14
Feb
2015

Cannabis-Neuregelungen? Aber bitte auf Patientenbedürfnisse ausgerichtet


Das Selbsthilfenetzwerk Cannabis als Medizin hat auf seiner Facebook-Seite einen Aufruf gestartet mit der Bitte, Patienten-Bedürfnisse und Erwartungen an und für die zum Jahr 2016 avisierten Änderungen in der bisherigen Cannabis als Medizin-Politik zu formulieren.

Einige der nachfolgend aufgeführten Kommentare wurden z.T. leicht gekürzt und sind in Original-Länge auf der SCM-FB-Seite nachlesbar.

Die dort abgegebenen Statements werden in schriftlicher Form dem Bundesgesundheitsministerium zugeleitet.
Das SCM und seine Mitglieder erwarten seitens des Bundesministeriums nicht allein Kenntnisnahme der Forderungsinhalte – sondern auch zeitnahe Umsetzung derselben.
Wir sprechen uns gegen Neu-Regelungen aus, die den aufgelisteten Patienten-Interessen zuwider laufen.

Gesundheitspolitik und involvierte Politiker werden an ihren konkreten, nutzbringenden Taten für Bürger – auch für kranke Bürger – und ebenso von kranken Bürgern – gemessen.

CANNABIS als Medizin REGELUNGS-FORDERUNGEN
(Patienten informieren Politiker)

Maximilian Plenert:
Normalität: normale Kostenerstattung, normale Versorgungssicherheit und normaler Zugang = Therapiefreiheit!

Josef Liebhart
Eigene Anbauflächen innerhalb Deutschland, gesicherte Versorgung, größere Sortenauswahl, Kostenübernahme.

Ann Lee
Eine gesicherte lückenlose versorgung, qualitativ hochwertiges material, auswahl an mehr als einer sorte (auch ein cbd lastiger strain sollte dabei sein) , kostenübernahme durch kk. cannabishaltige produkte wie dronabinol und co sind KEINE echte alternative, da viele patienten berichten es helfe ihnen nicht annährend so gut.

Ja Aber
..Bereitstellung eines regelmäßigen Etats in vernünftiger Höhe zur weiteren Erforschung von Cannabinoiden in der Medizin. Sofortige Einstellung von Strafverfahren gegen Leute, die aus eindeutig med. Gründen mit dem Gesetz in Konflikt geraten sind. Klare Regeln bezüglich Führerscheinen…

Marco Perschbacher
Kostenerstattung durch die Krankenkasse, lückenlose Versorgung, Sortenvielfalt sollte erweitert werden.

Gabriele Gebhardt
Entscheidung über den Einsatz von Cannabis soll bei Arzt und Patient liegen, nicht bei einer Behörde

Gabriele Gebhardt
(Anmerkungen eines weiteren Patienten):
Versorgungssicherheit durch weitere Importe z.B. aus Israel bzw. Gründung einer dt. Cannabisagentur.
Reise- und Verkehrsfähigkeit von Cannabis Flos idealerweise im Schengenraum und USA bzw. alle Länder, die med. Cannabisprogramme haben.
Führerscheinthematik: es muss eine Lösung für Patienten gefunden werden, damit sie nicht von den Strassenverkehrsbehörden verfolgt werden.
Einführung eines „rechtssicheren“ Ausweises für Patienten und Schulung von Beamten, Ausweitung der Sortenvielfalt mit weiteren Varietäten und mind. einer starken Indica Sorte

Kurt Andreas Jakobs
Die Zugangsvoraussetzungen müssen stark gelockert werden. Es ist ein schlechter Witz, dass von einem Patienten verlangt wird, dass er sich durch die gesamte Palette an Chemikalien futtern soll um ein Naturprodukt zu erhalten, das ähnlich „schwierig“ zu kultivieren ist wie die Brennnessel.

Katrin Schäfer
vielleicht sollte man zusätzlich auch auf den Punkt „Eignung zum Führen von Maschinen“ mit aufgreifen… es wäre schön, wenn man nicht immer um seinen Führerschein bangen muß.

