11
Feb
2017

Klima-Aussichten


Der Bundesrat winkt am 10.02. 2017 das neue Gesetz zu Cannabis als Medizin durch.
Patienten winken diesem Ereignis inzwischen hoffnungsfreudig zu.
Winken Ärzte hierzulande nun diese in nahezu 20 Jahren erkämpfte gesetzliche Neuerung einer Cannabis-Verschreibungsmöglichkeit womöglich mehrheitlich ab?

Im sozialen Netzewerk Facebook nimmt die Zahl der von Patienten lancierten Medizin-Cannabis-Informations- und Aufklärungsseiten zu, aber allenthalben sind dort verdrossene Kommentare zu lesen wie etwa „Mein Arzt stellt mich in die Junkie-Ecke“ oder „Mein Doc meint, er darf keine Betäubungsmittel verschreiben“, bis hin zu ärztlichen Bemerkungen wie „Dafür gibt es andere Mittel; Drogenkonsum ist keine Lösung bei gesundheitlichen Problemen“ oder auch „Ich habe als Arzt schlicht nicht die Zeit mich um aktuelle Entwicklungen im Gesundheitswesen zu kümmern, mich auf dem Laufenden zu halten, weil Dokumentation, Abrechnung und sonstige Praxis-Bürokratie mich zeitlich total auffressen.“
Einer schrieb sinngemäß – bezogen auf das Ärzte-Wissen zu Cannabis und die mögliche Verschreibung –  „es dürfe von einem Opel-Mechaniker nicht erwartet werden, dass er sich in der Reparatur von VW- oder BMW-Modellen auskenne…“

Es wäre daher blauäugig zu glauben, mit dem Inkrafttreten des Gesetzes im März 2017 würde sich von einem auf den anderen Tag alles zum Guten wenden.

Vereinzelt dürfte das Arzt-Patienten-Klima sogar deutlich schlechter werden, wenn die Suche nach aufgeschlossenen Ärzten künftig immer dringlicher wird und verzweifelte Patienten in Ballungsräumen telefonisch selbst erstellte Listen abarbeiten, um auf diese Weise  herauszufinden, ob angerufene Mediziner zu den „Cannabis-Verschreibungswilligen“ gehören oder nicht.

Absehbar scheint daher, dass man ab März 2017 trotz neuem Gesetz als nicht mit Cannabis oder Cannabisprodukten versorgter Patient noch ein paar weitere Jahre an Geduld aufbringen muss, bis die genannten Mittel so häufig verschrieben werden wie es medizinisch tatsächlich notwendig und sinnvoll wäre.
Ebenso wie der in Gründung befindlichen Cannabisagentur noch ein paar Jahre zugestanden werden müssen, bis sie mit kompetenten Mitarbeitern bestückt ist, Lizenzen vergibt, Ernten aufkauft, in Zusammenarbeit mit Produzenten und „apothekischem Dealwesen“ Versorgungslücken-frei funktioniert und endlich behauptet werden kann: „Läuft!“

Diese (wenigen?) Jahre bis „Läuft!“ gilt es für viele Kranke irgendwie zu überbrücken.
Eigenanbau und einhergehender Antrag auf Erlaubnis zum Eigenanbau von Cannabis wäre für gärtnerisch talentierte Patienten zumindest eine Brücken-Option. Alle Übrigen sind dazu verdammt Klinken zu putzen, zu erklären, zu bitten, zu bittstellen, zu versuchen zu überzeugen und ein entspanntes Klima zu schaffen, in einer im Grunde menschlich hochdramatischen Situation, nämlich der eigenen Krankheit…

– Axel Junker –

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