18
Okt
2011

Cannabisextrakt Sativex in der Apotheken-Umschau Juli 2011


Cannabismedizin_Sativex_Apothekenumschau_2011-07-15

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2
Jul
2011

„SATIVEX“ – schillernde Seifenblase mit „PLOP-Faktor“



Es ist gar nicht lange her, da ließ sich unsere Bundesregierung von der gesamten deutschen Presse mit der überraschend anmutenden Neuigkeit feiern, sie werde nunmehr Patienten ermöglichen, Cannabis legal als Medizin zu verwenden. Es werde 2011 ein erstattungsfähiges Medikament auf den Mark kommen.

"Cannabis bald aus der Apotheke" oder "Koalition erlaubt Cannabis auf Rezept" lauteten die vollmundigen Schlagzeilen noch im Sommer des vergangenen Jahres. Inzwischen wird jedoch deutlich, dass mit der Markt-Einführung des pharmazeutischen Fertigpräparats Sativex die Mehrzahl aller Patienten, die generell von pflanzlichem Cannabis profitieren könnten, bei diesem Medikament aus der Retorte das Nachsehen haben. Denn Sativex ist bislang lediglich zur Therapie der mittelschweren bis schweren Spastik bei Multipler Sklerose zugelassen. Neben der Reduktion der Spastik ergeben sich positive Effekte für Tremor, Schlaf und Mobilität.

Die Dosierungsempfehlung für Sativex lautet auf 8 bis maximal 12 Sprühstöße (Hübe) täglich, was bei einem Abgabepreis von 153 € für eine Menge von insgesamt 90 Sprühstößen* (*Zahlenangaben aus der Schweiz) einem Einzelsprühstoß-Preis von 1.54 € entspricht. Auf den Tag gerechnet also zwischen 12,- und 18,- € . Wer demnach täglich 12 „Hübe“ benötigt, kommt ca. 7, 5 Tage lang mit einem Fläschchen aus.

Auf ein Jahr gesehen kommen so um die 6.700 € an Kosten für den Patienten zusammen. Für einen einzelnen Patienten. Hierzulande wird  Sativex allerdings zum Apo-Preis von 607,66 € pro Verkaufseinheit gehandelt.

Die Kasse zahlt. Meckern verbietet sich. Auch wenn sich mit einem Jahres-Budget von mindestens 6.700 Euro bequem die Ausstattung einer ausreichend großen Hanfplantage finanzieren ließe, aus der gleich mehrere MS-Patienten ihren gesundheitlichen Profit ziehen könnten. Selbst diejenigen, die vorerst nur mit leichter Spastik kämpfen.

Für alle übrigen HIV/AIDS- oder Krebskranken, Menschen mit Hepatitis C, Alkohol- oder Opiat- Abhängigkeit, mit Tourette-Syndrom, Glaukom, Schmerzsymptomatiken oder ADHS, mit ALS, Migräne oder Cluster-Kopfschmerz, mit Morbus Crohn, Fibromyalgie, Allergien, Asthma oder mit Epilepsie u.v.a.m. kommt eine Behandlung mit Sativex jedoch nicht in Betracht.

Für jene verbleibt schließlich nur noch die Therapie mit pflanzlichem Cannabis, wenn dieser nicht zunächst die hochschwellige und zeitaufwändige Überwindung der schikanös errichteten bürokratischen Hürden des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vorausginge.

Das Antragsverfahren auf eine so genannte „Ausnahmegenehmigung zur ärztlich überwachten Eigentherapie mit Cannabis-Blüten“ („Bedrocan flos“) ist langwierig, kostenpflichtig und an nahezu unzumutbare Bedingungen geknüpft. So etwa an die Voraussetzung, dass der Antragsteller zuvor jedes andere verfügbare, pharmazeutisch hergestellte Medikament ausprobiert haben muss. Diese der Medizin-Ethik widersprechenden Medikamentenversuche mit all ihren in Kauf zu nehmenden – quasi aufgenötigten – Nebenwirkungen, die dem Grundatz „nihil nocere“ (niemand darf durch die Behandlung in seiner Gesundheit geschädigt werden) geradezu Hohn sprechen – diese Versuche müssen überdies vom Arzt dokumentiert – und schriftlich als nicht positiv für den weiteren Behandlungsverlauf bestätigt sein. Nach einem solchen Kreuzgang durch die Gefilde pharmazeutischer Präparate mit geringen Erfolgsaussichten kann die klinische Abteilung des BfArM dann ihr Okay geben. Oftmals tut sie es aber nicht. In der Regel werden mehr Anträge abgewiesen als positiv beschieden.