Karsten Pankonin
Vereinfachte Verschreibungsmöglichkeiten duch JEDEN Arzt ohne irgendwelche Auflagen duch das BfArM.
JEDER bedürftige Patient MUSS Cannabis nutzen können, wenn es ihm hilft.

Tatjana Ohler
Dronabinol hilft zwar etwas (meine Erfahrung), aber bei weitem nicht vergleichbar mit Blüten… Ansonsten sollte es eine einfache Möglichkeit des Bezuges geben, oder die, ähnlich wie bei Socialclubs selbst anzubauen…

Juergen Meixner
Eigenanbau von bis zu 6 Pflanzen pro Person (je nach Sorte und Ertrag), falls das nicht möglich ist, kann dieses Recht auf einen Anbauverein übertragen werden, dieser Verein kann gerne auch mit dem behandelnden Arzt und der Apotheke zusammen arbeiten.

Hägar Hover
Einrichtung einer „Cannabis Agentur“, um eine gesicherte Verfügbarkeit für medizinische Belange zu gewährleisten. Dies als Ergänzung für die Leute, die auch bei einer Freigabe nicht selber anbauen wollen.

Snippi de Kesse
Und ich fordere bei Razzien beschlagnahmte Cannabisblueten nicht wie üblich zu verbrennen, sondern den Patienten über z.B. die Apotheken oder besser noch direkt beim Zoll unter Vorlage der ganzen Zettelwirtschaft der Bfarm, direkt abzugeben… Ich fordere Cannabis Clubs wie z.B. auf Teneriffa.Die Sorten werden für Patienten und Mitglieder zum Selbstkostenpreis und auf Sortenwunsch angebaut. Jeder bekommt seine verordnete Menge gestellt.

Sin Semilla
Kostenübernahme durch die Krankenkasse für Cannabis Blüten ganz einfach,nicht mehr und nicht weniger. Einfach nur die vollständige Kostenübernahme für uns Blüten Patienten und dafür Sorge zu tragen, dass wir auch regelmäßig mit Cannabis Blüten versorgt werden .

Rasta Fari
ich fordere einen leichteren zugang zu cannabisblüten, -extrakte, usw. jedes andere medikament kann ein arzt auf rezept ausstellen. ich fordere außerdem einen, meinetwegen genehmigungspflichtigen, anbau von cannabis in selbsthilfegruppen bzw cannabis social clubs!

Fisch Fisch
Das vor allem bei cannabis produkten auch cannabis blüten mit einbezogen werden und nicht nur präparate wie sativex oder ähnliches.

Sabrina Pihale
Definitiv die Kostenübernahme durch die krankenkasse und wesentlich kleinere hürden wenn es einem hilft. Zudem keine Strafverfolgung. Andere importquellen oder eigener staatlicher anbau damit es keine Ausfälle mehr gibt..

Stefan Ruecker
Neuregelung der Führerscheinthematik durch z.B. Erhöhung der Nanogrammgrenze auf 5 ng für jegliche Konsumenten. Ausnahmegenehmigung für Cannabis-Patienten zum Führen eines Kraftfahrzeugs bis zu einer Nanogramgrenze von 10 oder mehr Nanogramm.

Steffen Geyer
– Über die Aufnahme von Cannabisblüten in den Leistungskatalog der GKV entscheidet der Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen, nicht der Gesetzgeber.
– Die Genehmigungsvergabe nach §3 ist gesetzlich bereits möglich und scheitert an der Auslegung der Vorschriften durch das BfArM.
– Versorgungssicherheit ist ohne kommerzielle deutsche Anbieter und deren kalkulierte Überproduktion (wohin mit dem unverkauften Resten?) nur durch Eigenanbau der PatientInnen realistisch.

Bliebe… als gesetzliche Maßnahme lediglich die Verschiebung von Cannabis aus Anlage I (nicht verkehrsfähige Betäubungsmittel) in Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel)….

