf keine Betäubungsmittel verschreiben“, bis hin zu ärztlichen Bemerkungen wie „Dafür gibt es andere Mittel; Drogenkonsum ist keine Lösung bei gesundheitlichen Problemen“ oder auch „Ich habe als Arzt schlicht nicht die Zeit mich um aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen zu kümmern, mich auf dem Laufenden zu halten, weil Dokumentation, Abrechnung und sonstige Praxis-Bürokratie mich zeitlich total auffressen.“
Einer schrieb sinngemäß – bezogen auf das Ärzte-Wissen zu Cannabis und die mögliche Verschreibung –  „es dürfe von einem Opel-Mechaniker nicht erwartet werden, dass er sich in der Reparatur von VW- oder BMW-Modellen auskenne…“

Es wäre daher blauäugig zu glauben, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes im März 2017 würde sich von einem auf den anderen Tag alles zum Guten wenden.

Vereinzelt dürfte das Arzt-Patienten-Klima sogar deutlich schlechter werden, wenn die Suche nach aufgeschlossenen Ärzten künftig immer dringlicher wird und verzweifelte Patienten in Ballungsräumen telefonisch selbst erstellte Listen abarbeiten, um auf diese Weise  herauszufinden, ob angerufene Mediziner zu den „Cannabis-Verschreibungswilligen“ gehören oder nicht.

Absehbar scheint daher, dass man ab März 2017 trotz neuem Gesetz als nicht mit Cannabis oder Cannabisprodukten versorgter Patient noch ein paar weitere Jahre an Geduld aufbringen muss, bis die genannten Mittel so häufig verschrieben werden wie es medizinisch tatsächlich notwendig und sinnvoll wäre.
Ebenso wie der in Gründung befindlichen Cannabisagentur noch ein paar Jahre zugestanden werden müssen, bis sie mit kompetenten Mitarbeitern bestückt ist, Lizenzen vergibt, Ernten aufkauft, in Zusammenarbeit mit Produzenten und „apothekischem Dealwesen“ Versorgungslücken-frei funktioniert und endlich behauptet werden kann: „Läuft!“

Diese (wenigen?) Jahre bis „Läuft!“ gilt es für viele Kranke irgendwie zu überbrücken.
Eigenanbau und einhergehender Antrag auf Erlaubnis zum Eigenanbau von Cannabis wäre für gärtnerisch talentierte Patienten zumindest eine Brücken-Option. Alle Übrigen sind dazu verdammt Klinken zu putzen, zu erklären, zu bitten, zu bittstellen, zu versuchen zu überzeugen und ein entspanntes Klima zu schaffen, in einer im Grunde menschlich hochdramatischen Situation, nämlich der eigenen Krankheit…

– Axel Junker –

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17
Sep
2016

SCM-STELLUNGNAHME


Einzelsachverständiger Maximilian Plenert (Akzept e.V.) sowie Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin

Stellungnahme

Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung „Entwurf eines Gesetzes zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und anderer Vorschriften“ BT-Drucksache 18/8965 sowie
Antrag der Fraktion DIE LINKE. „Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend gewährleisten“ BT-Drucksache 18/6361, Gesundheitsausschuss-Sitzung am 21.09.2016 in Berlin

Sehr geehrter Herr Vorsitzender,
sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete,
zu den Anträgen zum Thema Cannabis als Medizin im Rahmen der Anhörung des Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages am 21. September 2016 nehme ich und das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin hiermit gerne Stellung.

1. Zur Person und Akzept e.V.:
Ich bin Mitglied im Vorstand von Bundesverband für akzeptierende Drogenarbeit und humane Drogenpolitik – akzept e.V. sowie Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin so wie dessen Selbsthilfenetzwerk (SCM). Angestellt bin ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Deutschen Hanfverband.
Als Patient mit Ausnahmegenehmigung zur medizinischen Verwendung von Cannabis bin ich selbst Betroffener der aktuellen und zukünftigen Rechtslage. U.a. als Leiter einer Berliner Selbsthilfe Gruppe zum Thema Cannabis als Medizin, bin ich regelmäßig mit zahlreichen kranken Menschen im Kontakt und kann aus erster Hand über Alltag, Probleme und Schicksale berichten.

Seit über 25 Jahren tritt akzept e.V. für eine Normalisierung im Umgang mit illegalisierten Drogen ein. Als Dachverband zählen wir neben Einrichtungen der Drogenhilfe, auch Organisationen der von Drogenpolitik Betroffenen und Konsumentinnen wie AIDS-Hilfen, Selbsthilfegruppen und Elternorganisationen zu unseren Mitgliedern.
Zusammen mit der Deutschen AIDS-Hilfe, dem JES Bundesverband e.V. sowie zahlreichen weiteren Organisationen und Einzelpersonen geben wir seit 3 Jahren den alternativen Sucht- und Drogenbericht als kritischen Gegenentwurf zum offiziell Bericht der Bundesregierung heraus. Das Thema „Cannabis als Medizin“ wird regelmäßig darin behandelt.

2. Zum Gesetzentwurf der Bundesregierung
Das Gesetz hat seiner grundsätzlichen Intention nach das Potenzial Deutschland zu einer führenden Nationen im Bereich Cannabis als Medizin zu machen. Für die Praxis werden mit diesem Gesetz jedoch erneut Hürden errichtet, die eine angemessene Versorgung von Patienten mit Cannabis oder Cannabisprodukten kaum möglich machen. Der „Schwarze Peter“ wird von der Politik zu den Ärzten, Krankenkassen sowie deren medizinischen Dienst geschoben. Wenn am Gesetz nicht nachgebessert wird, könnte es ähnlich wie bei der Diamorphinbehandlung dazu führen, dass die Anwendung von Cannabis als Medizin zwar legal wäre, aber praktisch kaum zum Einsatz kommen kann.

Anlass für den Gesetzentwurf ist leider nicht die späte Erkenntnis der Bundesregierung, dass Cannabis für viele Schwerkranke eine mögliche Therapieoption ist. Der Gesetzentwurf wird als alternativlos angesehen, um den Eigenanbau durch Patienten zu verhindern. Diejenigen Verantwortlichen, die ein solches Cannabis-Eigenanbau-Verhinderungsgesetz befürworten werden sich darauf gefasst machen müssen, dass Gerichte auch künftig die Voraussetzungen des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes anerkennen werden und Genehmigungen für den Eigenanbau durch Patienten erteilt werden.

3. Zum Antrag „Zugang zu Cannabis als Medizin umfassend gewährleisten“
Die LINKE greift in ihrem Antrag zahlreiche wichtige Themen auf, auch wenn Teile des Antrages durch den Regierungsentwurf berücksichtigt werden. Die Regierung muss Sorge dafür tragen, dass Patienten, die Cannabis gebrauchen anders als heute zuverlässig vor polizeilichen Kontrollen aufgrund ihrer Medizin geschützt werden. Insbesondere im Bereich Führerscheinrecht muss in der Praxis eine Gleichbehandlung von Cannabis als Medizin mit vergleichbaren Medikamenten sichergestellt werden.
Die LINKE fordert zudem wie auch die Regierung in ihrem ersten Entwurf eine vollständige Umstufung von Cannabis in die Anlage III BtMG. Diese Umstufung von Cannabis wäre ein gewaltiger und begrüßenswerter Schritt zur Normalisierung und würde eine erhebliche Verbesserung für die medizinische Verwendung sowie die Erforschung von Cannabis mitsichbringen, ohne am Verbot außerhalb dieses Einsatzgebietes etwas zu ändern.
Die Notwendigkeit, Forschung im Bereich Cannabis als Medizin aktiv zu fördern, ist unabdingbar.