Als Inhaber einer derart beantragten Genehmigung muss der Patient dann die für ihn wirksamste Sorte von insgesamt vier aus den Niederlanden importierten Blüten-Varietäten ausfindig machen. Im schlechtesten Fall bedeutet dies, dass ein schlecht informierter Kranker erst einmal an drei Sorten scheitert, bis er durch weitere Selbstversuche die  Wirkstoffgehalt-Kombination ausfindig macht, die ihm am meisten Linderung verschafft.

Daneben wird Bedrocan-Cannabis in deutschen Apotheken zu aufgeblähten Gramm-Preisen von durchschnittlich 14 – 16 € verkauft. Doppelt so teuer wie in niederländischen Apotheken und auch doppelt so teuer wie Cannabis vom Schwarzmarkt. Von diesen Kosten, die je nach Höhe des individuellen Tagesbedarfs mehrere Hundert Euro monatlich betragen können, wird allerdings von den Kassen nichts erstattet.

Somit scheinen die Patientenbemühungen um eine Besserung des Gesundheitszustandes, Steigerung von Wohlbefinden und Lebensqualität oder ggf. sogar Wiedereinstieg in Berufsleben und Re-Integration in den sozialen Alltag, weder für unseren Gesundheitsminister, noch für viele unserer Krankenkassen von übermäßigem Wert zu sein.

Auch Dronabinol, ein aufwändig aus Faserhanf gewonnenes THC-Präparat, das bei vielen Erkrankungen und Schmerzsymptomatiken gut hilft, wird – bis auf wenige Ausnahmen durch private Kassen – nicht erstattet. Dronabinol ist ebenfalls teuer und kann – sofern es das einzige Mittel der Wahl ist – den Patienten ebenso in den finanziellen Ruin treiben wie die Nutznießer von Bedrocan-Produkten. Mehrere Hundert Euro an monatlichen Kosten sind auch bei diesem pharmakologisch reduzierten Präparat eher die Regel denn die Ausnahme.

Die gesetzlichen Kassenvereinigungen und der so genannte „G-BA“ (Gemeinsamer Bundesausschuss, das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland) zeigen sich aber in der Erstattungsfrage von Dronabinol-Rezepturen oder verordneter Cannabisblüten seit Jahren einheitlich ignorant sowie untätig.

Apropos „untätig…“:

Unser Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) zeigt sich für derart moralisch fragwürdige und einer "guten" Gesundheitsreform zuwiderlaufenden Cannabismedizin-Erstattungsfragen nicht zuständig. Vermutlich ist ihm diese Debatte genau darum peinlich, weil er selbst noch vor 10 Jahren als Oppositionssprecher der Jungen Liberalen mit der provozierenden Forderung „ Lieber bekifft ficken – als besoffen Auto fahren“ an die Öffentlichkeit getreten ist und nun das heiße Thema meidet, damit seine – und die Reputation der FDP – nicht vollends den Bach runtergeht. Unsere Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans (FDP), aus deren Munde man sich einen derartig anmutenden Slogan nicht einmal im Traum vorstellen kann, beteuert seit ihrem Amtsantritt zwar auch unablässig, dass sie sich für die medizinische Verwendung von Cannabis-Arzneimitteln einsetze, doch die bisherigen Resultate ihrer angeblichen Bemühungen spiegeln bloß die traurige Realität für medizinische Cannabisnutzer in Deutschland wider: Diese triste Realität resultiert in der quasi erzwungenen Patienten-Selbstversorgung mit ungeprüften Schwarzmarktsorten sowie dem daneben ständig gegenwärtigen Strafverfolgungsdruck einerseits – oder der Möglichkeit des unausweichlichen finanziellen Bankrotts wegen zu hoher Cannabisprodukt-Preise andererseits.