… Dienstherr Gröhe könnte das BfArM anweisen, Anträge (insb. auf Eigenanbau) zügig positiv zu bescheiden, wenn vergleichsweise niedrigschwellige Voraussetzungen vorliegen (analog zur Aufbewahrung anderer BtM-Medikamente).
Dazu bedarf es im Zweifel einer Art „Positivliste genehmigungsfähiger Diagnosen“ …
Vielleicht könnte man nebenbei auf die Gründung einer „Deutschen Cannabisbehörde“ hinwirken, um in Zukunft bei Liberalisierungsbemühungen auf bestehende Bürokratie/Verwaltung verweisen zu können.
(Gekürzt)

Mari Jo
1. Anerkennung von Cannabis-Patienten als „Patienten“ – für jeden regelmäßig/täglich konsumierenden Mitbürger. (Weil imho bei den täglich/häufig gebrauchenden Nutzern eine Unregelmäßigkeit im Endocannabinoidsystem vorauszusetzen wäre)

2. Hürden in der Antragstellung abbauen! Keine Nachweise mehr für „austherapiert“, „Versuchskarnickel-Marathon“ oder stationäre Maßnahmen … keine Beschränkung von Indikationen – der Patientenwunsch ist zu respektieren!

3. Sofortige Einstellung von Straf- und Ermittlungsverfahren gegen Cannabis-„Patienten“ im o.a. Sinn, hingegen sei eine ordentliche medizinische Begutachtung bzgl. Indikation zu stellen und eine verschreibungsfähige Dosierung zu ermitteln.

4. Sofortige Veranlassung der Rückgabe von einbehaltenen Führerscheinen an Cannabis-Patienten.

5. Flächendeckende Nachschulungsangebote für Ärzte sowie Einführung der Lehre zu Cannabistherapeutika in sämtliche entsprechende Ausbildungs-Fakultäten (Mediziner…!)

6. Erstattung aller verfügbaren Cannabispräparate durch Krankenkassen und Gründung einer Cannabis-Agentur.

7. Kartellbildung aufheben, mehrere Lieferanten zulassen sowie weit größere Variantenvielfalt der Blütensorten als bisher ermöglichen

8. Reisefreiheit für Patienten einführen, Exporterlaubnis erarbeiten
(gekürzt)

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27
Dez
2014

Fachgespräch Cannabis als Medizin


am 17.12.2014 fand in Berlin das Fachgepräch der Fraktion DIE LINKE zum Thema Cannabis in der Medizin statt. Mit Frank Tempel, Katja Kipping, Georg Wurth, Dr. Oliver Tolmein, Dr. Franjo Grotenhermen und Kathrin Vogler.
Den vollständigen 3stündigen Mitschnitt könnt ihr Euch hier ansehen:

http://youtu.be/BGqOXlyg0NE

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21
Nov
2014

TOLLHAUS


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Die Bundesopiumstelle verspricht in ihrem Jahresbericht 2012/2013, Seite 67, dass hinsichtlich von Betäubungsmitteln (Zitat) die „Versorgung der Patientinnen und Patienten jederzeit sichergestellt“ ist.

Für medizinischen Cannabis gilt dieses Versprechen nicht.

Die derzeitige Situation:
Sicherstellung der Versorgung mit Betäubungsmitteln (Opiaten): Ja. Unproblematisch
Sicherstellung der Versorgung mit dem Betäubungsmittel Cannabis: Nein. Problematisch.

Das BfArM, das dem Ministerium für Gesundheit untersteht und immer wieder postuliert, dass es auch Aufgabe des BfArM sei, „der Entstehung und Erhaltung von Abhängigkeits-Erkrankungen entgegenzuwirken“, verhält sich trotz des signifikant geringeren toxischen Potenzials von Cannabis (und damit einhergehend auch eines geringeren Risikos möglicher Ausbildung von Gewöhnung oder Abhängigkeit) im Vergleich zur akuten Giftigkeit von pharmazeutisch hergestellten Betäubungsmitteln wie z.B. Morphin, Methadon oder Diamorfin beim unzweifelhaft harmloseren Cannabis vollkommen gegen jede gesundheitliche Logik und wider allen medizinischen Sachverstand.

Es darf vorausgesetzt werden, dass dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und seinen Mitarbeitern die erheblich zahlenmäßige Diskrepanz zwischen letal Überdosierten durch Opiate einerseits und Cannabis andererseits in den vergangenen 4 Jahrzehnten seit Bestehen des Betäubungsmittel-Gesetzes nicht verborgen geblieben ist. Erforderlichenfalls können die Zahlen den jährlich erscheinenden Drogen- und Suchtberichten der Bundesregierung entnommen werden.