4. Zu Cannabis als Medizin
Cannabis ist kein Wundermittel, sondern ein eher schwaches, aber vielfältig wirksames Medikament mit wenigen – nur leichten Nebenwirkungen. Die Stärke von Cannabis liegt nicht in der spezifisch hohen Wirksamkeit bei einer bestimmten Diagnose, sondern in ihrem komplementären Wirkungen bei mehreren gleichzeitigen Leiden. In Summe ergibt sich ein sehr gutes Verhältnis von Wirkung zu Nebenwirkungen und Risiken. Leider wird ein solches Wirkprofil bei klinischen Studien und Nutzenbewertungen kaum erfasst.
Cannabis kann helfen andere Medikamente zu ersetzen und damit auch deren einhergehende Nebenwirkungen zu vermeiden. Es kann anstelle von Medikamenten genutzt werden, welche gefährliche Wechselwirkungen erzeugen können oder wenn spezielle Unverträglichkeiten bestehen. Durch dieses bessere Verhältnis von Wirkungen zu Nebenwirkungen bei der Gesamttherapie kann die Compliance erheblich gesteigert werden. Dies ist insbesondere bei chronischen Krankheiten eine therapeutisch überaus wertvolle Wirkung.

4.1. Studienlage und der Einsatz von Cannabis als Medizin
Die schlechte Studienlage wird sich voraussichtlich erst mittelfristig bessern. Mit dem Einsatz von Cannabis als Medizin in der Praxis sollte allerdings nicht auf weitere Studien hingewartet werden. Die Evidenz der gelebten Therapieerfolge von Millionen medizinischen Cannabis-Nutzern weltweit ist ausreichend Grundlage für einen wohlüberlegten Einsatz schon heute.
Angesichts des Potenzials von Cannabis als Medizin und der Möglichkeit die Leiden von Schwerkranken zu lindern, wäre es ethisch unverantwortlich auf weitere Studien zu warten, und das vorhandene medizinische Potenzial nicht zu nutzen. Unter Beachtung aller Regeln ärztlicher Kunst sollte – sofern der Einsatz bei einem konkreten Patienten plausibel ist – oder wie es im Gesetzentwurf heißt: „eine nicht ganz entfernt liegende Aussicht auf eine spürbare positive Einwirkung auf den Krankheitsverlauf oder auf schwerwiegende Symptome besteht“ – ein Therapieversuch unternommen werden.

Dies gilt insbesondere bei „austherapierten“ und schwerkranken Patienten, ebenso aber für zahllose Kranke, die nicht als austherapiert gelten und nicht sämtliche gängigen Medikamente mit unwägbaren Nebenwirkungen durchprobieren wollen, bevor sie Cannabis erhalten. Die Risiken durch einen Therapieversuch sind in der Regel überschaubar und im Vergleich zum möglichen Therapieerfolg bei nur geringen Nebenwirkungen das geringere Übel.

Für viele Diagnosen wird es vermutlich nie klinische Studien durch die Pharmaindustrie geben, beispielsweise wenn Cannabis nur für eine bestimmte Subgruppe von Vorteil – bezogen auf alle Patienten jedoch weniger wirksam ist als andere Mittel.

5. Zu den Details im Gesetz

Die Therapieentscheidung für Cannabis als Medizin muss bei Arzt und Patient liegen. Die Kostenübernahme sollte bei dabei regelhaft erfolgen. Nach heutigem Stand kann auch aus Sicht des SCM bestätigt werden, dass der Einsatz von Cannabis sich gesundheitlich und sozial lohnt und dies bereits vielfach bewiesen hat. Fakt ist allerdings auch:, dass sofern ab dem 1.1.2017 das Gesetz wie geplant beschlossen wird, die Rechtslage deutlich weiter sein wird als die widerstrebende Stimmung der Krankenkassen, der Ärzte und Apotheker oder sonstiger Verbände. Trotz klar formulierter Ziele des „Cannabis als Medizin“-Gesetzes haben sich die Krankenkassen bislang nur äußerst skeptisch zum Thema Kostenerstattung geäußert.

5.1. Teilnahmezwang und Forschungsdefizit
Der faktische Zwang im Gegenzug für eine Kostenerstattung an der angedachten Begleiterhebung teilzunehmen ist medizin-ethisch und datenschutzrechtlich äußerst fragwürdig.
Die Maßnahme ist zudem weder erforderlich noch geeignet. Eine Begleiterhebung ist keine Forschung. Es werden ausschließlich Daten, die ohnehin anfallen, zusammengetragen. Das dafür vorgesehene Budget ist knapp bemessen. Die auf diese Weise gewonnenen Daten alleine sind als Grundlage für ordentliche Empfehlungen des Gemeinsamen Bundesausschuss zur regulären Kostenerstattung von Cannabis bei bestimmten Indikationen völlig unzureichend.

Cannabis sollte nach den gleichen wissenschaftlichen Standards verschrieben werden wie andere Medikamente. Daher brauchen wir hierzulande mehr wissenschaftliche Forschung. Im zur Debatte stehenden Gesetz ist nach unserer Einschätzung kein wirksamer Ansatz vorgesehen bisher versäumte Studien- und Forschungsarbeiten aufzuholen. Das Gleiche gilt für den Nachhohlbedarf bei der ärztlichen Fortbildung.

5.2. Antrag auf Kostenerstattung und Prüfung durch den MDK

Für eine mögliche Kostenerstattung muss man als Patient vor der Therapie einen Antrag hierzu bei der Krankenkasse stellen. Die Regelung auf Versorgungs-Anspruch mit Cannabis ist ähnlich der heutigen Kriterien für eine Ausnahmegenehmigung: Man muss austherapiert sein und der Einsatz von Cannabis muss plausibel sein. In der Praxis werden die Krankenkassen den Medizinischen Dienst beauftragen jeden Einzelfall zu prüfen. Wie welche Krankenkasse bei welcher Diagnose agieren oder reagieren wird, darüber kann heute nur spekuliert werden.

Die bisherigen Erfahrungen von Patienten mit einer Ausnahmeerlaubnis zur Verwendung von Cannabis weisen aber darauf hin, dass der MDK erstmal grundsätzlich davon ausgeht, dass es Therapiealternativen gäbe.

Die Wissenslücken der meisten Ärzte bei Cannabis als Medizin werden hier eine verschärfende Rolle spielen. Selbst wenn ein Arzt prinzipiell gewillt ist, Cannabis zu verschreiben, wird er ohne eigene fundierte Kenntnisse im Streifall sich kaum mit den Krankenkassen anlegen. Woher aber soll diese erforderliche Sachkunde kommen, wenn sie an den Universitäten nicht vermittelt wird, nachdem Cannabis jahrzehntelang als „Rauschgift“ verschrien, aber nicht als wirksames Heil- und Linderungsmittel anerkannt worden ist? Diese Wissenslücken in Kombination mit der unausgegorenen Sozialbürokratie zur Kostenerstattung werden der Auffassung des SCM nach der enge Flaschenhals beim Einsatz von Cannabis als Medizin werden.
Unserer Meinung nach sollten dringend finanzielle Mittel für ärztliche Fortbildungen zu Cannabis als Medizin zur Verfügung gestellt werden, um diesen Missstand zu beheben.