Obgleich die Zuständigkeit des Bundesgesundheitsministeriums in Sachen Eigenanbau von Cannabis zu therapeutischen Zwecken durchaus gegeben ist. (Diese Zuständigkeit dürfte durch das Veto gegen den vom BfArM fast genehmigten Eigenanbau-Antrag des schwer an MS erkrankten Patienten Michael Fischer belegt sein.)

Somit sind Herr Bahr und Frau Dyckmans gefordert anzuerkennen, dass Sativex nur für einige Wenige in Betracht kommt, während für eine sehr viel höhere Zahl von Kranken die Eigenanbau-Variante die einzig mögliche Option bleibt, sofern sie ihrer Gesundheit zuliebe nicht an den überteuerten Produktpreisen für Donabinol bzw. Import-Cannabis oder an der restriktiv ausgeübten Praxis des BfArM-Antragsverfahrens vor die Hunde gehen wollen. 

Sativex bleibt eine schillernde Seifenblase. „Plop-Faktor“ inklusive…wenn auch erstattet. Indes hat sich schon jüngst zur Markteinführung zeigen dürfen, dass auch die Budget-Regelung unserer Gesundheitsreform nachhaltig greift: Welcher Arzt das neue Präparat Sativex auch wirklich verschreibt, dürfte unter Betroffenen schon bald als Geheimtipp gehandelt werden.

Der Cannabis nutzende Patient hat in unserem Land demnach die Wahl zwischen Teufel und Beelzebub. Eine Wahl zwischen Bahr und Dyckmans hat man indes nicht.

Axel Junker
 

 

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16
Jun
2011

SCM @ Hanfparade 2011


                       

Es ist Zeit für Veränderungen. Höchste Zeit für Protest. Endlich an der Zeit für mutige Schritte.

Deshalb werden sich am 06. August wieder einige der im SCM organisierten Patienten auf den beschwerlichen Weg nach Berlin zur diesjährigen Hanfparade machen, um sich zu zeigen und für ihre Rechte einzutreten. Aber auch für die Rechte derjenigen, die schon immer wussten, dass der gelegentliche Gebrauch von streckmittelfreiem Cannabis sehr viel weniger gesundheitsgefährdend ist als manch legal verticktes „Genussmittel“, das eher den Warnhinweis „Rauschgift!“ verdient denn das vergleichsweise harmlose Hanfkraut.

Vor dem Bundesministerium für Gesundheit werden am 06.08. gegen 15:00 Uhr einige der raren Ausnahme-Erlaubnis-Inhaber beim Einlegen einer therapeutischen Pauseninhalation – wenn alles klappt – einige Ballons mit Protest-Transparent steigen -, aber (aus Umweltgründen) nicht fliegen lassen. Es reicht schon, wenn die Bundesdrogenbeauftragte Dyckmans ebenso wie die bislang eher untätigen Gesundheitsminister Rösler und Bahr in puncto Cannabis-Medizin eine mediale Kuh nach der anderen fliegen lassen.

Das SCM stellt anlässlich der Hanfparade klare Forderungen an die Regierenden:

  1. Genehmigungen auf Eigenanbau von wirkstoffhaltigem Hanf für Patienten.

  2. Rücknahme des BMG – Einspruches im Falle des an MS erkrankten Michael Fischer.

  1. Erleichterungen beim Antragsverfahren nach § 3 Abs. 2 BtMG beim BfArM.

  1. Kostenerstattung für pflanzliches Cannabis, Dronabinol und sonstige Extrakte.

  1. Erweiterung des bisherigen Indikationsspektrums auf alle vom ACM erfassten Krankheiten, bei denen Cannabis Linderung verspricht.

  1. Schaffung dezentraler ärztlicher Anlaufstellen für Patienten, die Cannabisprodukte nutzen, aber ebenso an der Voreingenommenheit unaufgeklärter Mediziner scheitern wie an den strikten Hürden des Genehmigungsverfahrens.

  1. Bewilligung von Forschungsgeldern zur weiteren Komplettierung der bislang vorliegenden Studienlage zu Medizinalhanf.

  2. Erfahrungsabgleich und -austausch der Bundesopiumstelle mit US-amerikanischen, israelischen und kanadischen Cannabis-Medizin-Organisationen.