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Statt aus diesem elementar wichtigen Umstand des sehr geringen Gefährdungspotenzial aber die richtigen Schlüsse zu ziehen und den Zugang zu medizinischem Cannabis zu vereinfachen, bleiben die Hürden zur Erlangung einer Ausnahmegenehmigung unzumutbar hoch.
Patienten müssen „austherapiert“ sein oder aber sie müssen den „Versuchskarnickel-Pfad“ beschreiten, der (oftmals) lange, qualvolle Medikamenten-Tests am eigenen Körper bedeutet,
die vom Arzt hinsichtlich Wirkungen und Nebenwirkungen zu dokumentieren sind.
Das ist gleichzusetzen mit fremd-auferlegtem Leiden, bloß weil BtM – Verwaltungsrichtlinien es offenbar so (unmenschlich) vorsehen. Tatsächlich ist es auch unnötiges Leiden, wenn der Patient die lindernden Eigenschaften des Cannabis bereits vor dem Gang auf den Versuchskarnickel-Pfad kennengelernt hat und die Möglichkeit des Gebrauchs dieses verhältnismäßig nebenwirkungsarmen Naturprodukts vor allen anderen pharmazeutisch hergestellten Alternativen bevorzugt…

Ist man als Antragsteller nach Zahlung der Bearbeitungsgebühr schließlich glücklicher Ausnahme-Genehmigungsinhaber und erhält eine beurkundete Erlaubnis zum Bezug von Cannabis aus einer Apotheke, so wird man ab diesem Zeitpunkt allerdings nicht nur mit zu zahlenden Wucherpreisen für den importierten Cannabis konfrontiert ( 75 – 125 €/5 g) sondern auch mit regelmäßig stattfindenden Liefer-Ausfällen.
Die Mit-Verantwortung für diese Liefer-Ausfälle weist das BfArM stets weit von sich, obwohl die Erlaubnis-Inhaberzahlen seit der ersten Genehmigung 2008 ebenso kontinuierlich ansteigen wie der faktische Bedarf an Cannabisblüten und an sonstigen Cannabisprodukten.

Der Produzent der Cannabisblüten, Bedrocan BV, Niederlande, hat zwar jüngst erst die Anbaufläche für seine Kulturen vergrößert, kommt aber bei Kontingent-Lieferungen nach Deutschland immer wieder mal ins Straucheln; insbesondere auch jetzt, nachdem neben den Niederlanden, Italien und Deutschland auch Tschechien mit medizinischem Cannabis beliefert wird.
Der Importeur des Cannabis, die Firma Fagron, sieht sich für diesen längsten Lieferausfall der bisherigen Cannabis als Medizin-Geschichte in Deutschland (Nov. 2014 bis voraussichtlich Januar 2015) und für alle bisherigen Liefer-Ausfälle ebenfalls nicht verantwortlich.
Vorratshaltung scheint für Fagron nicht wirtschaftlich zu sein.
Auch mit der Auskunft von Daten und Zeiträumen bezüglich aller bisherigen Lieferausfälle zeigt sich Fagron wiederholten Patienten-Anfragen gegenüber unkooperativ und intransparent. Möglicherweise ist der Importeur sich im Klaren darüber, dass diese Daten eine wichtige Rolle in der verwaltungsrechtlich zu klärenden Eigenanbau-Frage spielen und die Herausgabe der erbetenen Informationen wirtschaftliche Einbußen nach sich ziehen könnte.
Für Patienten mit Genehmigung sind diese Daten jedoch der konkrete der Beweis für die Tatsache, dass die Versorgung mit Cannabis via BfArM, Fagron, Bedrocan nicht gewährleistet ist.
Eigenanbau hingegen gewährleistet die Versorgung.