Für die Wirkung von Cannabis bei einer Vielzahl von Erkrankungen gibt es bislang kaum wissenschaftliche Erkenntnisse, auf die der MDK zur Beurteilung zugreifen könnte. Wahrscheinlich werden diese im Ergebnis der Forschungsübersicht, die das BMG in Auftrag gegeben hat, gar nicht erst auftauchen.

Patienten mit einer Ausnahmeerlaubnis haben diese Überprüfung im Antragsverfahren bereits hinter sich gebracht. Bei heutigen Erlaubnisinhabern sollten daher die Kosten in Zukunft regelhaft von den Kassen übernommen werden und diese nicht nochmal den Nachweis der Austherapiertheit erbringen müssen, wie es der MDK wiederholt verlangt hat.

5.3. „Austherapiert“
Die zwingende Notwendigkeit sich vor einer Kostenerstattung „austherapieren“ zu lassen, stellt einen massiven Eingriff in die Rechte der Patienten und in die Therapiefreiheit dar. Medikamente, die im Vorlauf einer ärztlichen Cannabis-Verordnung eingenommen werden müssen, haben mitunter erhebliche Nebenwirkungen für gesundheitlich ohnehin belastete Patienten. Es steht zu befürchten, dass der MDK pauschal ein ärztliches Maximalprogramm am Patienten verlangt und jede Abweichung davon gesondert begründet werden muss.

Es ist irrational, wenn die Entscheidung für oder gegen einen Therapieversuch mit Cannabis nicht auf einem Nutzen-Risiko-Vergleich basiert. Das Gesetz fordert praktisch, dass Ärzte jedem Patienten bei z.B. ADHS oder Schmerzen immer erst Amphetamine oder Opiate verschreiben sollen, bevor Cannabis auch nur in Frage kommt.

5.4. Hürde bei der Kostenerstattung: „Keine Praxisbesonderheit“

Noch gravierender ist, dass selbst wenn die jeweilige Krankenkasse die Kosten für den Bedarf an Cannabis prinzipiell übernehmen würde, so muss dieses zulasten des Budget des Arztes gehen. Einem Psychiater stehen beispielsweise pro Jahr pro Patient nur Mittel für etwa 20 Gramm Cannabis pro Jahr zur Verfügung. Der durchschnittliche Vierwochenbedarf eines Patienten beträgt heute jedoch etwa 50 Gramm. Auf diese Weise wird es kaum einem Arzt möglich sein mehrere Patienten gleichzeitig behandeln zu können.

Ärzte sind verpflichtet innerhalb ihrer Budgets zu arbeiten. Normalerweise können – insbesondere bei Fachärzten – bei bestimmten Diagnosestellungen besonders teure Medikamente nicht zulasten des Praxisbudgets verordnet werden. Dies ist besonders für die Behandlung von chronisch kranken Menschen relevant und üblich.
Cannabis wird aber nicht als mögliche sogenannte „Praxisbesonderheit“ eingestuft. Damit geht das Geld für etwaige Cannabis-Blüten direkt vom allgemeinen Praxisbudget des verordnenden Arztes ab.

Kein Kassenarzt wird es sich leisten können seinen fachlichen Schwerpunkt auf die Behandlung mit Cannabis als Medizin zu legen und sich zu spezialisieren.
Ein Cannabispatient kostet relativ viel im Vergleich zum Durchschnitt anderer Patienten. Selbst wenn andere Medikamente möglicherweise wegfallen oder reduziert werden können, wird die Versorgung eines einzelnen Patienten mit Cannabis das vorgesehene Budget um ein Vielfaches übersteigen. Es mag Fälle geben, in denen Cannabis günstiger ist, aber das ist nach unserer Kenntnis eher die Ausnahme. Zu welchem Preis Cannabis künftig angeboten wird, ist noch unklar, aber überaus relevant für die Praxis.
Damit könnte die vom Gesetz geplante Kostenerstattung in vielen Fällen trotz des Erstattungsanspruches an der Belastung des Praxisbudgets scheitern.

5.5. Kosten für das Gesundheitssystem
Medizinisches Cannabis ist im Vergleich zu Cannabis vom sog. „Schwarzmarkt“ und anderen Medikamenten relativ teuer . Der Preis von 15-25 € pro Gramm für Cannabis der Firma Bedrocan in Deutschland ist ein Ergebnis der rechtlichen Rahmenbedingungen. In Zukunft dürfte es als Rezepturarzneimittel zu einer weiteren erheblichen Verteuerung kommen. In Kanada kann die gleiche Firma Patienten allerdings schon für 3,40 € pro Gramm versorgen.

Den Kosten für das Medikament Cannabis stehen jedoch die heutigen finanziellen Auswirkungen durch unzureichende Behandlungen, sich daraus ergebende Arbeitsunfähigkeit sowie infolge von Polypharmazie mit erheblichen Wechselwirkungen und Nebenwirkungen gegenüber.

6. Die Freiheit selbst anbauen zu dürfen

Cannabis als Medizin muss in Apotheken in geprüfter Qualität zur Verfügung stehen. Im Alltag allerdings werden Patienten an Kosten und sozialbürokratischen Hürden scheitern, deshalb gibt es keine sachlichen Gründe für die Weigerung der Regierung diesen Menschen den Eigenanbau von Cannabis zu medizinischen Zwecken zu erlauben. Nachdem selbst der Patient Michael F., der im April das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts Leipzig (BVerwG 3 C 10.14) erstritten hat, bis dato noch immer nicht über seine Genehmigung verfügt, kann an diesem Fall exemplarisch aufgezeigt werden wie mit Kranken verfahren wird, obgleich höchstrichterliche Urteile auf ihrer Seite stehen.

Der Anbau von Cannabis als Medizin durch Patienten oder nicht kommerzielle Dritte stellt eine unbürokratische, aber durchaus wirksame Lösung da. Eigenanbau behebt das Problem der Kosten zugunsten des Patenten ebenso wie zugunsten der Solidaremeinschaft. Patienten haben damit die Möglichkeit gezielt jene Sorten zu nutzen, die bei ihrer jeweiligen Indikation am Besten helfen.

Der Einwand „Patienten müssen vor nicht qualitätsgeprüften Cannabisprodukten geschützt werden“ ist für Betroffene blanker Hohn, weil für kranke Menschen nicht streng standardisiertes Cannabis besser ist als kein Cannabis. Konsequenz aus der Nichterlaubnis des Anbaus durch Patienten wiederum ist die strafrechtliche Verfolgung. „Zum Eigenschutz der Betroffenen“ – so als ob Strafverfolgung die bessere Therapie-Option darstellt.

Andere Länder machen vor, dass und wie Eigenanbau von Cannabis durch Patienten ohne aufgezwungene Standards weder zur Verschlechterung des Gesundheitszustandes – noch zu einem Patienten-Massensterben führt.