  3. Vorlage eines Gesetzentwurfs zur Straffreiheit von Cannabis nutzenden Patienten, wenn diese auf ärztliche Empfehlung handelnd Hanf gebrauchen, erwerben oder anbauen und noch nicht Erlaubnis-Inhaber sind.

  4. Monopol-unabhängige Cannabis-Importe und/oder Schaffung eines staatlich geduldeten Hanfanbau-Zentrums zur billigeren Versorgung von Kranken, die Hanf nicht selbst anbauen wollen oder können.

 

Nach Abschluss der Hanfparade werden einige Mitglieder des Selbsthilfenetzwerks im Veranstaltungszelt zugegen sein, um ggf. Fragen zu beantworten, Tipps zu geben und seriöse Kontakte zu schalten.

 Axel Junker

                                                         

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21
Mai
2011

Die Enttäuschung über die Täuschung ist bei Patienten mehr als groß


 

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ACM-Mitteilungen vom 21. Mai 2011
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– Pharmaunternehmen dürfen in Deutschland die Zulassung
cannabishaltiger Medikamente beantragen
– Rheinland-Pfalz erhöht "geringe Menge" von 6 auf 10 Gramm

(1) Pharmaunternehmen dürfen in Deutschland die Zulassung
cannabishaltiger Medikamente beantragen

Ab dem 18. Mai 2011 dürfen pharmazeutische Unternehmen Anträge auf
eine Zulassung cannabishaltiger Medikamente stellen. Dies sieht die
aktuelle Änderung des Betäubungsmittelgesetzes vor. Dem
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte liegt bisher ein
solcher Antrag für ein Medikament vor, das bereits in Großbritannien,
Spanien und Tschechien für die Verwendung bei der Spastik von
Multiple-Sklerose-Kranken zugelassen ist. "Wir begrüßen diese
Änderung des Betäubungsmittelgesetzes, denn es ist zutreffend, dass
viele Menschen auf solche Medikamente warten", erklärte Dr. Franjo
Grotenhermen von der Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM)
in Rüthen. "Angesichts der restriktiven Politik der Bundesregierung
in dieser Frage werden der allergrößte Teil der Patienten,
beispielsweise Menschen mit chronischen Schmerzen und Krebs,
allerdings noch Jahre auf solche Medikamente warten müssen. Das
Bundesgesundheitsministerium verschließt sich bisher konsequent
konstruktiven Lösungsvorschlägen für die große Mehrheit der von
Cannabisprodukten profitierenden Patienten", fügte er hinzu.

Die Medien berichteten über die Änderung, die die Drogenbeauftragte
der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), am 17. Mai im Rahmen
der Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2011 der
Bundesregierung bekannt gab. Der Stern berichtete am 17. Mai 2011 auf
seiner Webseite unter dem Titel "Zulassung Cannabis-haltiger
Medikamente ab Mittwoch erlaubt", die Westfalenpost am 21. Mai unter
dem Titel "’Enttäuschung bei Patienten ist groß".

stern.de 17. Mai 2011:
"Cannabis-haltige Schmerzmittel dürfen ab Mittwoch in Deutschland
zugelassen werden. Dies sieht eine rechtliche Neuregelung vor, die an
diesem Tag in Kraft tritt, wie die Drogenbeauftragte der
Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), am Dienstag in Berlin
sagte. ‚Es liegt bereits ein Antrag für ein Medikament vor, und wir
hoffen, es werden noch mehr kommen‘, sagte Dyckmans anlässlich der
Vorstellung des Drogen- und Suchtberichts 2011. Dyckmans nannte die
Freigabe von Cannabis-haltigen Medikamenten einen ‚bedeutenden
Schritt‘, weil Schwerkranke dadurch eine zusätzliche Therapieoption
erhielten. Viele Menschen warteten auf diese Medizin."