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Sadness

Derweil blockieren BfArM und BMG in trauter Einigkeit die Schaffung einer staatlichen Cannabis-Agentur, die eine gute Alternative zu all diesen peinlichen Lieferausfall-Szenarien böte, unter denen eine ganze Menge Patienten zu leiden hatten und aktuell noch zu leiden haben.
Patienten, denen der Schwarzmarkt verwehrt ist, weil sie bei Entdeckung ihre Erlaubnis verlieren könnten.
Patienten, denen der Eigenanbau verwehrt ist, weil das Bundesministerium für Gesundheit keinen Anbau will.
Der (neue) Präsident des BfArM, Prof. Dr. Karl Broich, formuliert in einem Schreiben vom 20. September 2014: „Derzeit ist die Einrichtung einer Cannabis-Agentur nicht erforderlich.“

Möglicherweise wäre die Einrichtung eines Tollhauses sinnvoller.

Darin könnten dann all jene Patienten zusammengefasst werden, die just in diesen und vielen noch vor ihnen liegenden Stunden, Tagen und Wochen – auch zur schönsten Weihnachtszeit – wegen des erneuten Cannabis-Lieferausfalls vermehrt mit heftig auftretenden Tics, mit Zunahme an epileptischen Anfällen, mit Aufkommen von Morbus-Crohn-Schüben, mit Spastiken infolge MS, mit Schmerzsymptomatiken, Depressionen wegen PTBS oder Erregungszuständen wegen ADHS etc. zu kämpfen haben…

„Die Versorgung mit Betäubungsmitteln ist gesichert,“ verspricht das BfArM

Was das Bundesinstitut nicht sagt: Die Versorgung mit dem Luxus-Betäubungsmittel Cannabis ist politisch unerwünscht, das fortbestehende Leiden ehemals glücklicher Ausnahmeerlaubnis-Inhaber aber bleibt gesichert.

Axel Junker

die bundesregierung schadet

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21
Jul
2014


blatt

Morgen wird das Verwaltungsgericht Köln darüber entscheiden, ob Patienten Cannabis selbst anbauen dürfen. Wir hoffen inständig, dass endlich Richter den Schneid haben, der menschenverachtenden Poltik des Gesundheitsministeriums einen Riegel vorzuschieben.

Alle Daumen drücken!

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28
Jan
2014

Brief an das BfArM

Eintrag unter BfArM, BMG, News | 1 Kommentar »

cannabischen
Erlaubnis-Inhaber 460 88 33

27. Januar 2014

An das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte BfArM
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit
Kurt-Georg-Kiesinger Allee 3
53175 Bonn

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen, da ich doch sehr konsterniert zur Kenntnis nehmen muss, welchen Bedingungen und Problemen sich deutsche Patienten mit einer Ausnahme-Erlaubnis nach § 3 Abs. 2 BtMG, Cannabis zur Linderung ihrer Beschwerden einzusetzen, gegenübergestellt sehen.

Lassen Sie mich diesen Punkt näher ausführen, indem ich ein paar dieser Probleme beschreibe.

Der Status des Patienten und Bedrocan im allgemeinen

Zum einen werden Patienten mit einer Ausnahme-Erlaubnis nach § 3 Abs. 2 BtMG mit dem Umstand konfrontiert, dass der Gesetzgeber entschieden hat, jene als „Selbsttherapie“ zu bezeichnen, was einen Begriffs-Missbrauch darstellt, denn es ist keineswegs eine „Selbsttherapie“, weil eine Selbsttherapie implizieren würde, dass der Patient, und nur der Patient allein über den medizinischen Cannabis-Gebrauch entscheiden könnte – dies kann der Patient jedoch nicht, falls er ein anständiger und gesetzestreuer Mitbürger bleiben möchte.

Wie auch in den Niederlanden, hat ein Patient vom Arzt begutachtet zu werden, der Arzt hat zu entscheiden, ob die Beschwerden mit medizinischem Cannabis behandelbar sind, und es ist auch der Arzt, der die Dosierung empfiehlt – und wie in den Niederlanden auch (siehe 1), müssen alle anderen Möglichkeiten und legalen Behandlungswege ausgeschöpft sein, und nur in Fällen, in welchen es keine anderen, „legalen“ Alternativen gibt, bzw. legale Möglichkeiten unwirksam sind, und/oder diese Alternativen mit schweren, intolerablen Nebenwirkungen einhergehen, kann die Erlaubnis nach dem deutschen BtMG § 3 Abs. 2 erteilt werden.