Die Option, Cannabis zu eigentherapeutischen Zwecken straffrei selbst anzubauen, muss für schwer Kranke daher zumindest so lange gegeben sein, (und zwar nicht allein unter dem Gesichtspunkt des medizinisch gerechtfertigten Notstands nach § 34 StGB), bis eine zufriedenstellende Lösung für einen reale Versorgung mit für Patienten wirksamen Cannabissorten gewährleistet werden kann.
Chronisch oder schwer Kranken ist nicht zuzumuten, weiterhin über ungewisse Zeiträume bis zur Umsetzung und Nachbesserung des Gesetzentwurfs vertröstet zu werden und dadurch gesundheitliche Schädigungen bis hin zum Tod in Kauf zu nehmen.

7. Nichtbeteiligung Betroffener
Ausdrücklich kritisiert werden muss an dieser Stelle die Nichtbeteiligung des Selbsthilfenetzwerk Cannabis-Medizin (SCM) an diesem Gesetz. Das SCM vertritt genau jene Patienten, die vom aktuell unzulänglichen – aber auch vom künftigen Gesetz betroffen sind. Ihre Bemühungen sich bereits bei der Entstehung des Referentenentwurfs einzubringen wurde seitens der Verantwortlichen im BMG ignoriert. Diese Patienten waren es jedoch, die Cannabis als Medizin durch etliche Klagen und Gerichtsverfahren gegen die Regierung überhaupt erst in der heutigen Form ermöglicht haben.

8. Potenzial und Ausblick
Aufgrund der Daten aus Kanada, den USA und Israel wird angenommen, dass über eine Million Menschen in Deutschland von Cannabis als Medizin profitieren könnten. Derzeit dürfen aber lediglich 700 Menschen Cannabisblüten legal kaufen, weitere erhalten Sativex und Dronabinol. Die Differenz aus dieser Rechnung sind unzählige kranker Menschen, die heute unnötig leiden, weil ihnen der Zugang zu Cannabis als Therapieoption verweigert oder erheblich erschwert oder mit finanzieller Pleite vergolten wird.
Die Gesetzeslage zu Cannabis als Medizin muss sich deshalb daran messen lassen, wie viele Menschen, denen Cannabis helfen könnte, es als reale Therapieoption zur Verfügung steht. Die politische Verantwortung liegt beim Gesetzgeber.

Wie komplex das Thema Cannabis als Medizin in der Praxis ist und wie viele Punkte in Zukunft noch beachtet werden müssen, zeigt eine Untersuchung zum Zugang zu Cannabis als Medizin aus Patientensicht. Die Organisation „Americans for Safe Access“ hat im letzten Jahr eine Untersuchung zum Zugang zu Cannabis als Medizin in den 34 US-Bundesstaaten sowie Washington D.C. mit entsprechen Gesetzen veröffentlicht. Darin wird aus Patientensicht die rechtliche und praktische Situation in jedem Staaten beschrieben und bewertet. Es werden die Kategorien Patientenrechte und zivilrechtlicher Schutz vor Diskriminierung, Zugang zur Medizin selbst und insbesondere die Regeln für Verkaufsstellen, die Zugangsbedingungen sowie die Praxistauglichkeit bewertet.

9. Fazit
Cannabis als Medizin gehört in die Hände von Ärzten, Apothekern und Patienten. Es braucht Normalität bei der Therapiefreiheit, Kostenerstattung, Reisefreiheit und bei jeder anderen rechtlichen Fragestellung. Nicht mehr und nicht weniger ist das Patienteninteresse, das im Mittelpunkt dieser Debatte stehen muss.
Die Gesamtsituation hierzulande ist für betroffene Patienten dramatisch. Hinter jedem Erlaubnisinhaber steckt ein persönliches Schicksal aus Krankheit, finanzieller Ausblutung, Repressionserfahrungen und Ausgrenzung. Auf jeden Erlaubnisinhaber kommen unzählige Personen, denen Cannabis nur illegal helfen kann.

Täglich leiden viele Hunderttausende an Schmerzen oder anderen chronischen Erkrankungen, weil Cannabis für sie nicht erreichbar ist und nicht erstattet wird. Falls eine Erstattung künftig nur „in eng begrenzten Ausnahmefällen und ausschließlich bei fehlender Therapie-Alternative“ erfolgt, nachdem die Widerstände beim Arzt, der Krankenkasse und dem MDK überwunden sind und die Budgetierung der Ärzteschaft die Verordnung adäquater Cannabis-Mengen unmöglich macht, so wird dieses Gesetz für viele Betroffene kaum das Papier wert sein, auf das es gedruckt werden soll.

Patienten wissen, dass es besser geht…

Maximilian Plenert, unter Mitwirkung von Gabriele Gebhardt (SCM-Sprecherin) und Axel Junker (Stellv. SCM-Sprecher), Sept. 2016

Zeitenwechsel

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12
Feb
2016

Spiel auf Zeit. Spiel mit Leid.


002

Ähnlich abgezockten Versicherungskonzernen, in denen oft mit unmenschlichen Hinhalte-Taktiken gegenüber der Versicherten-Klientel gearbeitet wird, um hohe Geldauszahlungs-Beträge zu umgehen bzw. deutlich zu reduzieren, scheint auch im Bundesministerium für Gesundheit ein relativ starkes Interesse daran zu bestehen, direkt von Patienten eingebrachte Wünsche und Vorschläge zur Verbesserung der Cannabis-Medizin-Regulierung und Kostenerstattung schlicht zu missachten oder auf die lange Bank z schieben, um schließlich eigene – absehbar jedoch viel zu kleine – Cannabis-Versorgungs-Brötchen zu backen.

Innerhalb des SCM wird es als Unding empfunden, dass wiederholte Anschreiben des SCM an das BMG mit konkreten Bitten und Ideen zur Ausgestaltung des Gesetzes nicht beantwortet wurden.
Gesetzesentwürfe zur Verbesserung der Situation bisher menschenunwürdiger Umstände bei Kranken, die gesundheitlich von Cannabis profitieren (könnten), sollten nach SCM – Auffassung die vitalen Interessen der Patientenschaft selbst berücksichtigen und sie nicht einfach wie vom Hohen Ross herunter ignorieren.

Dieses arrogante Verhalten auf BMG-Seite gegenüber eingebrachten Patientenwünschen hat dazu geführt, dass der vorliegende Referenten-Entwurf nunmehr eine Kosten-Erstattung für Cannabis lediglich für einen eng begrenzten Kreis chronisch Kranker vorsieht.
Dieser Personenkreis muss sich überdies verpflichten an einer Begleit-Studie teilzunehmen. Wer nicht chronisch krank ist oder andere vorgegebene Kriterien nicht erfüllt, der muss medizinischen Cannabis weiterhin aus eigener Tasche zahlen. Wenn er ihn überhaupt bekommt. Denn…

Die Bundesärztekammmer stellt sich gegen den Entwurf. Auch der GKV-Spitzenverband befürchtet, die Pläne von Bundesgesundheitsminister Gröhe, Patienten den Zugang zu Cannabis zu erleichtern, könne die Kassen teuer zu stehen kommen, der Patientenkreis solle deshalb stark eingeschränkt werden. Der BKK-Dachverband kommt mit Argumenten von „THC-Wirkstoffsteigerungen in den vergangenen 30 Jahren von 3 auf 12 %“ um die Ecke und mit unsachlichen Referentenentwurf-Gegengründen, die „steigendes Risiko, geringe Evidenz und unerwünschte Ereignisse“ zum Inhalt haben.