Westfalenpost vom 21. Mai 2011:
"Rüthen. Die Droge kommt als Heilmittel: Seit Mittwoch dürfen in
Deutschland Cannabis-haltige Schmerzmittel zugelassen werden. Die
Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, nennt dies
einen ‚bedeutenden Schritt‘, weil Schwerkranke dadurch eine
zusätzliche Therapieoption erhielten.
Es sei ein ‚kleiner Schritt‘, meint einschränkend der Rüthener
Mediziner und Wissenschaftler Dr. Franjo Grotenhermen, Vorsitzender
der bundesweiten Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin. Wichtig
sei, dass es normaler werde für Ärzte, Cannabis als Schmerzmittel zu
verschreiben. Tatsächlich wird das fragliche Medikament namens
‚Sativex‘ mit einem Extrakt der Cannabispflanze aber nur einem
kleinen Teil von Patienten helfen – jenen, die unter Spastiken bei
Multipler Sklerose leiden. Ihnen kann der Arzt künftig dieses
Medikament verschreiben, das von den Krankenkassen bezahlt wird.
‚Sativex‘ soll nach Informationen von Grotenhermen vom Sommer an in
den Apotheken erhältlich sein.
Aber, sagt Grotenhermen: ‚Der große Teil der Schmerzpatienten fällt
dagegen hinten runter.‘ Auch Patienten, die unter chronischen
Schmerzen leiden, mit Tourette-Syndrom oder Krebspatienten im finalen
Stadium könnte das Medikament helfen. ‚Die Bundesregierung sträubt
sich vor einer Lösung, die mehr Patienten nützt‘, sagt Grotenhermen:
‚Sie sitzt das Thema aus.‘ Bei der Marktzulassung habe sich die
Bundesregierung nur dem europäischen Druck gebeugt: In Großbritannien
und Spanien ist ‚Sativex‘ schon auf dem Markt.
‚Es ist an der Zeit, Cannabis aus der Schmuddelecke zu holen‘, sagt
auch der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerztherapie,
der Göppinger Schmerzmediziner Gerhard Müller-Schwefe. Todkranke und
chronische Schmerzpatienten müssen bislang beim Bundesamt für
Arzneimittelprüfung Ausnahmegenehmigungen stellen, um Cannabis-
haltige Arzneien nutzen zu dürfen: In strikter Auslegung des
Betäubungsmittelgesetzes sind in Deutschland gerade einmal rund 50
erteilt worden – aus Kanada weiß Dr. Grotenhermen von 4000. ‚Die
Enttäuschung und Wut bei den Patienten ist groß‘, sagt er: ‚Die
meisten nehmen es illegal ein.‘ Es gibt bereits Cannabis-haltige
Medikamente, vor allem mit dem Wirkstoff Dronabinol. Rund 1500
Patienten in Deutschland, so die Schätzung, nehmen es ein. In der
Regel wird es von den Kassen nicht übernommen.
Seine Arbeitsgemeinschaft hat zwei Umfragen in Auftrag gegeben: Die
Deutschen können demnach sehr genau unterscheiden zwischen der
medizinischen Verwendung von Cannabisprodukten und ihrem Konsum zu
Rauschzwecken. 76 Prozent der Bundesbürger seien demnach laut einer
Emnid-Umfrage der Auffassung, dass die Verwendung von Cannabis für
medizinische Zwecke erlaubt sein sollte. Übrigens sind SPD-Wähler mit
83 Prozent und der CDU/CSU mit 77 Prozent noch deutlicher dafür."

Hintergrund:
Der Bundesrat hat in seiner 882. Sitzung am 15. April beschlossen,
der von der Bundesregierung am 2. März 2011 beschlossenen 25.
Verordnung zur Änderung betäubungsmittelrechtlicher Vorschriften
(Drucksache 130/11) zuzustimmen. Danach gibt es neue
Ausnahmeregelungen für das Verbot von Cannabis. "Cannabis (Marihuana,
Pflanzen und Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden
Pflanzen)" bleibt weiter in der Anlage I der nicht verkehrsfähigen
und nicht verschreibungsfähigen Substanzen, mit den folgenden zwei
neuen Ausnahmen.
In Anlage II wird die folgende Position in die aphabetische
Reihenfolge eingefügt: Cannabis (Marihuana, Pflanzen und
Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen) "sofern
sie zur Herstellung von Zubereitungen zu medizinischen Zwecken
bestimmt sind". Damit gehört dieser so definierte Cannabis zu den
verkehrsfähigen, jedoch nicht verschreibungsfähigen Substanzen.
Apotheken können auf diese Weise, ohne eine Ausnahmegenehmigung zu
besitzen, Cannabis, das für medizinische Zwecke in den Niederlanden
hergestellt wurde, kaufen und an Patienten mit einer entsprechenden
Ausnahmegenehmigung zur Verwendung von Cannabis durch die
Bundesopiumstelle abgeben.
In die Anlage III wird die folgende Position in die aphabetische
Reihenfolge eingefügt: Cannabis (Marihuana, Pflanzen und
Pflanzenteile der zur Gattung Cannabis gehörenden Pflanzen "nur in
Zubereitungen, die als Fertigarzneimittel zugelassen sind". Damit
kann der Cannabisextrakt des britischen Unternehmens GW
Pharmaceuticals, Sativex, auch in Deutschland zugelassen werden. Eine
Zulassung für die Verwendung bei einer Spastik im Rahmen einer
multiplen Sklerose wird noch für dieses Jahr erwartet.