„Anträge auf Erteilung einer Ausnahmeerlaubnis nach § 3 Absatz 2 BtMG zum Erwerb von Cannabis-Blüten und Cannabis-Extrakt können zur Anwendung im Rahmen einer medizinisch betreuten und begleiteten Selbsttherapie gestellt werden.“ – Dies ist ein Widerspruch in sich!

Nachdem eine Erlaubnis einmal erteilt wurde, ist für den deutschen Patienten ein regelmäßiger Kontakt (ca. alle zwei Monate) mit dem betreuenden Arzt vorgesehen, der die Behandlung und Fortschritte des Patienten überwacht, und der entscheidet, ob die Dosis erhalten bleiben oder geändert werden sollte. Das ist nicht anders als in den Niederlanden (wo die Patienten den Arzt jedes Mal zum Zweck der Verschreibung aufsuchen). Und in beiden Ländern ist die Behandlung unter Aufsicht und darum darf man auch nicht über eine „Selbsttherapie“ sprechen.

Des Weiteren haben deutsche Patienten alle sechs Monate ein Betäubungsmittel-Protokoll an die Bundesopiumstelle abzugeben, in welchem Einkauf und Verbrauch der vorangegangenen 6 Monate sowie der Ist-Bestand exakt zu dokumentieren ist. Gleichermaßen hat auch die Apotheke ein Verkaufsprotokoll für jeden Patienten zu erstellen – somit ist der Vorgang sogar zweifach überwacht.

Patienten in Deutschland sind sogar stärker überwacht als in den Niederlanden, sowohl von der Bundesopiumstelle, als auch durch den begleitenden Arzt – wenn Deutschland so etwas „Selbsttherapie“ nennt, ist das meiner Ansicht nach nicht der korrekte Begriff. Es ist eine ärztlich begleitete und von der Bundesopiumstelle überwachte medizinische Behandlung und darum noch weniger eine „Selbsttherapie“ als in den Niederlanden.

Der Hauptunterschied zwischen den Niederlanden und Deutschland liegt wohl darin, dass in den Niederlanden ausschließlich der Arzt darüber entscheidet, ob der Patient von medizinischem Cannabis profitieren würde, und der Arzt auch die Entscheidung trifft, dem Patienten medizinisches Cannabis zu verschreiben. In Deutschland entscheidet der Arzt lediglich, ob er einen Patienten bei der Antragstellung unterstützt oder nicht, die ohnehin nur erteilt wird, wenn alle erforderlichen Vorgaben erfüllt sind, aber es ist die Bundesopiumstelle, die schließlich entscheidet, ob dem Patienten diese Erlaubnis erteilt wird. In keinem der beiden Länder kann der Patient allein entscheiden, und in keinem der Länder ist es ein rezeptfrei erhältliches Arzneimittel. Verschreibung oder Erlaubnis, zwei Bezeichnungen für die gleiche Sache.

Die Erlaubnis ermöglicht dem Patienten, eine gewisse Menge (bis max. Dosis) medizinischen Cannabis über den Zeitraum eines Monats in einer benannten Apotheke zu erwerben. Auf welche Weise kann hier mit einer geringeren Kontrolle als gegenüber einer Verschreibung argumentiert werden? Hinzu kommt, dass der Apotheker ebenso eine Erlaubnis zu beantragen hat, um medizinischen Cannabis der Firma Bedrocan (Niederlande) an den benannten Patienten zu verkaufen.

Die offizielle internationale Definition von „Selbsttherapie“ lautet wie folgt: „The act or an instance of helping or improving oneself without the assistance from others“.

Dieser Definition gemäß kann eine Ausnahme-Erlaubnis nach § 3 Absatz 2 BtMG nicht als „Selbsttherapie“ bezeichnet werden.