Allenthalben Ablehnung. Überall nur Eigeninteresse. Keinerlei Verständnis für das Leid von Patienten und die Möglichkeit, kranke Menschen mittels Cannabis-Therapie gesunden zu lassen oder ihnen einen Zugewinn an Lebensqualität zu verschaffen.

Zwar wird Cannabis künftig aus der Betäubungsmittel-Anlage I in die Anlage III übernommen, was ihn ärztlich verschreibungsfähig macht.
Allein die Anzahl derjenigen Ärzte aber, die sich ganze 8 Jahre nach erstmaliger Schaffung der § 3 BtMG – Antragsmöglichkeit hierzulande tatsächlich traut, darbenden Patienten Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten zu verschreiben, ist kläglich. Sie wird es auf absehbare Zeit auch bleiben. Der Wissensstand zu Cannabis ist verheerend.

Ärzte sind nach vielen Jahren der „Cannabis ist Rauschgift“- Indoktrination nur ganz vereinzelt bereit „Neuland“ zu betreten. Nicht wenigen „Göttern in Weiß“ fällt es schwer sich einzugestehen, dass mancher einfache Patient mehr über die medizinische Wirkung von Cannabinoiden weiß als mancher Akademiker, dessen Reaktion sich nicht selten auf reflexhafte Abwehrhaltungen wie „Psychose-Risiko“ und „Abusus-Gefahr“ (Missbrauch) im Zusammenhang mit Cannabis erstreckt.

Die Themen „Flüchtlings-Krise“ und „Cannabis-Regulierung“ sollten in Statements wie diesem eigentlich nicht miteinander vermengt werden, aber es mutet schon äußerst befremdlich an, wenn schwer kranke Menschen schon länger als quälende fünfzehn Jahre um ihr Menschenrecht auf Cannabis als Medizin prozessieren müssen, während quasi im fixen Handumdrehen gesetzliche Regelungen geschaffen werden, die bedeuten, dass Abschiebungen anderer Menschen – die gelegentlich in Haft, Folter und Tod im Herkunftsland enden können – nunmehr künftig innerhalb dreier Monate bewerkstelligt werden sollen.
Verkehrte Welt – verrückte Zeiten.

Politik – so scheint es – ist mitunter ein schmutziges Geschäft.
Gesundheitspolitik ist an einigen ausgewählten Stellen ebenso dreckig.

Axel Junker

002

Referentenentwurf des Bundesministeriums für
Gesundheit

Gesetz zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher und
anderer Vorschriften

Stellungnahme der Patienten

Thema: Cannabisagentur
Die Schaffung einer unabhängig vom BfArM agierenden Cannabis-Agentur mit sachkundigen Mitarbeitern ist wünschenswert, nachdem kaum zu erwarten ist, dass die bisher beim BfArM betriebene Personalpolitik (mit sich daraus ergebenden wochenlangen Antrags-Bearbeitungsfristen und z.T. verloren gegangenen, bzw. nicht
wieder auffindbaren Anträgen) durch Gründung einer neuen BfArM-Abteilung eine signifikante Verbesserung der Situation verspricht.
Es wird angeregt, diese Agentur unabhängig und separat von den behördlichen Einrichtungen des BfArM zu errichten.
Die Souveränität bzw. Kenntnisstand der dort einzubringenden Sachbearbeiter wäre zu überprüfen.

Gründe:
– BfArM Kompetenzen bis dato mehr als fragwürdig,
– BfArM durch Interessengruppen gehandicapt (Pharmaindustrie – Anti-Cannabis-Kurs)
– Willkürliche, patientenferne Vorgehensweisen haben Vertrauen untergraben.

Thema: (Kostenerstattung durch GKV Zweiklassenmedizin, Willkür-Definitionen):
– Kostenerstattung für Blüten für chronisch Kranke nur „in eng begrenzten Ausnahmefällen“
– „Das Vorliegen der Voraussetzungen für eine Erstattungsfähigkeit hat die Krankenkasse in jedem Einzelfall unter Einbeziehung des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung zu prüfen.“
– Definition „Schwerwiegend chronisch krank“…(!?) – „Der Anspruch setzt des weiteren voraus, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht.“
Auch den Patienten steht ein Mitspracherecht auf ihre Therapie zu!
Wenn ein „nur“ chronisch kranker Patient von Cannabis profitiert, darf ihm die Erstattung nicht versagt werden, weil seine Erkrankung nach diesen Kriterien möglicherweise „nicht schwer genug“ ist…! Dies verstößt gegen den allgemeinen Gleichheitssatz. Jeder Patient hat das Recht, sowohl die „Schwere“ seiner Erkrankung mit zu beurteilen als auch ggf. Cannabis als Medizin präventiv einzunehmen, wenn sein Arzt dies für angezeigt erachtet!
Die Definition von „Schwerwiegend chronisch krank“ als Grundbedingung zur Therapie mit Cannabisprodukten festzulegen, erscheint willkürlich und repressiv.
Sollen so z.B. Präventivmaßnahmen vereitelt werden, die einer späteren Chronifizierung vorbeugen könnten? (Cannabis verhindert nachweislich z.B. präventiv Alzheimer, Brustkrebs und Diabetes Typ II, erhöht Mobilität bei leichteren Schmerzerkrankungen, beugt Depressionen vor.)

Es wird daher angeregt, die Vorgabe der Prüfung einer Kostenerstattung durch den MDK entfallen zu lassen, wenn die Therapie bereits vom Arzt für notwendig erachtet und Cannabis verschrieben wurde.

Vorschlag einer Änderung von ursprünglich
„Die Neuregelung im SGB V schafft parallel für Versicherte in eng begrenzten Ausnahmefällen einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten“.
in
„Die Neuregelung im SGB V schafft parallel für Versicherte in einen Anspruch auf Versorgung mit Cannabis in Form von Blüten oder Extrakten“.
Verschreibende Ärzte dürfen nicht in die Rechtfertigung gezogen werden nachzuweisen, dass eine allgemein anerkannte, dem medizinischen Standard entsprechende Leistung im Einzelfall nicht zur Verfügung steht, bzw. eine Therapie mit sämtlichen für die Behandlung der vorliegenden Erkrankung oder Symptomatik zugelassenen bzw. verfügbaren und verkehrsfähigen anderen Arzneimitteln keine weiteren Erfolge gezeigt hat. Es ist für die Patienten ohnehin schwer genug, aufgeklärte Mediziner anzutreffen. Werden die Hürden gleich zu Beginn derart hoch gesteckt, kann von einem „erleichterten Zugang“ kaum die Rede sein. Auch die
MDK sind anzuweisen, derartige Argumentationen zu Ungunsten der Ärzte-/Patienten-Compliance zu unterlassen.