Im Internet unter:
http://www.stern.de/news2/aktuell/zulassung-cannabis-haltiger
medikamente-ab-mittwoch-erlaubt-1686105.html
http://www.derwesten.de/staedte/ruethen/Enttaeuschung-bei-Patienten
ist-gross-id4671753.html

(Quellen: Bundesrat vom 15. April 2011, stern.de vom 17. Mai 2011,

Westfalenpost vom 21. Mai 2011

beteiligt Euch am Protestmailer des SCM an die Verantwortlichen im BMG:
Protestmailer
 

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21
Apr
2011

PROTEST GEGEN ABZOCKE BEI PATIENTEN


                                              

 

Medizinisches Cannabis wird in deutschen Apotheken zu 12 – 16 € pro Gramm verkauft.

In Groningen/Niederlande erhält man das gleiche Apotheken-Cannabis für 7.70 € pro Gramm.

Bislang sind weder die Bundesopiumstelle oder der Importeur (Fa. Fagron) – noch die Bundesdrogenbeauftragte Mechthild Dyckmans in der Lage gewesen zu erklären, worauf die durchschnittliche Verdoppelung des Preises für Bedrocan, Bediol oder Bedrobinol auf dem kurzen Importweg zurückzuführen ist.

Besteht seitens des Bundesministeriums für Gesundheit etwa eine geheime Anweisung den Preis so hoch anzusetzen, dass ein möglicher Wiederverkauf durch Patienten verhindert wird?

Bei einem minimalen Tagesbedarf von nur 1 Gramm Cannabis entstehen für Kranke, die oftmals Hartz IV-Bezieher sind, monatliche Kosten von etwa 360 – 480 €. Diese Kosten werden von den gesetzlichen Krankenkassen nicht erstattet.

Patienten, die auf natürliches Cannabis als letztes Mittel der Wahl angewiesen sind, werden durch die Wucherpreis-Politik genötigt, billigeres Cannabis auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Die Verunreinigungen von Schwarzmarkt-Ware mit Blei, Brix, Talkum, Glasstaub sind seit Jahren bekannt.

Die mögliche Alternative von genehmigtem Eigenanbau in verschlossenen Räumen wird vom Bundesministerium unter Angabe fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. So bleibt es auch weiterhin bei regierungsamtlicher Nötigung von Kranken zur Kriminalität bzw. beim sukzessiven finanziellen Ausbluten derjenigen, die zur Linderung ihrer Symptomatiken auf Cannabis angewiesen sind.

Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin protestiert gegen die zynische Haltung der Verantwortlichen beim BMG und BfArM. Die Leser dieses Artikels werden daher gebeten sich am Protest-Mailer http://selbsthilfenetzwerk-cannabis-medizin.de/protestmailer-gegen-bmg-berufung zu beteiligen und damit auszudrücken: ES REICHT! Genug auf Zeit gespielt! Genug Leiden verursacht! Genug damit, Patienten zu Kriminellen zu machen oder sie in Zahlungsunfähigkeit zu treiben!

Eigenanbau ist eine Möglichkeit sich billig – für wenige Cent pro Gramm – selbst zu versorgen. In Kanada, 15 US-Bundesstaaten, Spanien, Belgien und in den Niederlanden  ist bereits seit Jahren möglich, was hierzulande noch immer aktiv durch interne Anweisungen des BMG verhindert wird.

Das Gebot, Leben zu retten, darf nicht an ideologischen Barrieren scheitern.  

                                                     

Axel Junker

 

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