Das Kostenproblem

Das nächste Problem für den Patienten ist der Kostenfaktor – die meisten Patienten werden für ihre Medizin einen Erstattungsantrag an ihren Versicherer stellen, aber von wenigen Ausnahmefällen abgesehen, wurden bis jetzt alle diese Anträge ohne irgendeine Form von individueller Stellungnahme zurückgewiesen, auf welche aber jeder Patient nach §2 Abs. 1a SGB V (see 3) and Art. 2 Abs 2 Satz 1 GG einen Anspruch hat. (see 4).

Die GKV dürfen das, weil sie rechtlich nicht dazu verpflichtet sind, Kosten für eine Behandlung zu erstatten, welche vom Gesetzgeber „Selbsttherapie“ genannt wird. Ich möchte hier nicht die Hürden der Antragstellung beanstanden, um eine registrierte Patientin nach § 3 Absatz 2 BtMG zu werden, aber den offiziellen Status, für welchen die Bezeichnung „Selbsttherapie“ nicht angemessen ist.

Solange dieser Status als solcher verbleibt und die Gesetze derart interpretiert werden, ist der Patient mit einem weiteren Problem konfrontiert, nämlich dem Verkaufspreis der Bedrocan-Produkte aus den Niederlanden, welche von der Firma Fagron nach Deutschland importiert werden.

In holländischen Apotheken beträgt der Verkaufspreis von Bedrocan-Produkten (Dose à 5 Gramm) 38 Euro zuzüglich einer einmaligen Lieferpauschale von 6 Euro (unabhängig davon, wie viele Dosen gekauft werden), aber in Deutschland werden mindestens 75 Euro pro Dose aufgerufen – was eine horrende Preisdifferenz darstellt! Darf man sich über eine solche Preisdifferenz zwischen diesen beiden Ländern nur wundern? Wie kann der Preis des gleichen Produkts in zwei benachbarten Ländern derartig variieren?

Die Preise in Deutschland variieren je nach Apotheke zwischen 75 und 125 Euro pro 5-Gramm Dose, was für manche Patienten bedeutet, Arzneirechnungen von bis zu 2.000 Euro im Monat zu begleichen, eine horrende Summe – wenn man berücksichtigt, dass in den Niederlanden das selbe Produkt zum Einheitspreis von 38 Euro verkauft wird (siehe 2). Dieser Kostenfaktor sowie die Tatsache, dass deutsche Patienten in aller Regel keine Erstattung oder finanzielle Hilfe von irgendwoher erhalten, belässt deutsche Patienten in entweder unter- bis komplett unversorgter Situation oder in erbärmlicher Armut und im reinen Kampf ums Überleben.

Ich kann verstehen, dass es ein wenig mehr kostet als in den Niederlanden, Cannabis-Patient zu sein, aber wie ist bitte ein Mindestaufschlag von 197,8% zu rechtfertigen?

So nennt man das einerseits „Selbsttherapie“, obwohl es keine ist, folglich begründen die GKV ihre Kostenübernahme-Ablehnungen entsprechend – andererseits muss doch irgendwo in dieser Logistiklinie auch jemand sitzen, der vermutlich den Freibrief zur beliebigen kapitalistischen Preisgestaltung ausgestellt hat…!?

Immerhin würde der Preis keinen Patienten stören, wenn die Kosten wie bei gängigen Verschreibungsmedikationen von den GKV übernommen würden. In den Niederlanden stehen den Patienten sogar verschiedene Versicherer zur Verfügung, aus welchen sie nach entsprechenden Erstattungskriterien ihren Versicherer auswählen können. Diese Wahl haben deutsche Patienten nicht.

Das bedeutet, dass einige Patienten sich ihre Medizin nicht leisten können und lediglich die Wahl haben, zu medizinieren oder eben nicht zu medizinieren, Patienten, die keine andere Behandlungsmöglichkeit sehen als sich selbst als Patienten beim BfArM registrieren zu lassen, denn wäre da eine alternative Möglichkeit gewesen, hätte der Patient keine Ausnahme-Erlaubnis nach §3 Abs. 2 BtMG beantragen müssen.

Die eine Hand gibt es, die andere nimmt es wieder weg.