Begründung:
– MDK sind ausbildungstechnisch nicht auf wissenschaftlichem Sachstand und ebenso von bestimmten Interessengruppen unterlaufen wie das BfArM.
Cannabis als Medizin wird von MDK-Seite fälschlicherweise als „hoch-risikoreich“ oder als „neue Behandlungsmethode mit ungewissem Erfolg“ angesehen und der Patient kann kaum mit einer Erstattung rechnen, wenn er sich nicht zuvor wenigstens einer so genannten „multimodalen Therapie“ unterzogen hat. Es besteht hier die realistische Befürchtung wie schon zuvor, dass (Kassen-)Patienten vor einer Cannabis-Erstattung erneut nachzuweisen haben, dass „andere Medikamente“ nicht helfen, bzw. zu hohe Nebenwirkungen generieren.

Thema: Teilnahme an Studie

„Der Erstattungsanspruch ist mit der Teilnahme an einer Begleitforschung, die bis Ende Dezember 2018 vorgesehen ist, verknüpft.“
Die vorgesehene Teilnahme an einer Begleitforschung sieht i.d.R. zumindest eine Übermittlung persönlicher Patientendaten an eine unklare Zielgruppe vor, welche hier ohne Einwilligung der Patienten und ihrer behandelnden Ärzte vorgenommen werden soll, bzw. eine Erstattung der Cannabis-Medizin strikt an diese Einwilligung geknüpft wird.
Diese unzumutbare Gängelei betrifft ganz offensichtlich nur gesetzlich Versicherte, wohingegen sich die privat Versicherten ganz frei und ihrer sensiblen Daten sicher fühlen dürfen. Damit verstößt diese Auflage zumindest gegen den allgemeinen Gleichheitssatz und ist in dieser Form abzulehnen.

Es wird daher angeregt, diesen Punkt komplett entfallen zu lassen, bzw. in eine allenfalls freiwillige Teilnahme (auch privat versicherter Patienten) umzugestalten.
Das Wohl schwer kranker Patienten darf nicht an Bedingungen geknüpft sein, welche ungleiche Bezugsvoraussetzungen schaffen und lediglich dem Aufholen bisher versäumter Studien- und Forschungsarbeiten zu dienen haben.

Thema: Alternativen

„Ein Eigenanbau von Cannabis durch Patientinnen und Patienten zur Selbsttherapie birgt die Gefahr von mangelnden Qualitäts- und Sicherheitskontrollmöglichkeiten und ist aus gesundheits- und ordnungspolitischer Sicht nicht zielführend.“
Die Option, straffrei Cannabis zu eigentherapeutischen Zwecken anzubauen, muss für schwer Kranke zumindest so lange gegeben sein, (und zwar nicht allein unter dem Gesichtspunkt des medizinisch gerechtfertigten Notstands nach § 34 StGB), bis eine zufriedenstellende Lösung zur kostenfreien, ununterbrochenen Versorgung mit für Patienten wirksamen Cannabissorten gewährleistet werden kann.
Chronisch schwer Kranken ist nicht zuzumuten, weiterhin über ungewisse Zeiträume bis zur Umsetzung des Gesetzentwurfs vertröstet zu werden und dadurch gesundheitliche Schädigungen bis hin zum Tod in Kauf zu nehmen.
Es wird angeregt, diesbzgl. zeitnah eine strafrechtlich vertretbare Übergangslösung zu schaffen, um schwer Betroffenen den weiteren (gesundheitlich schädlichen) Stress durch Strafverfolgung, Führerscheinverlust und/oder Ermittlungsverfahren zu ersparen.
Darüber hinaus wird daran anlehnend die strafrechtliche Überarbeitung des Cannabisbesitzes für die Patienten zwingend beantragt, will man diese Kranken nicht weiterhin willkürlichen Ermittlungsverfahren, Führerscheinentzügen oder Wohnungsdurchsuchungen aussetzen. Immerhin ist davon auszugehen, dass ein Patient mit einem Monatsbedarf in der Tasche oder in seinen Privaträumen sich strafrechtlich permanent „mit einem Bein im Knast“ befindet.

Es fällt schwer, an ein „Entgegenkommen“ der Regierung zu glauben, wenn man als Patient zwar sein Medikament „irgendwann“ bezahlt bekommen soll, aber weiterhin strafrechtlich als Schwer-Krimineller eingestuft bleibt.

Thema: Indikationsstellung

Obwohl um die verschiedenen Indikationsstellungen noch große Geheimnisse gemacht werden und sich die Schulmedizin ganz offensichtlich schwer tut, ihre profitablen Pharma-Pfründe aufzugeben, ist eine erhebliche Indikation leider noch mit Tabu behaftet, obwohl sich hier schon anekdotisch eine ganz neue Bandbreite auftut.
So wird angeregt, Cannabis offiziell als „Ausstiegs-Therapeutikum“ (Substitutions-Therapeutikum) aus Alkohol- und/oder Opiat-Abhängigkeit in die (ohnehin zu strikt gehandhabten) Indikationsstellungen mit aufzunehmen. Auch der Methadon-Entzug lässt sich mit Cannabis unproblematischer bewältigen als mit klassischen schulmedizinischen Methoden. (Anekdotische Erhebungen)
Die bisher vergebenen Indikationen über erteilte Ausnahme-Erlaubnisse sind beizubehalten und offiziell zu listen.

Thema: Wissenschaftlicher Sachstand und Ärzte-Weiterbildung

Es wird allgemein vermisst, wie die Einführung der neuen Betäubungsmittelverordnung bzw. der Indikationsstellungen und sonstigen Bedingungen zur Verschreibung von medizinischem Cannabis an Patienten in die bestehende Infrastruktur der durch Pharmakonzerne beherrschten Arzneimittel-Landschaft vorgesehen ist. Bis heute ist ein auffälliges Defizit an diesbzgl. Informationen bei sämtlichen Ärzten (aller Fachgebiete) zu beklagen und daher zu befürchten, dass eine Umstufung und ein Gesetzeserlass allein für viele Betroffene dennoch zum Debakel ausläuft, weil sie schlicht keinen begleitenden/verschreibenden Arzt finden, der sich auf diesem Gebiet sicher genug, bzw. den restriktiven Auflagen hinsichtlich der MDK gewachsen fühlt.

Es nun lediglich bei einer Umstufung in andere Betäubungsmittelklassen und Erleichterung im Verschreibungs- und Beschaffungswesen zu belassen, ohne eine flächendeckende, informative Markteinführung zu berücksichtigen, konterkariert ein ernsthaftes Interesse der Bundesregierung an einer realisierbaren Versorgung der Cannabispatienten.

Es wird darum angeregt, großflächig angelegte Schulungsprogramme für Ärzte -auch und besonders an die MDK – auszuschreiben sowie die Kenntnisse zu Cannabis als Medizin offiziell in den fakultativen Lernstoff eines jeglichen Medizinstudiums mit einzubinden.
Weiterhin sollten Schmerzschulungen der GKV für entsprechende Patienten erfolgen, in welchen sie über Cannabis als Medizin aufgeklärt und im sicheren Umgang mit der Arznei unterrichtet werden können. Hier sollte eine kompetente Sortenkunde mit chemischen Spezifitäten (Wechsel-/Nebenwirkungen) und diversen
Applikationsvarianten zu einer effektiven Therapie führen können.

Thema: Wirkstoff-Komponenten

In keiner Hinsicht wird im Referentenentwurf die Problematik der Patientenbedürfnisse angesprochen. Viele Patienten profitieren derzeit von CBD und wünschen sich auch für CBD oder CBD-haltige Präparate eine Kassenerstattung.
Es wird moniert, dass „Bediol“ zu schwankende Werte habe und für manche Patienen auch noch zuviel THC enthält. Es wird darum angeregt, neben der Verfügbarkeit und Erstattungsfähigkeit von
Cannabis(-Präparaten) auch CBD-haltige Blüten und Pflanzenteile ausdrücklich mit in den Gesetzestext aufzunehmen.
Analog dazu wäre es denkbar, das in den USA bereits zugelassene Medikament „Epidiolex“ (reines CBD) hier zu übernehmen und dessen Zulassung um entsprechende Off-Label-Use Indikationen zu erweitern.
Verschiedene Patienten sind bei bestimmten Erkrankungen / Therapien auf einzelne Wirkstoffe der Cannabinoidgruppe (CBN – CBG – CBC ) angewiesen. Sie brauchen dann nicht die Blüten mit allen Wirkstoffen, sondern ihnen würden unter Umständen einzelne Substanzen, auch in Kombination, besser helfen.
Hier wäre ein Anschub in die Forschung hilfreich, indem die Politik Ausschreibungen vergibt. Allgemein wäre es sicherlich auch für die Forschung hilfreich, das Wirkstoffspektrum der künftig angewendeten Präparate auszuweisen, soweit dieses nach wissenschaftlichem Stand entschlüsselt werden kann.

(SCM – Extrakt aus Patienten-Meinungen)
Mari Jo

008

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ws

Die Stellungnahme der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin zum Referentenentwurf kann hier nachgelesen werden http://www.arbeitsgemeinschaft-cannabis-medizin.de/stellungnahme-acm.pdf

healing hemp

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12
Apr
2015

Lügt sie oder färbt sie bloß schön?


Frage 31 im Rahmen einer kleinen Anfrage der Abgeordneten Tempel, Korthe, Birkwald u.A: von der Partei die LINKE an die Bundesregierung (Drucksache 18/4539 vom 02. April 2015):

>>Hat die Bundesregierung Kenntnisse von Lieferengpässen bei der Versorgung mit Medizinalcannabis, und falls ja, was sind nach ihrer Kenntnis die Ursachen für die Lieferengpässe, und in welchem Umfang kommen diese vor?<< Antwort der Bundesregierung: >>Die Bundesregierung hat Kenntnis über Lieferengpässe bei der Versorgung mit Medizinal-Cannabisblüten, die zu Beginn des Jahres 2011, zu Beginn des Jahres 2014 sowie am Ende des Jahres 2014 aufgetreten sind. Zuletzt konnten die vom deutschen Großhändler bestellten und vom BfArM zur Einfuhr genehmigten Mengen an Medizinal-Cannabisblüten nicht in vollem Umfang von den Niederlanden bereitgestellt werden. Die Lieferschwierigkeiten führten zu Verzögerungen von wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen<< Werte Bundesregierung, im aktuellen Jahr 2015 ist die Versorgung von Patienten mit importiertem Cannabis aus den Niederlanden zu medizinischen Zwecken die AUSNAHME, nicht die Regel. Seit Erst-Erteilung von 3 § Abs. 2 BtMG-Ausnahme-Genehmigungen ist die Anzahl der von der Bundesregierung genannten Jahre mit auftretenden Cannabis-Liefer- Ausfällen WESENTLICH höher als aufgelistet. Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis Medizin hat nahezu sämtliche Lieferausfall-Daten erfasst und hält angesichts der Schönfärberei von derart mit akuter Gesundheitsverschlechterung einhergehenden Zahlenmaterials auch die von der Bundesregierung genannten Ursachen für Lieferausfälle ("Mangelnde Bereitstellung an genehmigten Mengen") für nicht der Wahrheit entsprechend, denn aller Ausweitung niederländischer Produktionskapazitäten zum Trotz kommt es hierzulande inzwischen zu wesentlich längeren Medizinalcannabis-Lieferausfall-Zeiten als in sämtlichen Jahren zuvor. Überdies hat es nach SCM-Einschätzung deutliche Signale aus den Niederlanden an die Bundesrepublik Deutschland gegeben, eine eigene Cannabis-Agentur einzurichten und auf diese Weise das europaweite Bedrocan-Monopol zugunsten der Gesundheits-Interessen vieler deutscher Patienten aufzuweichen. -Axel Junker-

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14
Feb
2015

Cannabis-Neuregelungen? Aber bitte auf Patientenbedürfnisse ausgerichtet


Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin hat auf seiner Facebook-Seite einen Aufruf gestartet mit der Bitte, Patienten-Bedürfnisse und Erwartungen an und für die zum Jahr 2016 avisierten Änderungen in der bisherigen Cannabis als Medizin-Politik zu formulieren.

Einige der nachfolgend aufgeführten Kommentare wurden z.T. leicht gekürzt und sind in Original-Länge auf der SCM-FB-Seite nachlesbar.

Die dort abgegebenen Statements werden in schriftlicher Form dem Bundesgesundheitsministerium zugeleitet.
Das SCM und seine Mitglieder erwarten seitens des Bundesministeriums nicht allein Kenntnisnahme der Forderungsinhalte – sondern auch zeitnahe Umsetzung derselben.
Wir sprechen uns gegen Neu-Regelungen aus, die den aufgelisteten Patienten-Interessen zuwider laufen.

Gesundheitspolitik und involvierte Politiker werden an ihren konkreten, nutzbringenden Taten für Bürger – auch für kranke Bürger – und ebenso von kranken Bürgern – gemessen.

CANNABIS als Medizin REGELUNGS-FORDERUNGEN
(Patienten informieren Politiker)

Maximilian Plenert:
Normalität: normale Kostenerstattung, normale Versorgungssicherheit und normaler Zugang = Therapiefreiheit!

Josef Liebhart
Eigene Anbauflächen innerhalb Deutschland, gesicherte Versorgung, größere Sortenauswahl, Kostenübernahme.

Ann Lee
Eine gesicherte lückenlose versorgung, qualitativ hochwertiges material, auswahl an mehr als einer sorte (auch ein cbd lastiger strain sollte dabei sein) , kostenübernahme durch kk. cannabishaltige produkte wie dronabinol und co sind KEINE echte alternative, da viele patienten berichten es helfe ihnen nicht annährend so gut.

Ja Aber
..Bereitstellung eines regelmäßigen Etats in vernünftiger Höhe zur weiteren Erforschung von Cannabinoiden in der Medizin. Sofortige Einstellung von Strafverfahren gegen Leute, die aus eindeutig med. Gründen mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Klare Regeln bezüglich Führerscheinen…

Marco Perschbacher
Kostenerstattung durch die Krankenkasse, lückenlose Versorgung, Sortenvielfalt sollte erweitert werden.