Lieferprobleme

Hinzu kommt, dass alle deutschen Patienten mehrfache Lieferausfälle im Dezember 2013 und nun erneut im Januar 2014 hinzunehmen hatten und wir alle informiert worden sind, dass Bedrocan nicht vor Monatsende Januar ausgeliefert werden kann, was bedeutet, dass viele Patienten über die vergangenen zwei Monate weder über ihre Medizin noch andere Behandlungsmöglichkeit für ihre schwerwiegenden chronischen Leiden verfügten…! – Wie kann so etwas sein?

Es ist eine insgesamt unerträgliche Situation und es ist der falsche Status der „Selbsttherapie“, welchem diese Situation geschuldet ist, ein Status, der deutsche Patienten sich selbst überlässt, ohne jegliche Hilfe des staatlichen Auffangsystems, das eigentlich ihren Schutz und ihre Unversehrtheit sicherstellen sollte!

Zusammenfassend zur Problematik deutscher Patienten

1. Finanziell gesehen ist der Preis für medizinisches Bedrocan-Cannabis für die meisten Patienten unerschwinglich hoch.
2. Die GKV weisen alle Anträge auf Kostenübernahme zurück
3. Lieferprobleme
4. Die Beschaffungsschwierigkeiten nötigen Patienten in kriminelle Handlungen, wobei sie sich dem Risiko der Strafverfolgung und möglicherweise der Inhaftierung auszusetzen haben

Bei all diesen Hintergründen mag es nicht Wunder nehmen, wenn einige Patienten sich – als Gesetzesbrecher – in den illegalen Markt gezwungen sehen oder selbst ein paar Pflanzen anbauen, oder sich die Medizin illegal aus den Niederlanden nach Deutschland schmuggeln – aber wer will sie schuldig sprechen, in einem System, das einerseits zur Kenntnis nimmt, dass sie keine andere Behandlungsmöglichkeit haben, aber sie andererseits nicht auf den gleichen Wegen versorgt, wie es bei anderen Behandlungsformen im Gesundheitssektor üblich ist. Das System zwingt sie zu diesem Handeln.

Alles läuft auf den einen Punkt hinaus, den Status der Cannabis-Blüten der Firma Bedrocan als nicht verschreibungsfähig und den Status der Behandlung – tituliert als „Selbsttherapie“.

Es ist eine sehr komplexe Situation mit vielen Faktoren und Facetten, welche die Behandlung, das tägliche Leben und Lebensqualität der Patienten in eine negative Richtung prägt, und ein System welches in Kauf nimmt, diese Patienten zu opfern, ein System, welches unter diesen Umständen Patienten auf Schwarzmärzte oder zu kriminellen Handlungen zwingt – das Gesetz lässt ihnen keinen anderen Ausweg.

Ist es eine verantwortungsvolle Gesellschaft, die ihre schwerst kranken und behinderten Mitbürger auf solche Art traktiert?

Ich würde gern wissen, was das BfArM hinsichtlich seiner Aufgabe, Regierung und Entscheidungsträger auf die gravierenden Probleme legaler Cannabis-Patienten aufmerksam zu machen, zu tun beabsichtigt? Und ob Sie des weiteren darauf aufmerksam machen wollen, dass es nötig ist, hier schnelle Änderungen zu bewirken, wenn Deutschland den illegalen Markt nicht länger fördern und Patienten in kriminelle Aktivitäten zwingen will?

Insofern würde ich auch begrüßen, wenn das BfArM uns als Patienten darin beraten könnte, wie wir mit einer Situation umgehen sollen, sofern nicht genügend finanzielle Mittel für die überteuerten Produkte vorhanden sind, und was wir tun sollen, wenn nicht einmal die Lieferfähigkeit sichergestellt ist?

Mit Dank für Ihre Antwort im Voraus.

Hochachtungsvoll

Liliane Morriello

(1) http://www.cannabisbureau.nl/en/MedicinalCannabis/Doctorsandpharmacists/Groundsforuse/
(2) http://www.cannabisbureau.nl/en/MedicinalCannabis/

(3) http://dejure.org/gesetze/SGB_V/2.html

(4) http://dejure.org/gesetze/GG/2.html

Übersetzung: Marion – „Jo“ – Kupfer

marijuana scales of justice

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