Gabriele Gebhardt
Entscheidung über den Einsatz von Cannabis soll bei Arzt und Patient liegen, nicht bei einer Behörde

Gabriele Gebhardt
(Anmerkungen eines weiteren Patienten):
Versorgungssicherheit durch weitere Importe z.B. aus Israel bzw. Gründung einer dt. Cannabisagentur.
Reise- und Verkehrsfähigkeit von Cannabis Flos idealerweise im Schengenraum und USA bzw. alle Länder, die med. Cannabisprogramme haben.
Führerscheinthematik: es muss eine Lösung für Patienten gefunden werden, damit sie nicht von den Strassenverkehrsbehörden verfolgt werden.
Einführung eines „rechtssicheren“ Ausweises für Patienten und Schulung von Beamten, Ausweitung der Sortenvielfalt mit weiteren Varietäten und mind. einer starken Indica Sorte

Kurt Andreas Jakobs
Die Zugangsvoraussetzungen müssen stark gelockert werden. Es ist ein schlechter Witz, dass von einem Patienten verlangt wird, dass er sich durch die gesamte Palette an Chemikalien futtern soll um ein Naturprodukt zu erhalten, das ähnlich „schwierig“ zu kultivieren ist wie die Brennnessel.

Katrin Schäfer
vielleicht sollte man zusätzlich auch auf den Punkt „Eignung zum Führen von Maschinen“ mit aufgreifen… es wäre schön, wenn man nicht immer um seinen Führerschein bangen muß.

Karsten Pankonin
Vereinfachte Verschreibungsmöglichkeiten duch JEDEN Arzt ohne irgendwelche Auflagen duch das BfArM.
JEDER bedürftige Patient MUSS Cannabis nutzen können, wenn es ihm hilft.

Tatjana Ohler
Dronabinol hilft zwar etwas (meine Erfahrung), aber bei weitem nicht vergleichbar mit Blüten… Ansonsten sollte es eine einfache Möglichkeit des Bezuges geben, oder die, ähnlich wie bei Socialclubs selbst anzubauen…

Juergen Meixner
Eigenanbau von bis zu 6 Pflanzen pro Person (je nach Sorte und Ertrag), falls das nicht möglich ist, kann dieses Recht auf einen Anbauverein übertragen werden, dieser Verein kann gerne auch mit dem behandelnden Arzt und der Apotheke zusammen arbeiten.

Hägar Hover
Einrichtung einer „Cannabis Agentur“, um eine gesicherte Verfügbarkeit für medizinische Belange zu gewährleisten. Dies als Ergänzung für die Leute, die auch bei einer Freigabe nicht selber anbauen wollen.

Snippi de Kesse
Und ich fordere bei Razzien beschlagnahmte Cannabisblueten nicht wie üblich zu verbrennen, sondern den Patienten über z.B. die Apotheken oder besser noch direkt beim Zoll unter Vorlage der ganzen Zettelwirtschaft der Bfarm, direkt abzugeben… Ich fordere Cannabis Clubs wie z.B. auf Teneriffa.Die Sorten werden für Patienten und Mitglieder zum Selbstkostenpreis und auf Sortenwunsch angebaut. Jeder bekommt seine verordnete Menge gestellt.

Sin Semilla
Kostenübernahme durch die Krankenkasse für Cannabis Blüten ganz einfach,nicht mehr und nicht weniger. Einfach nur die vollständige Kostenübernahme für uns Blüten Patienten und dafür Sorge zu tragen, dass wir auch regelmäßig mit Cannabis Blüten versorgt werden .

Rasta Fari
ich fordere einen leichteren zugang zu cannabisblüten, -extrakte, usw. jedes andere medikament kann ein arzt auf rezept ausstellen. ich fordere außerdem einen, meinetwegen genehmigungspflichtigen, anbau von cannabis in selbsthilfegruppen bzw cannabis social clubs!

Fisch Fisch
Das vor allem bei cannabis produkten auch cannabis blüten mit einbezogen werden und nicht nur präparate wie sativex oder ähnliches.

Sabrina Pihale
Definitiv die Kostenübernahme durch die krankenkasse und wesentlich kleinere hürden wenn es einem hilft. Zudem keine Strafverfolgung. Andere importquellen oder eigener staatlicher anbau damit es keine Ausfälle mehr gibt..

Stefan Ruecker
Neuregelung der Führerscheinthematik durch z.B. Erhöhung der Nanogrammgrenze auf 5 ng für jegliche Konsumenten. Ausnahmegenehmigung für Cannabis-Patienten zum Führen eines Kraftfahrzeugs bis zu einer Nanogramgrenze von 10 oder mehr Nanogramm.

Steffen Geyer
– Über die Aufnahme von Cannabisblüten in den Leistungskatalog der GKV entscheidet der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, nicht der Gesetzgeber.
– Die Genehmigungsvergabe nach §3 ist gesetzlich bereits möglich und scheitert an der Auslegung der Vorschriften durch das BfArM.
– Versorgungssicherheit ist ohne kommerzielle deutsche Anbieter und deren kalkulierte Überproduktion (wohin mit dem unverkauften Resten?) nur durch Eigenanbau der PatientInnen realistisch.

Bliebe… als gesetzliche Maßnahme lediglich die Verschiebung von Cannabis aus Anlage I (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel) in Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel)….

… Dienstherr Gröhe könnte das BfArM anweisen, Anträge (insb. auf Eigenanbau) zügig positiv zu bescheiden, wenn vergleichsweise niedrigschwellige Voraussetzungen vorliegen (analog zur Aufbewahrung anderer BtM-Medikamente).
Dazu bedarf es im Zweifel einer Art „Positivliste genehmigungsfähiger Diagnosen“ …
Vielleicht könnte man nebenbei auf die Gründung einer „Deutschen Cannabisbehörde“ hinwirken, um in Zukunft bei Liberalisierungsbemühungen auf bestehende Bürokratie/Verwaltung verweisen zu können.
(Gekürzt)

Mari Jo
1. Anerkennung von Cannabis-Patienten als „Patienten“ – für jeden regelmäßig/täglich konsumierenden Mitbürger. (Weil imho bei den täglich/häufig gebrauchenden Nutzern eine Unregelmäßigkeit im Endocannabinoidsystem vorauszusetzen wäre)

2. Hürden in der Antragstellung abbauen! Keine Nachweise mehr für „austherapiert“, „Versuchskarnickel-Marathon“ oder stationäre Maßnahmen … keine Beschränkung von Indikationen – der Patientenwunsch ist zu respektieren!

3. Sofortige Einstellung von Straf- und Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-„Patienten“ im o.a. Sinn, hingegen sei eine ordentliche medizinische Begutachtung bzgl. Indikation zu stellen und eine verschreibungsfähige Dosierung zu ermitteln.

4. Sofortige Veranlassung der Rückgabe von einbehaltenen Führerscheinen an Cannabis-Patienten.

5. Flächendeckende Nachschulungsangebote für Ärzte sowie Einführung der Lehre zu Cannabistherapeutika in sämtliche entsprechende Ausbildungs-Fakultäten (Mediziner…!)

6. Erstattung aller verfügbaren Cannabispräparate durch Krankenkassen und Gründung einer Cannabis-Agentur.

7. Kartellbildung aufheben, mehrere Lieferanten zulassen sowie weit größere Variantenvielfalt der Blütensorten als bisher ermöglichen

8. Reisefreiheit für Patienten einführen, Exporterlaubnis erarbeiten
(gekürzt)

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